Warum gibt es Leid auf der Welt?

Die Frage nach dem Leid bzw. dem Bösen in der Welt, die auch Theodizeefrage genannt wird, stellen sich die Menschen aller Generationen immer wieder aufs Neue und eine Antwort darauf zu finden ist nicht immer ganz einfach, besonders wenn wir einen Gott als Schöpfer dieser Welt annehmen: Wenn es einen Gott gibt, warum gibt es dann soviel Leid auf der Welt? Und warum greift dieser bei den ganzen Ungerechtigkeiten nicht ein? Warum hilft er nicht den Millionen Menschen, die hungern müssen oder die von Krieg und Vertreibungen verfolgt werden? Warum passieren Naturkatastrophen? Und nicht zu vergessen das persönliche Leid jedes Einzelnen mit Verlust, Verlassenheit und Krankheit.

Grund 1: Freiheit des Menschen

Der Mensch ist nicht Sklave Gottes, sondern Gott hat ihn als sein Ebenbild mit freiem Willen ausgestattet. Daraus resultiert die Wahl zwischen Gut und Böse mit allen Konsequenzen.

Gott ist nicht Urheber des Leids

Wenn wir vom christlichen Gottesbild ausgehen, das durch die Gleichsetzung eines letzten bzw. ersten Prinzips (Gott!) mit dem Guten, Schönen und Wahren begründet ist (nach Platon, gefolgt von den großen Metaphysikern des Okzident), kann Gott niemals die Ursache bzw. der Urheber für das Böse und das Leid in der Welt sein. Deshalb lässt sich die Frage nach dem Leid in der Welt nur vom Gedanken der Freiheit her beantworten: Weil der Mensch selber freie Entscheidungen treffen kann, kann er sich auch gegen den Willen Gottes entscheiden und auf diese Weise das moralische Böse und Leid in der Welt verursachen. Ohne die Möglichkeit des Menschen zur freien Wahl zwischen Gut und Böses gäbe es nur Gutes, weil Gott eben nur das Gute, Schöne und Wahre sein kann, sofern es ihn gibt. Würde der Mensch aufgrund seiner Entscheidungsfreiheit nicht die Wahl haben, sich entweder für das Gute oder aber für das Böse zu entscheiden, so gäbe es keine Freiheit und er würde sich in absoluter Abhängigkeit zu einer Notwendigkeit befinden. Alles wäre auf diese Weise vorherbestimmt. Das Böse sowie das Leid ist also ohne die Freiheit nicht denkbar und gehört somit zu deren innersten Wesenskern. Ebenso widerspricht der Gedanke einer Vorherbestimmung (Prädestination) des menschlichen Schicksals dem Wesen Gottes, denn dieser kann nur das Gute wollen und nicht den Menschen zu Leid und Untergang vorherbestimmen, wenn er mit dem Guten als solchen identifiziert wird.


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Freier Wille des Menschen als Ursache

Als Christen glauben wir, dass Gott in seiner Allmacht und Güte ursprünglich eine heile Welt erschaffen hat. Gleichzeitig hat Gott den Menschen aber nicht zu seinem Sklaven gemacht, sondern ihn stattdessen mit einem freien Willen ausgestattet, so dass er sich für oder auch gegen seinen Schöpfer entscheiden kann. Bereits die ersten Menschen, so berichtet uns die biblische Überlieferung, haben die Gebote Gottes nicht befolgt – angestachelt vom Widersacher Gottes – und wurden aufgrund ihres Sünde aus dem Paradies vertrieben. Die Konsequenz dieses falschen Handelns der ersten Menschen hat Tod, Krankheit, Hass und Gewalt in die Welt gebracht. Als freies und sich seiner selbst bewusstes Lebewesen kann sich der Mensch letztlich zwischen Gut und Böse mit allen damit zusammenhängenden Konsequenzen entscheiden. Gott respektiert diese Wahl mit den damit verbundenen Folgen. Die Existenz von Freiheit ist somit Bedingung und Grund für das moralisch Böse und das hieraus entstehende Leid. Damit bringt die Freiheit zwangsläufig das moralisch Böse sowie das Leid in der Welt hervor und umgekehrt lässt sich der Freiheitsgedanke aus der reinen Existenz des moralisch Bösen und des Leids ableiten. Das moralisch Böse selbst entsteht hierbei zumeist aus falschen Vorstellungen bzw. Ideologien (z.B. der Nationalsozialismus oder Kommunismus), der Triebhaftigkeit des Menschen (besonders hinsichtlich der Sexualität und dem Streben nach Macht), aufgrund von Eigennutz bzw. Egoismus und schließlich oft aus Stolz (die Ursünde) heraus. Die passenden Einflüsterungen der gefallenen Engel zur Sünde tun hier noch ihr übriges dazu. In diesem Zusammenhang verursacht dann das Streben des individuellen Willen eines Einzelnen durch die eben aufgezählten Antriebe das moralisch Böse und das Leid in der Welt, weil der einzelne Wille aufgrund jener Antriebe in Konflikt mit dem freien Willen anderer Individuen gerät, was schlussendlich in Gewalt (egal ob psychisch oder physisch) endet. Das Böse an sich (=Übel, geht über den Begriff des moralisch Bösen hinaus) – ausgenommen sind hier die gefallenen Engel – ist zudem nichts für sich, hat also kein eigenständiges Sein, sondern lässt sich letztlich als Mangel an Gutem („privatio boni“) verstehen, wie es von Augustinus und später durch Johannes Scotus Eriugena, Thomas von Aquin sowie anderen großen Gelehrten definiert wurde. Es ist vielmehr ein Nicht-Sein und kann sich durch den Abstand der Materie vom Geist (Materie wird in der Seinsordnung als dem Geist untergeordnet angenommen, weil sie aufgrund ihrer Festigkeit über einen größeren Abstand zum göttlichen Urgrund verfügt als der reine Geist.) sowie aufgrund der Vereinzelung, die in der Entfernung (nicht räumlich verstanden) zum göttlichen Urgrund stattfindet, erklärt werden. Dort wo also Individuation stattfindet, die Freiheit impliziert, entsteht letztlich auch die Möglichkeit zum moralisch Bösen. Würde nun ein Gott in diese Freiheit eingreifen und das moralisch Böse an sich verhindern, so läge eine Einschränkung eben dieser Freiheit vor. Weil Gott die Freiheit des Menschen respektiert, so respektiert er auch die Existenz von moralischem Bösem und Leid, welches dann oftmals durch ganze Generationen von Menschen ertragen werden muss. Das ist eben der Preis für die Freiheit.


Grund 2: die Naturgesetze

Das Leid hat seine Ursache aber nicht nur allein im moralisch Bösen (durch den freien Willen des Menschen verursacht), sondern entsteht auch durch die dem Gesetz der Kausalität unterworfene Natur, die sich als neutral deuten lässt, und somit jenseits von Gut und Böse im ewigen Werden begriffen ist. Das bezeichnen wir auch gemeinhin als „Schlechtes in der Natur“, worunter z.B. jegliche Naturkatastrophen (Erdbeben, Stürme, Vulkanausbrüche usw.), Krankheiten und ähnliches fallen. Dieses „Schlechte“ wird nur vom Mensch als solches definiert und ist genau genommen betrachtet eigentlich neutral, also weder gut noch böse. Es ist dem kosmischen Gesetz des ewigen Werdens, den Naturgesetzen immanent. Dieses ewige Naturgesetz kennt keine moralische Unterscheidung in ein Gut und Böse, sondern es handelt sich einfach um neutrale Naturprozesse. Gott hat der Natur bzw. dem Universum diese neutrale Eigendynamik verliehen, ähnlich einem einmal angestoßenen „perpetuum mobile“. Weil wir als Menschen der Materie unterworfen sind, müssen wir uns mit diesen Naturprozessen leider arrangieren. Wir wissen aber zugleich, dass unser Leben endlich ist und wir uns nur für diese begrenzte Zeit mit solchen Widrigkeiten abfinden müssen. Stattdessen können wir unsere ganze Hoffnung auf eine perfekte himmlische Welt nach dem Tod richten, der es entgegenzustreben gilt. Nach dieser sollten wir unser ganzen Leben durch die Befolgung der göttlichen Gesetze ausrichten.


Göttliche Tröstung & Teilhabe am Priestertum Christi

Gott hat – aufgrund seiner unendlichen Barmherzigkeit mit den in Sünde gefallenen Menschen – Fleisch angenommen und ist in seinem Sohn Jesus Christus selbst Mensch geworden und hat die Welt durch seinen Tod am Kreuz erlöst. Durch seinen Tod und seine Auferstehung von den Toten haben auch wir als getaufte Christen ebenso Anteil an dieser Auferstehung bekommen. Vor seiner Auffahrt in den Himmel hat er den Menschen seinen Heiligen Geist als Beistand in die Welt gesandt und stärkt durch ihn alle, die dem Bösen entsagen. Auf diese Weise macht er uns das Leben auf Erden zwar nicht perfekt, aber dafür erträglicher.
Durch den Kreuzestod Christi haben alle Getauften auch Anteil am allgemeinen Priestertum der Gläubigen. Unsere Leiden werden erst aufgrund des Kreuzes Christi und der damit verbundenen Teilhabe aller Getauften am Priestertum Christi fruchtbar gemacht. Peter A. Kwasniewski fasst dies wie folgt zusammen:

Die einzige Weise, wie Leiden eingelöst werden und erlösend wirken kann, ist sozusagen durch diese unsere Teilhabe am Priestertum Christi. Andernfalls ist das Leiden sozusagen ‚umsonst‘ und sinnlos. Und ist dies etwa nicht – zusammen mit der Frage nach dem Warum des Todes, eine der quälendsten Fragen, die sich der gefallene Mensch immer wieder stellt? ‚Warum gibt es Leid, warum gibt es das Böse in der Welt, warum müssen wir Krankheit, Alter und schließlich den Tod erleiden?‘ Jenseits von Christus gibt es darauf keine Antwort und jenseits von Christus ergibt es keinen Sinn und bringt uns keine Frucht. Aufgrund unseres Anteils am Priestertum Christi, sind wir in der Lage, mit ihm vereint zu sterben, um mit ihm in das ewige Leben einzugehen. Unser Tod wandelt sich von einem Fluch zu einer Gnade, einem Segen, einem Tor zum ewigen Leben. Er bleibt ein Fluch für die Natur, aber dieser Fluch wird in eine Gelegenheit zur endgültigen Heiligung und damit zu unserer Erlösung umgewandelt.


Warum Gibt es Leid? (HERDER spektrum)
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Quellen:

  • Kwasniewski, Peter A.: Neuanfang inmitten der Krise. Die heilige Liturgie, die traditionelle lateinische Messe und die Erneuerung der Kirche; Tremsbüttel 2017, S. 115f.
  • Thomas von Aquin: Summe der Theologie. Herausgegeben von Joseph Bernhart (3 Bände); Stuttgart ³1985.
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Letzte Aktualisierung am 14.12.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API