Taizé-Gebet

Zu den noch jüngeren Gebetsformen zählt das Taizé-Gebet in Form von Andachten, die in christlichen Kirchen abgehalten werden. Es ist erst im Laufe des 20. Jahrhunderts entstanden und greift auf unterschiedliche christliche Traditionen wie z.B. den klassisch-römische Ritus) zurück (u.a. Elemente wie lateinische Gesänge (haben einen universellen Charakter), Momente der Stille, die Weitergabe beim Friedensgruß oder die liturgische Funktion des Subdiakons wurden von der Gemeinschaft von Taizé adaptiert). Besonders beliebt ist es bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.


Was ist das Taizé-Gebet?

Beim Taizé-Gebet handelt es sich um eine spezielle Andachtsform, die ihren Ursprung in der Communauté von Taizé (eine ökumenische geistliche Bewegung) hat. Sie wird nicht nur in Taizé selbst, sondern weltweit in vielen Kirchen unterschiedlicher Konfession verrichtet.


Wie ist ein Taizé-Gebet aufgebaut?

Eine typische Taizé-Andacht ist folgendermaßen aufgebaut:

    Gebetshocker / Meditationshocker

  • 1-2 Gesänge zur Einstimmung
  • Psalm: Aus den Psalmen werden in der Regel ausgewählte Versen vorgetragen, die von 1-2 Anwesenden abwechselnd gelesen oder gesungen und von allen jeweils mit einem Alleluja oder anderem Gebetsruf beantwortet werden.
  • Gesang
  • Lesung aus der Bibel
  • Gesang
  • Stille (etwa 10 Minuten)
  • Fürbitten oder Lobpreis: Die einzelnen Bitten oder Preisungen werden von 1-2 Anwesenden gelesen oder gesungen, die von einem Kyrie eleison, Gospodi pomilui (Herr, erbarme dich) oder ein anderer Gebetsruf eingerahmt sind und nach jeder Bitte von allen wiederholt wird. Die erste Bitte oder Preisung endet mit einem abschließenden Zusatz, der auch bei den folgenden angefügt werden kann. Neben vorgegeben Bitten können auch eigene frei formulierte Gebetsanliegen eingebracht werden.
  • Vaterunser
  • Schlußgebet
  • Weitere Gesänge
  • Anschließend können Bibelgespräche in kleinen Gruppen geführt werden.

Aufgrund des wiederholten Singens der einfachen Verse, die Stille sowie die ruhige Atmosphäre hat die Taizé-Andacht einen meditativen Charakter. Eine solche Andacht dauert häufig zwischen einer 3/4 bis 1 1/2 Stunden. Die an der Andacht Teilnehmenden sitzen häufig auf kleinen Meditationshockern.


Beliebte Gebete und Lieder aus Taizé

Eine Auswahl beliebter Gebete und Lieder der Gemeinschaft von Taizé, die häufig in der universellen Kirchensprache Latein verfasst sind und deshalb gut von allen mitgesungen bzw. mitgebetet werden können. Diese Gebete stehen in christlichen Tradition zu den seit alter Zeit gepflegten Psalmengesängen oder Rundgesängen, die nicht nur gesprochen, sondern gleichzeitig auch gesungen werden. Auf diese Weise verbinden sie sich ganz natürlich mit dem Atem und verleihen dem Gebet einen stark meditativen Charakter.

Ubi caritas

Latein:

Ubi caritas
Et amor
Deus ibi est

Deutsch:

Wo die Güte
und die Liebe,
da wohnt Gott.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=b_QEP-RHYLY

Ubi Caritas“ als Gregorianischer Choral zum Anhören


Laudate omnes gentes

Latein:

Laudate omnes gentes,
Laudate Dominum.

Deutsch:

Lobet alle Völker,
lobet den Herrn.



Bleibet hier

Bleibet hier und wachet mit mir. Wachet und betet, wachet und betet.


Meine Hoffnung und meine Freude

Meine Hoffnung und meine Freude
Meine Stärke, mein Licht
Christus meine Zuverischt
Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht
Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht


Behüte mich Gott

Behüte mich Gott, ich vertraue dir.
Du zeigst mir den Weg zum Leben.
Bei dir ist Freude, Freude in Fülle!


Wie ist die Gemeinschaft von Taizé entstanden?

Im Hintergrund der Idee von Taizé stand die Frage des damaligen Studenten Roger Schutz (aus dem dann Frère Roger wird), „warum so viele Jugendliche nach dem Ende des Studiums mit ihrem Glauben allein dastehen1“? Aus jener Frage entwickelte sich der Gedanke, ein gemeinsames Leben zu führen. So kaufte Schutz mit dieser Idee im Jahre 1940 in Taizé, einem fast verlassenen Dorf in der Nähe von Cluny, zunächst ein Haus, wohin er sich zurückzog und in dem er Kriegsflüchtlinge aufnahm.2 Kurze Zeit später musste er vor der Gestapo fliehen, kehrte aber schließlich nach der Befreiung im Sommer 1944 mit den ersten drei Brüdern wieder nach Taizé zurück, wo sie gemeinsam eine zunächst evangelische, später ökumenisch ausgerichtete Gemeinschaft gründeten.3 Am Ostersonntag des Jahres 1949 beschlossen die Brüder, deren Zahl mittlerweile auf sieben angewachsen war (es waren Roger Schutz, Max Thurian, Pierre Souvairan, Daniel de Montmollin, Robert Giscard, Axel Lochen und Albert Lacour), sich nun endgültig dem gemeinsamen einfachen Leben in Ehelosigkeit, „Anerkennung des Dienstamts des Priors sowie spiritueller wie materieller Gütergemeinschaft“ zu verschreiben.4

Im Jahr 1952/53 schrieb Roger Schutz die erste Fassung der „Regel von Taizé“, die später mehrfach überarbeitet wurde und welche „vom gemeinsamen Leben der ersten Jahre geprägt ist5. In ihr finden sich die „wesentlichen Weisungen für eine Berufung“ wieder, „die zum ersten Mal in den Kirchen der Reformation Gestalt gewinnt, die aber an die Erfahrungen des christlichen Mönchtums in Orient und Okzident anknüpft“.6

Bereits im Jahre 1960 zählte die Bruderschaft von Taizé über 40 Brüder aus den verschiedenen Konfessionen „der Reformation mit calvinistischer und lutherischer Tradition7. Seit 1957/58 kamen auch immer mehr Jugendliche nach Taizé und im Jahr 1966 fand das schließlich erste Jugendtreffen mit über 1400 Teilnehmern aus 30 verschiedenen Ländern statt.8 Dann kündigte Frère Roger 1970 ein „Konzil der Jugend“ an, dessen Hauptversammlung im Jahr 1974 stattfand.9 Jenes Konzil wurde 1979 vorläufig ausgesetzt und ging in einen „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“ über, der nicht die „Gestalt einer fest organisierten Bewegung“ hat, sondern die Jugendlichen sollen vielmehr im Alltag herausfinden, wie sie „im Einsatz für Frieden, Versöhnung und in der Kirche und Vertrauen auf der Erde“ unterwegs sein können, „im eigenen Viertel oder Dorf, in der Kirchengemeinde, mit allen Generationen“.10

Für die Entwicklung der Communauté de Taizé war die Begegnung mit Papst Johannes XXIII. (1958-1963) sehr wichtig, weil die Brüder durch ihn erkannten, „dass es für eine wirkliche Versöhnung unter den Christen nötig ist, das Dienstamt des Bischofs von Rom als des universalen Hirten zu unterstreichen und einen Weg in Gemeinschaft mit ihm zu suchen11. So ist es seit 1969 auch Katholiken erlaubt, sich der Gemeinschaft von Taizé anzuschließen, wodurch nun aus der anfangs evangelischen jetzt eine ökumenische Bewegung wurde.12

Während des Abendgebetes in Taizé am 16. August 2005 wurde Frère Roger von einer wahrscheinlich psychisch kranken Rumänin mit einem Messer so schwer verletzt, dass er wenig später seinen Verletzungen erlag.13 Seit dessen Tod übernahm der gebürtige Stuttgarter Frère Alois die Aufgabe des Priors. Die Größe der Gemeinschaft liegt heute bei etwa 100 katholischen und evangelischen Brüdern, von denen etwa ein Drittel in den Elendsvierteln auf der ganzen Welt lebt.


Laudamus Te
Gemeinsame Gebete für das ganze Jahr
Laudate omnes gentes

Quellenangaben

  1. Roger, Einfach vertrauen, 8.
  2. Vgl. Schutz, Heute Gottes, 122f.
  3. Vgl. Roger, Liebe aller Liebe, 117f.
  4. Vgl. ebd., 117.
  5. Schutz, Heute Gottes, 126.
  6. Vgl. ebd., 126.
  7. Ebd., 127.
  8. Vgl. Roger, Liebe aller Liebe, 119.
  9. Vgl. ebd., 121.
  10. Vgl. ebd., 121.
  11. Roger, Einfach vertrauen, 9f.
  12. Vgl. Roger, Liebe aller Liebe, 118.
  13. Vgl. Peng-Keller, Aufbruchsfreude und Geistesgegenwart, 73.

Literaturverzeichnis

Quellen

  • Ein gemeinsames Gebet vorbereiten, In: https://www.taize.fr/de_article1126.html (abgerufen am 25.02.2019)
  • Roger, Frère: Einfach vertrauen. Gedanken und Begegnungen. Ausgewählt von Marcello Fidanzio; Freiburg im Breisgau 2004.
  • Roger, Frère: Liebe aller Liebe. Die Quellen von Taizé; Freiburg im Breisgau 1990.
  • Schutz, Roger: Das Heute Gottes. Übersetzt von Richard Bochinger; Gütersloh ²1961.

Sekundärliteratur


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