Rosenkranz / Rosenkranzgebet

Wenn ich in meiner Wohnung auf und ab gehe und dabei den Rosenkranz bete, kommen mir die schönsten Melodien.

Viele bedeutende Persönlichkeiten haben sich vom Rosenkranzgebet, einer beliebten Gebetsform der katholischen Kirche, inspirieren lassen, wie dieses Zitat des berühmten Komponisten Joseph Haydn zeigt.

Was ist ein Rosenkranz?

Unter einem Rosenkranz wird sowohl eine katholische Gebets- und Andachtsform als auch eine Gebetskette (auch Paternosterschnur genannt) verstanden, die beim gleichnamigen Gebet als Hilfsmittel zum Zählen benutzt wird. Der Rosenkranz als Gebet zählt zu den katholischen Andachtsformen, die am weitesten verbreitet sind. Der Rosenkranz besteht aus der sich fünfmal wiederholenden Abfolge des Vaterunser, zehn Ave Maria (mit betrachtendem Gesätz als Einschub) und der abschließenden Doxologie Ehre sei dem Vater, die mit Hilfe der Perlenkette gebetet werden. Die einzelnen Rosenkranzgesätze betrachten das Leben, Sterben und die Auferstehung Jesu Christi. Der komplette Rosenkranz mit allen drei klassischen Geheimnissen wird auch Psalter genannt. Das Rosenkranzgebet wird für die verschiedensten Anliegen verrichtet, sei es um Kraft im Alltag, Trost in Krankheit, Trauer oder Leid zu bitten.

Besonders in den Monaten Mai und Oktober wird in der katholischen Kirche der Muttergottes gedacht: So gilt der Mai traditionell als Marienmonat Marienmonate und der Oktober als Rosenkranzmonat. In dieser Zeit finden vielerorts nach alter Tradition Marien- und Rosenkranzandachten statt. Ebenfalls wird der Rosenkranz auch gerne bei der jährlichen Fronleichnamsprozession oder auf Wallfahrten gebetet.

Als Gebetskette gibt es den Rosenkranz in unterschiedlichen Varianten wie z.B. als Rosenkranzring, Rosenkranzkette oder Rosenkranzschnur sowie aus verschiedenen Materialien wie u.a. Holz, Perlmutt, Metall oder Kunststoff in diversen Onlineshops und Devotionalien-Geschäften käuflich zu erwerben.



Wie ist der Rosenkranz entstanden?

Rosenkranz beten

Seinen Ursprung hat das Rosenkranzgebet im frühen Mittelalter. Dort wird eine solche Gebetskette erstmals von einer Adligen namens Lady Godiva im 11. Jahrhundert erwähnt, die aus aufgezogenen Steinen für wiederholt gesprochene Gebete bestand. Ab dieser Zeit begann sich der Rosenkranz langsam zu seiner heutigen Form zu entwickeln, anfangs mit dem Vaterunser als sich wiederholenden Gebet, dann kam das Ave Maria dazu. Eine Vorform der heutigen 15 Rosenkranzgeheimnisse gehen auf den Zisterzienserabt Stephan von Sallay († 1252) zurück. In den Klöstern des 12. Jahrhunderts, waren viele der Aspiranten weder des Lesens noch der lateinischen Sprache mächtig. Statt die lateinischen Psalmen im Stundengebet verrichten zu müssen, durften diese ersatzweise das Vaterunser und Ave Maria für die Psalmen beten. Die 150 Psalmen der Bibel wurden hier durch 150 Ave Maria ersetzt (auch als Marienpsalter bezeichnet). Der Kartäusermönch Dominikus von Preußen (1382-1460) aus Trier fasste die Ereignisse des Lebens Jesu in 50 Schlusssätzen (clausulae) zusammen, die sich an den ersten Teil des Ave Maria anschlossen. Adolf von Essen (1350-1439), ebenfalls ein Kartäuser aus Trier, kürzte diese Schlusssätze auf fünfzehn ein und gab dieser Gebetsform den Namen „rosarium“, zu deutsch „Rosenkranz“. Ein weiterer Kartäuser Heinrich Eger von Kalkar (1328–1408) teilte die Ave Maria in Zehnergruppen ein und fügte an den Beginn jeder Zehnergruppe ein Vaterunser hinzu. Im Jahr 1440 wurde das Glaubensbekenntnis und um 1500 ans Ende jeder Zehnerreihe eine Doxologie in Form des „Ehre sei dem Vater“ ergänzt. Im Jahr 1569 regelte Papst Pius V. dann offiziell die Form des Rosenkranzgebets in seinem „Breve Consueverunt“ für die ganze Kirche.

Nach einer alten Legende erschien einst einem Marienverehrer die heilige Muttergottes, als dieser eine Marienstatue mit einem geflochtenen Kranz aus Rosen schmückte. Maria sagte ihm während der Erscheinung, dass sie sich einen anderen Rosenkranz mehr freue, nämlich über 50 gebetete Ave Maria. In ihren Händen würden diese Gebete zu Rosen, aus denen sie den schönsten Kranz flechten könne. Eine weitere Legende besagt, dass der hl. Dominikus habe den Rosenkranz im Jahr 1208 von Maria als Waffe gegen die Albingenser geschenkt bekam.

Dem Rosenkranzgebet wird eine große Wirkung zugeschrieben: Vor der großen Seeschlacht von Lepanto (am 7. Oktober 1571) beteten die „Rosenkranzbruderschaften“ in Rom um den Sieg, aus dem die Flotte der christlichen Mittelmeermächten unter Führung von Papst Pius V. gegen das Osmanische Reich siegreich hervorgingen. Derselbe Papst führte als Dank für den Sieg das Fest „Maria vom Siege“ am 7. Oktober 1572 in den Römischen Festkalender ein, das kurze Zeit später in „Rosenkranzfest“ umgetauft wurde. Papst Clemens XI. dehnte das Fest im Jahr 1716 (Grund war der Sieg gegen die Türken in Ungarn) dann auf die gesamte Kirche für den jeweils ersten Sonntag im Oktober aus. Papst Pius X. legt das Fest „Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz“ im Jahr 1913 wieder auf den 7. Oktober. Am 16. Oktober 2002 hat Papst Johannes Paul II. dem Rosenkranz mit dem Apostolischen Schreiben „Rosarium virginis mariae“ die lichtreichen Geheimnisse hinzugefügt.


Wie wird der Rosenkranz gebetet?

In der folgenden Schritt-Schritt-für-Anleitung wird erklärt wie das Rosenkranzgebet funktioniert:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=p_shhU_H5Z0

Der Rosenkranz auf Latein als Gregorianischer Choral zum Anhören

1. Der Rosenkranz wird mit der trinitarischen Formel eröffnet: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

2. Anschließend wird das Kreuz der Gebetskette in die Hand genommen und an diesem das Apostolische Glaubensbekenntnis gebetet.

3. An der ersten großen Perle erfolgt nun ein Ehre sei dem Vater sowie ein Vaterunser.

4. Nun folgen 3 Perlen, an denen jeweils ein Gegrüßet seist Du Maria mit den folgenden Einschüben gebetet wird:

Deutsch:

Jesus, der in uns den Glauben vermehre.
Jesus, der in uns die Hoffnung stärke.
Jesus, der in uns die Liebe entzünde.

Latein:

Qui adaugeat in nobis fidem.
Qui corroboret in nobis spem.
Qui perficiat in nobis caritatem.

Hinweis! Alle Einschübe erfolgen beim „Gegrüßet seist Du Maria“ immer nach dem Wort „Jesus“.

5. Auf der folgenden großen Perle wird wieder ein „Ehre sei dem Vater“ und „Vater unser“ gesprochen.

6. Danach gehen wird zur Hauptkette über, an der jetzt die einzelnen Gesätze (Geheimnisse) gebetet werden:

So werden auf den ersten 10 gruppierten Perlen, die auch als erstes Gesätz bezeichnet werden, jeweils ein „Ave Maria“ mit dem ersten Geheimnis als Einschub gebetet. Ebenso wird mit den übrigen vier Gesätzen verfahren, also beim nächsten Gesätz erfolgt wiederum 10x das „Gegrüßet seist Du Maria“, dann mit dem zweiten Geheimnis als Einschub usw. Aktuell gibt es vier offizielle Geheimnisse mit jeweils fünf Glaubenswahrheiten, die einen bestimmten Teil aus dem Leben Jesu betrachten: Es sind die glorreichen, freudenreichen, schmerzhaften und lichtreichen Geheimnisse (Gesätze). Einen Überblick findest Du weiter unten.

Auf den einzelnen großen Perlen zwischen den 10 gruppierten Perlen wird immer ein „Ehre sei dem Vater“ sowie ein „Vater unser“ gesprochen. Im Anschluss an jedes Gesätz kann nach dem „Ehre sei dem Vater“ noch das Fatima-Gebet eingefügt werden, was aber keinen offiziellen Teil des Rosenkranzgebets darstellt.

7. Das Rosenkranzgebet kann mit folgendem Schlussgebete beschlossen werden, wie es im Katechismus der katholischen Kirche zu finden ist:

V. Bitte für uns, heilige Gottesmutter.
A. Auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.
V. Lasset uns beten. Gott, dein eingeborener Sohn hat uns durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung die Schätze des ewigen Heiles erworben. Wir verehren diese Geheimnisse im heiligen Rosenkranz der seligen Jungfrau Maria. Lass uns nachahmen, was sie enthalten, und erlangen, was sie verheißen. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.
A. Amen.

(V = Vorbeter; A = Gemeinde)

8. Im Anschluss an das Rosenkranzgebet können auch noch die Heiligen (besonders die Tagesheilige) und Namenspatrone um ihre Fürsprache angerufen werden.



Wie viele Perlen hat ein Rosenkranz?

Der Rosenkranz setzt sich aus 59 Perlen (50 kleine und 5 große Perlen) und einem Kreuz zusammen, die als Kette oder Schnur zusammengebunden sind.


Wie lange dauert ein Rosenkranz?

Ein andächtig gebeteter Rosenkranz dauert etwas eine halbe Stunde.


Wann wird welcher Rosenkranz gebetet?

Die klassische Verteilung der unterschiedlichen Rosenkranz-Geheimnisse auf die Wochentage, die offiziell vom Vatikan empfohlen wird:

  • Montag: freudenreiche
  • Dienstag: schmerzensreiche
  • Mittwoch: glorreiche
  • Donnerstag: lichtreiche (heute: freudenreiche)
  • Freitag: schmerzensreiche (in Erinnerung an den Karfreitag)
  • Samstag: glorreiche oder freudenreiche
  • Sonntag: glorreiche (Gedenken an die Auferstehung Jesu)

Welche Rosenkranzgesätze gibt es?

Die drei klassischen Geheimnisse (Gesätze) des Rosenkranzgebets sind die folgenden:

Glorreiche Geheimnisse

Die glorreichen Geheimnisse betrachten die Auferstehung Jesu.

Deutsch:

1. … Jesus,
der von den Toten auferstanden ist
2. … Jesus,
der in den Himmel aufgefahren ist
3. … Jesus,
der uns den Heiligen Geist gesandt hat
4. … Jesus,
der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat
5. … Jesus,
der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat

Latein:

1. … Jesus,
qui resurrexit a mortuis
2. … Jesus,
qui in caelum ascendit
3. … Jesus,
qui Spiritum Sanctum misit
4. … Jesus,
qui te assumpsit
5. … Jesus,
qui te in caelis coronavit

Freudenreiche Geheimnisse

Die freudenreichen Geheimnisse betrachten die Geburt und Kindheit Jesu.

Deutsch:

1. … Jesus,
den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast
2. … Jesus,
den du, o Jungfrau, zu Elisabet getragen hast
3. … Jesus,
den du, o Jungfrau, in Betlehem geboren hast
4. … Jesus,
den du, o Jungfrau, im Tempel geopfert hast
5. … Jesus,
den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast

Latein:

1. … Jesus,
quem, virgo per Spiritum Sanctum, concepisti
2. … Jesus,
quem visitando Elisabeth portasti
3. … Jesus,
quem, Virgo, genuisti
4. … Jesus,
quem in templo praesentasti
5. … Jesus,
quem in templo invenisti

Schmerzhafte Geheimnisse

Die schmerzhaften Geheimnisse betrachten das Leiden und Sterben Jesu.

Deutsch:

1. … Jesus,
der für uns Blut geschwitzt hat
2. … Jesus,
der für uns gegeißelt worden ist
3. … Jesus,
der für uns mit Dornen gekrönt worden ist
4. … Jesus,
der für uns das schwere Kreuz getragen hat
5. … Jesus,
der für uns gekreuzigt worden ist

Latein:

1. … Jesus,
qui pro nobis sanguinem sudavit
2. … Jesus,
qui pro nobis flagellatus est
3. … Jesus,
qui pro nobis spinis coronatus est
4. … Jesus,
qui pro nobis crucem baiulavit
5. … Jesus,
qui pro nobis crucifixus est

Ergänzend wurden von Papst Johannes Paul II. am 16. Oktober 2002 dem Rosenkranz die lichtreichen Geheimnisse hinzugefügt:

Lichtreiche Geheimnisse

Die lichtreichen Geheimnisse betrachten das öffentliche Wirken Jesu.

Deutsch:

1. … Jesus,
der von Johannes getauft worden ist
2. … Jesus,
der sich bei der Hochzeit in Kana geoffenbart hat
3. … Jesus,
der uns das Reich Gottes verkündet hat
4. … Jesus,
der auf dem Berg verklärt worden ist
5. … Jesus,
der uns die Eucharistie geschenkt hat

Latein:

1. … Jesus,
qui apud Iordanem baptizatus est
2. … Jesus,
qui ipsum revelavit apud Canense matrimonium
3. … Jesus,
qui Regnum Dei annuntiavit
4. … Jesus,
qui transfiguratus est
5. … Jesus,
qui Eucharistiam instituit

Neben diesen vier offiziellen Rosenkränzen, gibt es eine Vielzahl weiterer Varianten, die zum privaten Gebet im Umlauf sind. Eine andere Variante des Rosenkranzgebets ist bspw. der Rosenkranz zur göttlichen Barmherzigkeit, der auf eine Offenbarung der hl. Schwester Faustina zurückgeht.


Das Fatima-Gebet

Seit einigen Jahrzehnten wird vielerorts ein zusätzliches Gebet an die fünf Gesätze jeweils nach dem „Ehre sei dem Vater” angefügt, dass die Muttergottes bei einer Marienerscheinung in Fatima am Beginn des 20. Jahrhunderts den drei Seherkindern offenbart hat:

Deutsch:

O mein Jesus,
verzeih uns unsere Sünden,
bewahre uns vor dem Feuer der Hölle,
führe alle Seelen in den Himmel,
besonders jene,
die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.
Amen.

Latein:

Domine Iesu,
dimitte nobis debita nostra,
salva nos ab igne inferni,
perduc in caelum omnes animas,
praesertim eas,
quae misericordiae tuae maxime indigent.
Amen.


Quellen:

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Letzte Aktualisierung am 15.12.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API