Paul Gerhardt – Gebete

Zu den bekanntesten Verfassern deutschsprachiger Kirchenlieder und Gebete gehört neben dem Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld der evangelisch-lutherische Theologe Paul Gerhardt.

Portrait: Paul Gerhardt

Wer war Paul Gerhardt?

Paul Gerhardt wurde am 12. März 1607 in Gräfenhainichen geboren. In den Jahres 1622 bis 1627 besuchte er die Fürstenschule in Grimma. Anschließend studierte er Theologie in Wittenberg von 1628 bis 1642. Im Jahr 1643 zog er nach Berlin um und wirkte dort bis 1651 als Hauslehrer bei Andreas Berthold, dessen Tochter er später ehelichte. 1651 wurde er zum Probst in Mittenwalde ernannt und wurde ab dieser Zeit auch stark dichterisch tätig. Am 11. Februar 1655 heiratete Paul Gerhardt seine Anna Maria Berthold. Im Jahr 1657 erhielt er den Ruf an die Berliner Nicolaikirche, der mit dem Streit um das Kurfürstliche Toleranzedikt zusammenfiel. Das führte 1666 zu seiner Amtsenthebung, weil sich Gerhardt weigerte die Verordnungen zur reformierten Lehre anzunehmen. Deshalb verließ er Berlin und zog im Jahr 1669 als Archidiakonus nach Lübben. Hier starb Paul Gerhardt einsam am 27. Mai 1676.
Paul Gerhardt hat insgesamt 134 deutsche und 14 lateinische Gedichte verfasst.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=MY-aowxVXfI

O Haupt voll Blut und Wunden“ aus der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach zum Anhören


Sei kein Spießer, sei katholisch!
Gregorianische Gesänge
Liederschätze

Gott Vater, sende deinen Geist

Gott Vater, sende deinen Geist
Gott Vater, sende deinen Geist,
den uns dein Sohn erbitten heißt,
aus deines Himmels Höhen.
Wir bitten, wie er uns gelehrt:
lass uns doch ja nicht unerhört
von deinem Throne gehen.

Dein Geist hält unsers Glaubens Licht,
wenn alle Welt dawider ficht
mit Sturm und vielen Waffen;
und wenn auch gleich der Fürst der Welt
selbst wider uns sich legt ins Feld,
so kann er doch nichts schaffen.

Wo Gottes Geist ist, da ist Sieg;
wo dieser hilft, da wird der Krieg
gewisslich wohl ablaufen.
Was ist doch Satans Reich und Stand?
Wenn Gott, der Herr, erhebt die Hand,
fällt alles übern Haufen.

Er reißt der Höllen Band entzwei;
er tröst´ und macht das Herze frei
von allem, was uns kränket.
Wenn uns des Unglücks Wetter schreckt,
so ist ers, der uns schützt und deckt
viel besser, als man denket.

Er macht das bittre Kreuze süß,
ist unser Licht in Finsternis,
führt uns als seine Schafe,
hält über uns sein Schild und wacht,
dass seine Herd in tiefer Nacht
mit Ruh und Frieden schlafe.

Er macht geschickt uns rüstet aus
die Diener, die des Herren Haus
in diesem Leben bauen;
er ziert ihr Herz, Mund und Verstand,
und lässt sie, was uns unbekannt,
zu unserm Besten schauen.

Er öffnet unsers Herzens Tor,
wenn sie sein Wort in unser Ohr
als edlen Samen streuen,
er gibet Kraft demselben Wort,
und wenn es fället, bringt ers fort
und lässets wohl gedeihen.

Er lehret uns die Furcht des Herrn
liebt Reinigkeit und wohnet gern
in frommen, keuschen Seelen.
Was niedrig ist, was Tugend ehrt,
was Buße tut und sich bekehrt,
das pflegt er zu erwählen.

Er ist und bleibet stets getreu
und steht uns auch im Tode bei,
wenn alle Ding abstehen;
er lindert unsre letzte Qual,
lässt uns hindurch zum Himmelsaal
getrost und fröhlich gehen.

O selig, wer in dieser Welt
lässt diesem Gaste Haus und Zelt
in seiner Seel aufschlagen!
Wer ihn aufnimmt in dieser Zeit,
den wird er dort zur ewgen Freud
in Gottes Hütte tragen.

Nun, Herr und Vater aller Güt,
hör unsern Wunsch: Gieß ins Gemüt
uns allen diese Gabe.
Gib deinen Geist, der uns allhier
regiere und dort für und für
im ewgen Leben labe.


Herr Jesu, meine Liebe

Herr Jesu, meine Liebe,
Ich hätte nimmer Ruh und Rast,
Wo nicht fest in mir bliebe
Was du für mich geleistet hast;
Es müsst in meinen Sünden,
Die sich sehr hoch erhöhn,
All meine Kraft verschwinden
Und wie ein Rauch vergehn,
Wenn sich mein Herz nicht hielte.
Zu dir und deinem Tod,
Und ich nicht stets mich kühlte
An deines Leidens Not.

Nun weißt du meine Plagen
Und Satans, meines Feindes, List.
Wenn meinen Geist zu nagen,
Er emsig und bemühet ist,
Da hat er tausend Künste,
Von dir mich abzuziehn:
Bald treibt er mir die Dünste
Des Zweifels in den Sinn,
Bald nimmt er mir dein Meinen
Und Wollen aus der Acht
Und lehrt mich ganz verneinen,
Was du doch fest gemacht.

Solch Unheil abzuweisen,
Hast du, Herr, deinen Tisch gesetzt,
Da lässest du mich speisen,
So dass sich Mark und Bein ergötzt.
Du reichst mir zu genießen
Dein teures Fleisch und Blut
Und lässet Worte fließen,
Da all mein Herz auf ruht.
Komm, sprichst du, komm und nahe
Dich ungescheut zu mir,
Was ich dir geb, empfahe
Und nimms getrost zu dir.

Hier ist beim Brot vorhanden
Mein Leib, der dargegeben wird
Zum Tod- und Kreuzesbanden
Für dich, der sich von mir verirrt.
Beim Wein ist, was geflossen
Zu Tilgung deiner Schuld,
Mein Blut, das ich vergossen
In Sanftmut und Geduld.
Nimms beides mit dem Munde
Und denk auch mit darbei,
Wie fromm im Herzensgrunde
Ich, dein Erlöser, sei.

Herr, ich will dein gedenken,
So lang ich Luft und Leben hab,
Und bis man mich wird senken
An meinem End ins finstre Grab.
Ich sehe dein Verlangen
Nach einem ewgen Heil,
Am Holz bist du gehangen
Und hast so manchen Pfeil
Des Trübsals lassen dringen
In dein unschuldigs Herz,
Auf dass ich möcht entspringen
Des Todes Pein und Schmerz.

So hast du auch befohlen,
Dass, was den Glauben stärken kann,
Ich bei dir solle holen,
Und soll doch ja nicht zweifeln dran,
Du habst für alle Sünden,
Die in der ganzen Welt
Bei Menschen je zu finden,
Ein völligs Lösegeld
Und Opfer, das bestehet
Vor dem, der alles trägt,
In dem auch alles gehet,
Bezahlet und erlegt.

Und dass ja mein Gedanke,
Der voller Falschheit und Betrug,
Nicht im geringsten wanke,
Als wär es dir nicht Ernst genug:
So neigst du dein Gemüte
Zusamt der rechten Hand
Und gibst mit großer Güte
Mir das hochwerte Pfand
Zu essen und zu trinken.
Ist das nicht Trost und Licht
Dem, der sich lässt bedünken,
Du wollest seiner nicht?

Ach Herr, du willst uns alle,
Das sagt uns unser Herze zu,
Die, so der Feind zu Falle
Gebracht, rufst du zu deiner Ruh.
Ach hilf, Herr, hilf uns eilen
Zu dir, der jederzeit
Uns allesamt zu heilen
Geneigt ist und bereit!
Gib Lust und heilges Dürsten
Nach deinem Abendmahl,
Und dort mach uns zu Fürsten
Im güldnen Himmelssaal.


Wie schön ists doch, Herr Jesu Christ

Wie schön ists doch, Herr Jesu Christ,
Im Stande, da dein Segen ist,
Im Stande heilger Ehe!
Wie steigt und neigt sich deine Gab
Und alles Gut so mild herab
Aus deiner heilgen Höhe, wenn sich an dich
Fleißig halten Jung und Alten, die im Orden
Eines Lebens einig worden!

Wenn Mann und Weib sich wohl begehn
Und unverrückt beisammen stehn
Im Bande reiner Treue:
Da geht das Glück in vollem Lauf,
Da sieht man wie der Engel Hauf
Im Himmel selbst sich freue.
Kein Sturm, Kein Wurm kann zerschlagen,
Kann zernagen was Gott gibet
Dem Paar, das in ihm sich liebet.

Vor allen gibt er seine Gnad
In derer Schoß er früh und spat
Sein hoch Geliebten heget:
Da spannt sein Arm sich täglich aus,
Da fasst er uns und unser Haus
Gleich als ein Vater pfleget.
Da muss ein Fuß nach dem andern
Gehn und wandern, bis sie kommen
In das Zelt und Sitz der Frommen.

Der Man wird einem Baume gleich
An Ästen schön, an Zweigen reich,
Das Weib gleich einem Reben,
Der seine Träublein trägt und nährt
Und sich je mehr und mehr vermehrt
Mit Früchten, die da leben.
Wohl dir, O Zier, Mannes Sonne,
Hauses Wonne, Ehrenkrone!
Gott denkt dein bei seinem Throne.

Dich, dich hat er sich auserkorn,
Dass aus dir ward herausgeborn
Das Volk, das sein Reich bauet.
Sein Wunderwerk geht immer fort,
Und seines Mundes starkes Wort
Macht, dass dein Auge schauet
Schöne Söhne und die Tocken,
Die den Wocken abespinnen
Und mit Kunst die Zeit gewinnen.

Sei gutes Muts! Wir sind es nicht,
Die diesen Orden aufgericht,
Es ist ein höhrer Vater,
Der hat uns je und je geliebt
Und bleibt, wenn unsre Sorg uns trübt,
Der beste Freund und Rater.
Anfang, Ausgang aller Sachen,
Die zu machen wir gedenken,
Wird er wohl und weislich lenken.

Zwar bleibts nicht aus, es kommt ja wohl
Ein Stündlein, da man Leides voll
Die Tränen lässet schießen;
Jeden noch wer sich in Geduld
Ergibt, des Leid wird Gottes Huld
In großen Freuden schließen.
Sitze, Schwitze nur ein wenig!
Unser König wird behende machen,
dass die Angst sich wende.

Wohlher, mein König, nah herzu,
Gib Rat in Kreuz, in Nöten Ruh,
In Ängsten Trost und Freude!
Des sollst du haben Ruhm und Preis,
Wir wollen singen bester Weis
Und danken alle beide,
Bis wir bei dir,
Deinen Willen zu erfüllen,
Deinen Namen ewig loben werden. Amen.


Lexikon der Heiligen und Namenstage
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O Herrscher in dem Himmelszelt

O Herrscher in dem Himmelszelt,
Was ist es doch, das unser Feld
Und was es uns hervorgebracht,
So ungestalt und traurig macht?

Nichts anders, traun, als dass die Schar
Der Menschen sich so ganz und gar
Bis in den tiefsten Grund verkehrt
Und täglich ihre Schuld vermehrt.

Die, so, als Gottes Eigentum,
Stets preisen sollten Gottes Ruhm
Und lieben seines Wortes Kraft,
Sind gleich der blinden Heidenschaft.

Drum wird uns auch der Himmel blind,
Des Firmamentes Glanz verschwind’t,
Wir warten, wann der Tag anbricht,
Aufs Tageslicht und kommt doch nicht.

Man zankt noch immer fort und fort,
Es bleibet Krieg an allem Ort,
In allen Winkeln Hass und Neid,
In allen Ständen Streitigkeit.

Drum strecken auch all Element
Hier wider uns aus ihre Händ,
Angst kommt uns aus der Tief und See
Angst kommt uns aus der Luft und Höh.

Es ist ein hochbetrübte Zeit;
Man plagt und jagt die armen Leut,
Eh als es Zeit, zur Grube zu
Und gönnet ihnen keine Ruh.

Drum trauert auch der Freudenquell,
Die Sonn, und scheint uns nicht so hell;
Die Wolken gießen allzumal
Die Tränen ohne Maß und Zahl.

Ach, wein auch du, o Menschenkind,
Und traure über deine Sünd;
Halt doch von deinen Lastern ein
Und mache dich durch Buße rein.

Fall auf die Knie, fall in die Arm
Des Herrn, dass sich sein Herz erbarm
Und der so wohl verdienten Rach
In Gnaden bald ein Ende mach!

Er ist ja fromm und bleibet fromm,
Begehrt nichts mehr, als daß man komm
Und mit geneigter Furcht und Scheu
Ihn bitt um Gnad und Vatertreu.

Ach Vater, Vater, höre doch
Und lös uns aus dem Sündenjoch
Und zeuch uns aus der Welt herfür
Und kehr uns selbsten du zu dir!

Erweiche unsern harten Mut
Und mach uns Böse fromm und gut;
Wen du bekehrst, der wird bekehrt,
Und wer dich hört, der wird erhört.

Lass deine Augen freundlich sein
Und nimm mit gnädgen Ohren ein
Das Angstgeschrei, das von der Erd
Aus unserm Herzen zu dir fährt.

Reiß weg das schwarze Zorngewand,
Erquicke uns und unser Land
Und der so schönen Früchte Kranz
Mit süßem, warmem Sonnenglanz.

Verleih uns bis in unsern Tod
Alltäglich unser liebes Brot
Und dermaleinst nach dieser Zeit
Das süße Brot der Ewigkeit!


O Gott, mein Schöpfer, edler Fürst

O Gott, mein Schöpfer, edler Fürst
Und Vater meines Lebens,
Wo du mein Leben nicht regierst,
So leb ich hier vergebens.
Ja lebendig bin ich auch tot,
Der Sünden ganz ergeben,
Wer sich wälzt in dem Sündenkot,
Der hat das rechte Leben
Noch niemals recht gesehen.

Darum so wende deine Gnad
Zu deinem armen Kinde
Und gib mir allzeit guten Rat,
Zu meiden Schand und Sünde;
Behüte meines Mundes Tür,
Daß mir ja nicht entfahre
Ein solches Wort, dadurch ich dir
Und deiner frommen Schare
Verdrießlich sei und schade.

Bewahr, o Vater, mein Gehör
Auf dieser schnöden Erde
Vor allem, dadurch deine Ehr
Und Reich beschimpfet werde;
Lass mich der Lästrer Gall und Gift
Ja nimmermehr berühren,
Denn wen ein solcher Unflat trifft,
Den pflegt er zu verführen,
Auch wohl gar umzukehren.

Regiere meiner Augen Licht,
Dass sie nichts Arges treiben,
Ein unverschämtes Angesicht
Lass ferne von mir bleiben;
Was ehrbar ist, was Zucht erhält,
Wonach die Englein trachten,
Was dir beliebt und wohlgefällt,
Das lass auch mich hochachten,
All Üppigkeit verlachen.

Gib, dass ich mich nicht lasse ein
Zum Schlemmen und zum Prassen,
Lass deine Lust mein eigen sein,
Die andre fliehn und hassen.
Die Lust, die unser Fleisch ergötzt,
Die zeucht uns nach der Höllen,
Und was die Welt für Freude schätzt,
Pflegt Seel und Geist zu fällen
Und ewiglich zu quälen.

O selig ist, der stets sich nährt
Mit Himmels Speis und Tränken,
Der nichts mehr schmeckt, nichts sieht und hört,
Auch nichts begehrt zu denken,
Als nur was zu dem Leben bringt,
Da man bei Gotte lebet
Und bei der Schar, die fröhlich singt
Und in der Wollust schwebet,
Die keine Zeit aufhebet.



O Haupt voll Blut und Wunden

O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron,
o Haupt, sonst schön gekrönet
mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber höchst verhöhnet,
gegrüßet seist du mir!

O edles Angesichte,
davor das Reich der Welt
erschrickt und wird zunichte,
wie bist du so entstellt,
wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
dem sonst kein Licht mehr gleichet,
so schmachvoll zugericht’t?

Nun, was du, Herr, erduldet,
ist alles meine Last,
ich hab es selbst verschuldet,
was du getragen hast.
Schau her, hier steh ich Armer,
der Zorn verdienet hat;
gib mir, o mein Erbarmer,
den Anblick deiner Gnad.

Erkenne mich, mein Hüter,
mein Hirte, nimm mich an!
Von dir, Quell aller Güter,
ist mir viel Guts getan;
dein Mund hat mich begabet
mit wunderbarem Trost,
dein Geist hat mich gelabet
mit reicher Himmelskost.

Ich will hier bei dir stehen,
verachte mich doch nicht;
von dir will ich nicht gehen,
wenn dir dein Herze bricht;
wenn dein Haupt wird erblassen
im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen
in meinen Arm und Schoß.

Ich danke dir von Herzen,
o Jesus, liebster Freund,
für deines Todes Schmerzen,
da du´s so gut gemeint.
Ach gib, dass ich mich halte
zu dir und deiner Treu,
und wenn ich einst erkalte,
in dir mein Ende sei.

Wenn ich einmal soll scheiden,
so scheide nicht von mir;
wenn ich den Tod soll leiden,
so tritt du dann herfür;
wenn mir am allerbängsten
wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten
kraft deiner Angst und Pein.

Erscheine mir zum Schilde,
zum Trost in meinem Tod
und lass mich sehn dein Bilde
in deiner Kreuzesnot.
Da will ich nach dir blicken,
da will ich glaubensvoll
fest an mein Herz dich drücken:
wer so stirbt, der stirbt wohl.


Ach treuer Gott, barmherzigs Herz

Ach treuer Gott, barmherzigs Herz,
des Güte sich nicht endet, ich weiß,
dass mir dies Kreuz und Schmerz
dein Vaterhand zusendet;
ja, Herr, ich weiß, dass diese Last
du mir aus Lieb erteilet hast
und gar aus keinem Hasse.

Denn das ist allzeit dein Gebrauch:
Wer Kind ist, muss was leiden,
und wen du liebst, den stäubst du auch,
schickst Trauern vor den Freuden,
führst uns zur Höllen, tust uns weh
und führst uns wieder in die Höh;
und so geht eins ums andre.

Das hat, Herr, dein geliebter Sohn
selbst wohl erfahrn auf Erden;
denn eh er kam zum Ehrenthron,
musste er gekreuzigt werden.
Er ging durch Trübsal, Angst und Not,
ja durch den herben, bittern Tod
drang er zu Himmelsfreude.

Ach liebster Vater, wie so schwer
ist´s der Vernunft, zu gläuben,
dass du demselben, den du sehr
schlägst, solltest günstig bleiben!
Wie macht doch Kreuz so lange Zeit!
Wie schwer will sich doch Lieb und Leid
zusammen lassen reimen.

Was ich nicht kann, das gib du mir,
o höchstes Gut der Frommen:
gib, dass mir nicht des Glaubens Zier
durch Trübsal werd entnommen;
erhalte mich, o starker Hort,
befestge mich in deinem Wort,
behüte mich vor Murren!

Bin ich ja schwach, lass deine Treu
mir an die Seite treten;
hilf, dass ich unverdrossen sei
zum Rufen, Seufzen, Beten.
Solang ein Herze hofft und gläubt
und im Gebet beständig bleibt,
so lang ist´s unbezwungen.

Greif mich auch nicht zu heftig an,
damit ich nicht vergehe;
du weißt wohl, was ich tragen kann,
wie´s um mein Leben stehe.
Ich bin ja weder Stahl noch Stein;
und weht ein Lüftlein nur herein,
so fall ich hin und sterbe.

Ach Jesu, der du worden bist
mein Heil mit deinem Blute,
du weißt gar wohl, was Kreuze ist
und wie dem sei zumute,
den Kreuz und großes Unglück plagt;
drum wirst du, was mein Herze klagt,
gar gern zu Herzen fassen.

Sprich meiner Seele herzlich zu
und tröste mich aufs beste;
denn du bist ja der Müden Ruh,
der Schwachen Turm und Feste,
ein Schatten vor der Sonne Hitz,
ein Hütte, da ich sicher sitz
im Sturm und Ungewitter.

O Heiliger Geist, du Freudenöl,
das Gott vom Himmel schicket,
erfreue mich, gib meiner Seel,
was Mark und Bein erquicket!
Du bist der Geist der Herrlichkeit,
weißt, was für Freud und Seligkeit
mein in dem Himmel warte.

Daselbst wirst du in ewger Lust
gar liebreich mit mir handeln,
mein Kreuz, das dir und mir bewusst,
in Freud und Ehre wandeln.
Da wird mein Weinen lauter Freun,
mein Ächzen lauter Jauchzen sein.
Das glaub ich; hilf mir!
Amen.


Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun

Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun
und Werk in deinem Willen ruhn,
von dir kommt Glück und Segen;
was du regierst, das geht und steht
auf rechten, guten Wegen.

Es steht in keines Menschen Macht,
dass sein Rat werd ins Werk gebracht
und seines Gangs sich freue;
des Höchsten Rat der macht´s allein,
dass Menschenrat gedeihe.

Oft denkt der Mensch in seinem Mut,
dies oder jenes sei ihm gut,
und ist doch weit gefehlet;
oft sieht er auch für schädlich an,
was doch Gott selbst erwählet.

So fängt auch mancher weise Mann
ein gutes Werk zwar fröhlich an
und bringt´s doch nicht zum Stande;
er baut ein Schloß und festes Haus,
doch nur auf lauterm Sande.

Wie mancher ist in seinem Sinn
fast über Berg und Spitzen hin,
und eh er sich´s versiehet,
so liegt er da, und hat sein Fuß
vergeblich sich bemühet.

Drum, lieber Vater, der du Kron
und Zepter trägst in deinem Thron
und aus den Wolken blitzest,
vernimm mein Wort und höre mich
vom Stuhle, da du sitzest.

Verleihe mir das edle Licht,
das sich von deinem Angesicht
in fromme Seelen strecket
und da der rechten Weisheit
Kraft durch deine Kraft erwecket.

Gib mir Verstand aus deiner Höh,
auf daß ich ja nicht ruh und steh
auf meinem eignen Willen;
sei du mein Freund und treuer Rat,
was recht ist, zu erfüllen.

Prüf alles wohl, und was mir gut,
das gib mir ein; was Fleisch
und Blut erwählet, das verwehre!
Der höchste Zweck, das beste Teil
sei deine Liebe und deine Ehre.

Was dir gefällt, das lass auch mir,
o meiner Seele Sonn und Zier,
gefallen und belieben;
was dir zuwider, lass mich nicht
in Werk und tat verüben!

Ist´s Werk von dir, so hilf zu Glück,
ist´s Menschentun, so treib zurück
und ändre meine Sinnen!
Was du nicht wirkst, pflegt von ihm
selbst in kurzem zu zerinnen.

Sollt aber dein und unser Feind an dem,
was dein Herz gut gemeint,
beginnen sich zu rächen,
ist das mein Trost, dass seinen Zorn
du leichtlich könnest brechen.

Tritt zu mir zu und mache leicht,
was mir sonst fast unmöglich deucht,
und bring zum guten Ende,
was du selbst angefangen hast
durch Weisheit deiner Hände.

Ist ja der Anfang etwas schwer,
und muss ich auch ins tiefe Meer
der bittern Sorgen treten,
so treib mich nur ohn Unterlaß
zu seufzen und zu beten.

Wer fleißig betet und dir traut,
wird alles, da ihn sonst vor graut,
mit tapfrem Mut bezwingen;
sein Sorgenstein wird in der Eil
in tausend Stücke springen.

Der Weg zum Guten ist gar wild,
mit Dorn und Hecken ausgefüllt;
doch wer ihn freudig gehet,
kommt endlich, Herr, durch deinen Geist,
wo Freud und Wonne stehet.

Du bist mein Vater, ich dein Kind;
was ich bei mir nicht hab und find,
hast du zu aller Gnüge.
So hilf nur, dass ich meinen Stand
wohl halt und herrlich siege.

Dein soll sein aller Ruhm und Ehr,
ich will dein Tun je mehr und mehr
aus hocherfreuter Seelen
vor deinem Volk und aller Welt,
so lang ich leb, erzählen.


Gegrüßet seist du, meine Kron und König

Gegrüßet seist du, meine Kron
und König aller Frommen,
der du zum Trost von deinem Thron
uns armen Sündern kommen.
O wahrer Mensch, o wahrer Gott,
o Helfer voller Hohn und Spott,
den du doch nicht verschuldest!
Ach, wie so arm, wie nackt und bloß
hängst du am Kreuz, wie schwer und groß
ist dein Schmerz, den du duldest!

Es fließt dein Blut, es klagt dein Mund,
dazu wirst du verhöhnet;
dein heilger Leib ist ganz verwundt,
dein Haupt mir Dorn gekrönet.
O unbeschränkte Majestät, wie kommts,
dass dir´s so kläglich geht?
Das macht dein Huld und Treue.
Wer dankt dir des? Wo ist der Mann,
der sich, wie du für uns getan,
für dich zu sterben freue?

Was soll ich dir doch immermehr,
o Liebster, dafür geben,
dass dein Herz sich so hoch und sehr
bemüht hat um mein Leben?
Du rettest mich durch deinen Tod
von mehr als eine Todes Not
und machst mich sicher wohnen.
Lass Höll und Teufel böse sein;
was schadts? Sie müssen dennoch mein
und meiner Seele schonen.

Vor großer Lieb und heilger Lust,
damit du mich erfüllet,
drück ich dich an mein Herz und Brust,
so wird mein Leid gestillet,
das deinen Augen wohl bekannt;
und das ist dir ja keine Schand,
ein krankes Herz zu laben.
Ach bleib mir hold und gutes Muts,
bis mich die Ströme deines Bluts
ganz rein gewaschen haben.

Sei du mein Schatz und höchste Freud!
Ich will dein Diener bleiben,
und deines Kreuzes Herzeleid
will ich in mein Herz schreiben.
Verleihe du nur Kraft und Macht,
damit, was ich bei mir bedacht,
ich mög ins Werk auch setzen.
So wirst du, Schönster,
meinen Sinn und alles, was ich hab
und bin, ohn Unterlaß ergetzen.


Ich preise dich und singe

Ich preise dich und singe,
Herr, deine Wundergnad, die mir
so große Dinge bisher erwiesen hat.
Denn das ist meine Pflicht,
in meinem ganzen Leben
dir Lob und Dank ja zu geben;
mehr hab und kann ich nicht.

Herr, mein Gott, da ich Kranker
vom Bette zu dir schrie,
da ward dein Heil mein Anker,
dein Wort mein Trost verlieh.
Da andere fuhren hin zur
finstern Todeshöhle,
da hieltst du meine Seele
und mich noch wo ich bin.

Ihr Heiligen, lobsinget
und danket eurem Herrn,
der, wenn die Not herdringet,
bald hört und herzlich gern
uns Gnad und Hilfe gibt.
Rühmt den, des Hand uns träget
und, wenn er uns ja schläget,
nicht allzusehr betrübt.

Gott hat ja Vaterhände
und strafet mit Geduld;
sein Zorn nimmt bald ein Ende,
sein Herz ist voller Huld
und gönnt uns lauter Guts.
Den Abend währt das Weinen,
des Morgens macht das Scheinen
der Sonn uns gutes Muts.

Ich sprach zur guten Stunde,
da mir´s noch wohl erging:
ich steh auf festem Grunde,
acht alles Kreuz gering,
ich werde nimmermehr,
das weiß ich, niederliegen;
denn Gott, der nicht kann trügen,
der liebt mich gar zu sehr.

Als aber dein Gesichte,
Herr Gott, sich von mir wandt,
da ward mein Trost zunichte,
da lag mein Heldenstand.
Es war mir angst und bang;
ich führte schwere Klagen
mit Zittern und mit Zagen:
Herr, mein Gott, wie so lang?

Nun wohl, ich bin erhöret;
mein Seufzen ist erfüllt;
mein Kreuz ist umgekehret,
mein Herzleid ist gestillt;
mein Grämen hat ein End;
es sind von meinem Herzen
der bittern Sorgen Schmerzen
durch dich, Herr, abgewendt.

Du hast mit mir gehandelt
noch besser als ich will.
Mein Klagen ist verwandelt
in eines Reigens Spiel;
und für das Trauerkleid,
in dem ich vor gestöhnet,
da hast du mich gekrönet
mit süßer Lust und Freud.

Auf dass zu deiner Ehre
mein Ehre sich erheb
und nimmer stille wäre,
bis dass ich deine Lieb
und ungezählte Zahl
der großen Wunderdinge
mit ewgen Freuden singe
in güldnen Himmelssaal.


O Jesu Christ, mein schönstes Licht

O Jesu Christ, mein schönstes Licht,
der du in deiner Seelen
so hoch mich liebst, dass ich es nicht
aussprechen kann noch zählen:
gib, dass mein Herz dich wiederum
mit Lieben und Verlangen mög umfangen
und als dein Eigentum
nur einzig an dir hangen.

Gib, dass sonst nichts in meiner Seel
als deine Liebe wohne;
dass ich deine Lieb erwähl
als meinen Schatz und Krone.
Stoß alles aus, nimm alles hin,
was mich und dich will trennen
und nicht gönnen, dass all mein Mut und Sinn
in deiner Liebe brennen.

Mein Heiland, du bist mir zulieb
in Not und Tod gegangen
und hast am Kreuz als wie ein Dieb
und Mörder du gehangen,
verhöhnt, verspeit und sehr verwundt;
ach lass mich deine wunden
alle Stunden
mit Lieb im Herzensgrun
auch schmerzen und verwunden!

Dein Blut, das dir vergossen ward,
ist köstlich, gut und reine,
mein Herz hingegen böser Art
und hart gleich einem Steine.
O lass doch deines Blutes Kraft
mein hartes Herz bezwingen,
wohl durchdringen
und diesen Lebenssaft
mir deine Liebe bringen!

Du bist allein die rechte Ruh,
in dir ist Fried und Freude;
gib, Jesu, gib dass immerzu
mein Herz in dir sich weide.
Sei meine Flamm und brenn in mir;
mein Balsam, wollest eilen, lindern heilen
den Schmerzen, der mich hier
mit Seufzen lässet weilen.

Was ist´s, so Schönster, das ich nicht
in deiner Liebe habe?
sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht,
meine Quell, da ich mich labe,
mein süßer Wein, mein Himmelsbrot,
mein Kleid vor Gottes Throne,
meine Krone, mein Schutz in aller Not,
mein Haus, darin ich wohne.

Ach Jesu, wenn du mir entweichst,
was hilft mir sein geboren?
Wenn du mir deine Liebe entzeuchst,
ist all mein Gut verloren.
So gib, dass ich dich, meinen Gast,
wohl auch und bestermaßen
möge fassen
und, wenn ich dich gefasst,
in Ewigkeit nicht lassen.

Du hast mich je und je geliebt
und auch nach dir gezogen;
eh ich noch etwas Guts geübt,
warst du mir schon gewogen.
Ach lass doch ferner, edler Hort,
mich diese Liebe leiten
und begleiten, dass sie mir immerfort
beisteh auf allen Seiten!

Lass meinen Stand, darin ich steh,
Herr, deine Liebe zieren,
und wo ich etwa irregeh,
alsbald zurecht mich führen.
Lass sie mich allzeit guten Rat
und gute Werke lehren, steuern, wehren
der Sünd, und nach der Tat
bald wieder mich bekehren.

Dein Lieben sei mir Freud in Leid,
in Schwachheit mein Vermögen;
und wenn ich nach vollbrachter Zeit
mich soll zur Ruhe legen,
alsdann lass deine Liebestreu,
Herr Jesu, bei mir stehen,
Luft zuwehen, dass ich getrost und frei
mög in dein Reich eingehen.


Einfach katholisch: Was katholische Christen glauben und wie sie feiern. Das Wichtigste im Überblick - Der Kirchen-Knigge
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