Kreuzweg / Kreuzwegandacht

Zu den verschiedenen christlichen Gebetsformen, die sich im Laufe der Zeit herausgebildet haben, zählt auch die Kreuzwegandacht. Besonders in der österlichen Fastenzeit hat der Kreuzweg seinen festen Platz.

Was ist ein Kreuzweg bzw. eine Kreuzwegandacht?

Beim Kreuzweg, auch Weg des Kreuzes, via crucis genannt, handelt es sich um eine Andachtsübung in der katholischen und der anglikanischen Kirche, bei der im Gebet der Leidensweg Jesu Christi anhand von 14 oder 15 Leidensstationen betrachtet wird. In den meisten katholischen Kirchen und Kapellen ist ein Kreuzweg angebracht, der aus Bildern, Bildstöcke, Reliefs oder Skulpturen besteht (wurde ab etwa dem 16. Jhrdt. zum Brauchtum in der Kirche). Ebenfalls gibt es auch Freilandkreuzwege, die häufig auf einen Berg führen (als Symbol für den Kalvarienberg). Kreuzwege können als Freilandkreuzweg. Diese stellen die einzelnen Kreuzwegstationen dar. Außerdem wird als Kreuzweg auch ein in Jerusalem der Via Dolorosa (zu deutsch: „Schmerzensweg“, „schmerzensreiche Straße“) nachgebildeter Wallfahrtsweg bezeichnet.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=H3v9unphfi0

Miserere mei, Deus“ (nach Psalm 51) von Gregorio Allegri (1582-1652).


Wie funktioniert der Kreuzweg?

Eine Kreuzwegandacht kann sowohl allein oder einzeln verrichtet werden. Bei der gemeinsamen Kreuzwegandacht innerhalb einer Kirche ist es üblich, dass die Gläubigen alle Stationen (sind zumeist 14 oder 15) einzeln ablaufen und an jeder Leidensstation passende Gebete zur Betrachtung sprechen.

Hinweis! Mit dem Verrichten der Kreuzwegandacht ist übrigens ein vollkommener Ablass verbunden, sofern zusätzlich die üblichen Bedingungen (Empfang der Eucharistie, Beichte, Gebet in den Anliegen des Heiligen Vaters) erfüllt werden.

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Kreuzweg in der Liturgie

In der katholischen Kirche wird der Kreuzweg traditionell an Freitagen, in der Fastenzeit sowie in der gesamten Karwoche gebetet. In Rom findet seit 1964 jedes Jahr zu Karfreitag ein Kreuzweg am Kolosseum zusammen mit dem Papst statt.


Kreuzweg der Kirche

Der folgende Kreuzweg stammt von Leopold Maximilian Kantner (1932-2004) und ist dem gleichnamigen Heft „Kreuzweg der Kirche“ (erhältlich beim Sarto-Verlag) entnommen.

Vorbereitungsgebet

O Jesus, Ewiger Sohn des Ewigen Vaters, wahrer Gott vom wahren Gott, lass mich in dieser heiligen Übung Deines Kreuzweges schauen, wie Du Dein gnadenspendendes Leiden in dieser Welt durch alle Jahrhunderte hindurch in Deiner Kirche fortsetzt und vollendest. Ergänze Du selbst in uns, den Gliedern Deines mystischen Leibes, was an Deinem Leiden für die Vollendung Deiner Kirche noch aussteht. Schmerzhafte Mutter Maria, Herz der heiligen Kirche, Tempel des Heiligen Geistes und Sitz der Weisheit, gib mir auf diesem Kreuzweg Anteil an Deinem Mitleiden und Miterlösen.
Amen.

Jetzt wird ein kurzer Moment der Stille eingelegt.

1. Station: Jesus wird zum Tod am Kreuz verurteilt.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Wir erinnern uns der heuchlerischen Geste des Pilatus: Er wusch sich die Hände zum Zeichen der Unschuld und sprach doch das Todesurteil über den Erlöser aus. Es hat sich an dieser Gesinnung bis heute nicht viel geändert: sie waschen alle in Unschuld ihre Hände, sie schieben die Verantwortung auf anonyme Mehrheiten, auf demokratisch gewählte Ausschüsse; waschen sich die Hände in Unschuld und unterzeichnen wieder und wieder das Todesurteil für Christus – indem sie zulassen, dass der Glaube verfälscht wird.

Und viele kleinere und kleine Pilatusse setzen – statt ihre Stimme zu erheben, statt zu protestieren – ihren Namen in missverstandenem Gehorsam unter den Urteilsspruch. Armer Erlöser, der Du in Deiner Kirche immer wieder Deine Verurteilung erfährst!

In der Einsicht unserer Schuld wollen wir die Konsequenzen ziehen: wir wollen nicht warten, bis andere aufwachen; wir selbst wollen das Unsere in unserem Rahmen tun und nicht stillschweigen, wenn man Dich, o Herr, wieder zum Tode verurteilen möchte. Wir wissen aber auch, dass wir unehrlich wären, wollten wir die Bekehrung nicht bei uns selbst beginnen, und wir versprechen es Dir am Beginn dieses Kreuzweges, Deinen Willen in allem und jedem mehr als bisher zur Richtschnur unseres Lebens zu machen.

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schulter.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Wer sein Kreuz nicht trägt und mir nicht nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein“ (Lk 14,27), sagte Christus zu den Seinen, doch wurden diese Worte von Seinen Jüngern gelegentlich, von uns allen aber gründlich, vergessen. Die Opferscheu hat unser ganzes religiöses Leben unglaubwürdig gemacht, sie ist auch die Ursache des Priestermangels, der Grund des katastrophalen Versagens in moralischer, sittlicher Hinsicht. Man will vom Kreuz nichts mehr wissen; trifft aber das Kreuz einen Menschen derart, dass er nicht mehr ausweichen kann, so tritt Murren und Klagen an die Stelle geduldigen Ertragens.

O Herr, unser Erlöser, durch das Kreuz hast Du uns erlöst. Wie sollten wir dieser Erlösung würdig sein, wenn wir nicht bereit sind, das Kreuz auf uns zu nehmen? Wir dürfen kaum sagen, dass wir Dich lieben, wenn wir nicht bereit sind, Dir auch Opfer zu bringen. Wir wissen, dass Du in Deiner Güte uns nicht Kreuze aufbürdest, die nicht notwendig wären zu unser aller Heil. So, wie eine Krankheit oft durch einen schmerzhaften Eingriff geheilt werden kann, so ist im Leben für uns das Kreuz oft notwendig, sollen wir nicht in Ewigkeit verloren gehen. Darum, o Herr, bitten wir Dich: gib uns Kraft und Liebe, um das Kreuz bereitwillig auf uns zu nehmen, so wie Du es getan hast.

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

3. Station: Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuze.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Der Sturz war vorauszusehen: die Last war einfach zu schwer. Zu dem körperlichen Schmerz hinzu kam noch die innere Einsamkeit: ringsum rohe Menschen ohne Mitleid, denen das Leiden des Erlösers bestenfalls gleichgültig war; ja, die sich sogar freuten, Seine Qualen vergrößern zu können. Wie bitter ist dieses Leiden-müssen umgeben von Verständnislosigkeit.

Christus leidet heute in Seiner Kirche, Er stürzt in Seiner Kirche zu Boden, rohe Schergen helfen dabei noch nach. Du, unser Erlöser, gib uns etwas von Deiner inneren Kraft, inmitten einer christenfeindlichen Umwelt uns von einem Fall immer wieder zu erheben! Lass uns nicht gleichgültig Dir gegenüber sein!

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

4. Station: Jesus begegnet seiner betrübten Mutter.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Endlich ein Mensch, der dem leidenden Erlöser nicht Hass, sondern Liebe entgegenbringt: wenigstens die Erleichterung, die das Mitleid gewährt! Und doch: welchen Schmerz bedeutet es für die Mutter Gottes, ansehen zu müssen, wie sehr ihr Kind, an dem ihr ganzes Herz hängt, leiden muss! Wer den Erlöser kränkt, kränkt Seine Mutter; wer Seine Mutter schmäht und beleidigt, schmäht und beleidigt deren Sohn: zu allen Zeiten der Kirche fand man im Gefolge der Irrlehren immer eine Geringschätzung der allerseligsten Jungfrau, und jede restaurative Bewegung in der Kirche war immer von tiefer Marienverehrung gekennzeichnet! Wenn wir wieder Ordnung in der Kirche haben wollen, müssen wir uns an die Mutter Gottes halten!

O Mater dolorosa, wir wollen auf Deiner Seite stehen, mit Dir Christus in Seiner leidenden Kirche beweinen, mit Dir wollen wir versuchen, wenigstens etwas die Schmerzen zu lindern, keinesfalls aber gleichgültig zusehen! Lieber bei der weinenden Mutter Gottes stehen und dem leidenden Erlöser in die Augen sehen dürfen, als bei den selbstgerechten Schriftgelehrten den Triumph der Schlechtigkeit auskosten!

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

5. Station: Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Nicht Mitleid war es, dass man Simon von Zyrene zwang, das Kreuz tragen zu helfen: man wollte nur, dass Christus unbedingt die Schmach und Schande des Kreuzes sicher erlebe. Auch heute wird dem leidenden Erlöser in Seiner Kirche gelegentlich dem Anschein nach eine Erleichterung verschafft, und letztlich steht auch hier im Hintergrund oft die teuflische Absicht, die Kirche zu kreuzigen. Und wir, wie benehmen wir uns in der Rolle Simons? Tragen wir das Kreuz nur gezwungen – oder aus Liebe?

Herr Jesus Christus, wir wollen Dir wirklich ehrlich das Kreuz tragen helfen. Wir müssen uns gut überlegen wie wir das am besten zuwege bringen. Erleuchte uns, dass wir entschlossen und klug mit angreifen, wenn wir sehen, dass wir Kreuz tragen helfen können. Kein anderes Motiv, nicht Wichtigtuerei, nicht Dickköpfigkeit, nur die Liebe zu Dir soll unser Handeln in der Kirche bestimmen!

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Eine der frommen Frauen versucht in einer spontanen Geste die Leiden des Erlösers wenigstens zu lindern. Man hat vielleicht über sie gelächelt oder gemurrt, sie aber hatte dafür kein Augenmerk: nur das Antlitz des leidenden Erlösers drängte sie, zu helfen. Die Gesichtszüge des Herrn, so wird uns berichtet, haben sich dann in dem Tuch abgeprägt.

Warum finden wir heute so selten die Gesichtszüge Christi in seinen Dienern abgeprägt, warum ist so viel Diesseits und so wenig Jenseits in den Physiognomien der Menschen zu spüren? Weil die lautere Liebe zu Gott fehlt, weil wir an uns selbst und nicht an Ihn denken!

O Haupt voll Blut und Wunden“, so sangen unsere Vorfahren in frommen Weisen, um in Liebe am Leiden Christi teilzunehmen. Wir sind so kalt geworden, o Herr, unsere Gottesdienste sind nicht mehr das Bild Deiner Züge, welche Du uns einprägtest, sondern vielmehr ein Abbild innerer Leere und Kälte. Erfülle uns wieder mit der Glut Deiner Liebe, die uns alles andere vergessen lässt! Sende uns Menschen, welche in Deinem Auftrag wieder Dein Abbild in die Kirche einprägen und gleichzeitig die Karikatur der Teufelsfratze aus der Kirche tilgen!

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

7. Station: Jesus fällt zum zweiten Male unter dem Kreuze.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Trotz der Hilfe des Simon von Zyrene stürzt der Herr ein zweites und drittes Mal, die Schmerzen nehmen mehr und mehr zu, die Kräfte lassen nach. Schwache Naturen würden aufgeben. Christus aber kennt Seine Sendung vom Vater, Er rafft Sich wieder auf und geht den Kreuzweg weiter. Christus stürzt in seiner Kirche öfter als dreimal, immer schwerer, immer schmerzlicher. Wir sind immer dazu geneigt, aufzugeben; wir sagen, es nütze ohnehin nichts mehr, nur um das mühsame Von-vorne-Anfangen zu vermeiden. Das aber wäre nicht mehr Nachfolge Christi!

Herr Jesus Christus, Deinem Beispiel gemäß wollen wir uns immer wieder aufrichten und nicht resignieren. Wir wissen: jeder unserer eigenen großen und kleiner Fehler belastet in der Krisenzeit der Kirche diese noch zusätzlich; wir können uns das einfach nicht leisten, wir wollen nicht an Deinem schmerzlichen Stürzen in der Kirche mitschuldig werden. So gib uns, o Herr, die Kraft, den Kreuzweg reinen Herzens zu gehen!

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

8. Station: Jesus tröstet die weinenden Frauen.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Weint nicht über mich, sondern weint über euch und über eure Kinder“ (Lk 23,28), sagte der Erlöser zu den weinenden Frauen Jerusalems. An weinenden Frauen und Männern hat die Kirche heute keinen Mangel: geklagt wird genug. Vermögen wir sonst nichts? Dann trifft uns der Vorwurf des Herrn, über uns selbst zu weinen. Die Kirche stünde in einer besseren Situation, wäre nicht nur geklagt, sondern auch gehandelt worden.

Lieber Heiland! Ja, wir müssen weinen und klagen: über das Schicksal Deiner Kirche und unsere eigenen Sünden, die es so weit haben kommen lassen.

Aber unser Klagen ist nur dann ehrlich, wenn es uns zur Tätigkeit anspornt, und dies nehmen wir uns jetzt vor: unser unerschrockenes Eintreten für die Kirche sowie unsere Selbstheiligung sollen unser Beitrag dazu sein, die Kirche wieder als Haus voll Glorie schauen zu dürfen!

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

9. Station: Jesus fällt zum dritten Male unter dem Kreuze.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Das psychologisch lähmende Auf und Ab ist ein Grundzug des Kreuzweges: nach dem ersten Sturz die lindernde Begegnung mit der Mutter, die Geste der Veronika; nach dem zweiten Sturz die Teilnahme der weinenden Frauen; darauf aber wieder die Trostlosigkeit des dritten Sturzes. Wie zermürbend hat doch der Teufel Regie geführt! Und ebenso zermürbend führt er auf dem Kreuzweg der Kirche Regie!

Da kommen Meldungen, welche die Hoffnung aufkeimen lassen, der Tiefpunkt der Entwicklung sei überwunden, es gehe nun wieder aufwärts; bald zerstören dann Enttäuschungen wieder alle Hoffnung, und wir sehen nur, dass mehr Menschen dem Sog des teuflischen Handwerkes zum Opfer fallen.

Und wir werden müde. Aber der Herr hat auch nach dem dritten Sturz den Kreuzweg noch fortgesetzt. Jesus Christus, Herr Deiner Kirche, mit Dir wollen wir den Kreuzweg durchleiden, mit Dir wollen wir nach jedem Sturz uns wieder erheben. Wir leben in einer schlimmen Zeit; zugleich ist es die Zeit, in welcher wir Dir beweisen können, dass wir in Treue zu Dir stehen wollen. Gib uns, o Herr, die Kraft, Dir treu zu bleiben!

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Der Betäubungstrank aus Essig und Galle hätte die Schmerzen gelindert, aber das Bewusstsein geraubt. Christus wollte lieber bewusst leiden, als im Dämmer der Narkose den Erlösungstod zu sterben. Der Betäubungstrank steht auch heute zur Verfügung: beschwichtigende Redensarten, welche den Blick für die ernste Lage der Kirche trüben sollen. Dem Beispiel des Herrn folgend, wollen wir den schmerzlichen klaren Blick einer Täuschung vorziehen. – Die Entkleidung vor der Kreuzigung, wie sie damals üblich war, sollte dem Herrn den Rest menschlicher Würde rauben und Ihn dem Gespött preisgeben, wie dies heute in lästerlichen und sakrilegischen Theaterstücken und anderen literarischen Erzeugnissen geschieht.

O unser leidender Erlöser, wir wollen uns nichts vormachen, uns nicht selbst betrügen; bewusst wollen wir mit Dir den Kreuzweg der Kirche durchleiden. Die ehrwürdigen Kleider einer frommen geheiligten Liturgie, welche man Dir vom Leibe gerissen hat, um in Gottesdiensten, welche diesen Namen gar nicht mehr verdienen, Dein Andenken zu schänden; diese Kleider wollen wir, so gut wir nur können, Dir wieder zurückerstatten. Ganz bewusst wollen wir jede Geste der Ehrfurchtslosigkeit, sei es auch nur aus Bequemlichkeit, stets vermeiden. Unser ganzes Benehmen im Haus Gottes soll jene Ehrfurcht widerspiegeln, welche man heute zu zertreten versucht. Dies lassen wir nicht zu.

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

11. Station: Jesus wird an das Kreuz genagelt.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Die Kreuzigung war nicht nur die schmerzhafteste, sondern auch schimpflichste Todesart, das Kreuz ein Zeichen der Schande. Als man Christus ans Kreuz nagelte, da wollte man beides, Schmerz und Schande für Ihn. Aber die Pläne der Hölle scheitern auf lange Sicht immer: das Kreuz ist seit 2000 Jahren das Zeichen des Sieges über das Böse, und Christus selbst zeigte sich nach Seiner Auferstehung mit verklärten Wundmalen. Zunächst freilich war nur Bitternis und Schmerz der Annagelung fühlbar, und äußerste Trostlosigkeit prägte diese Stunden.

Vertrauen erbitten wir von Dir, o Herr: Deine Kirche erleidet eine schimpfliche und schmerzliche Annagelung: es sind viele große Nägel, welche Dich durchbohren: die Verfälschung des Glaubens, die Verführung zur Unkeuschheit, die Entwürdigung des Gottesdienstes, die Missachtung Deines Statthalters in Rom und viele andere Nägel. Lass nicht zu, o Gott, dass auch wir mitschuldig werden an diesen Nägeln, gib uns die Gnade, dass wir die Verklärung Deiner heiligen Wunden bald, bald sehen dürfen!

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

12. Station: Jesus stirbt am Kreuz.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst“, so beten wir. Unsere Sünden haben diese Erlösung notwendig gemacht. Wie schwer muss vor Gott eine Sünde wiegen, wenn er Seinen eigenen Sohn als Opfer einem schmerzvollen Tod aussetzt, um uns von den Sünden und der Strafe der Hölle zu befreien! Wie unverantwortlich ist es, die Sünde zu bagatellisieren, sie psychologisch aushöhlen zu wollen! Wie gedankenlos ist dieses sich als ‚Verständnis‘ drapierende Entschuldigen der Sünden!

Nein, o Herr, wir wissen es: wir alle sind Sünder, mehr oder weniger, für uns alle hast Du Dich kreuzigen lassen, um uns zu erlösen, sofern wir uns nur erlösen lassen. Und dieses Erlösungsopfer wird in jeder Heiligen Messe vergegenwärtigt, erneuert und wirksam. Der Ernst der Stunde von Golgotha liegt heute mehr denn je über jeder Heiligen Messe. Wir wollen uns das Messopfer durch nichts rauben und durch nichts ersetzen lassen! Nicht unter dem Kreuz des linken Schächers, der lästert, ist unser Platz, sondern unter dem Kreuze Christi neben der leidenden Mutter Gottes, neben der Büßerin Maria Magdalena, neben dem einzigen verbliebenen Apostel Johannes. Bei diesem Apostel verbleiben wir. – Wir fliehen nicht mit den anderen zehn, wir verraten den Herrn nicht mit Judas!

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

13. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Die größten Meister der Malerei und Plastik haben das Bild der trauernden Mutter mit ihrem toten Sohn auf dem Schoße darzustellen versucht. Es dürfte aber fast unmöglich sein, die ganze Trostlosigkeit und das Leid der Mutter Gottes in ihren Gesichtszügen darzustellen: nur in von Liebe getragenem Mitleid können wir diesen Schmerz ermessen. – Die heilige Mutter Kirche hat heute einen toten Sohn auf ihrem Schoß. Dieser tote Sohn ist die ruinierte Jugend! Die Verantwortlichen sind feige geflohen und suchen nach Ausreden und Entschuldigungen. Davon aber wird dieser Tote nicht lebendig, große Hoffnungen wurden zerstört. Es fällt schwer, bei diesem Leichnam noch an eine Auferstehung zu glauben.

Und doch werden wir nicht aufhören, um diese Auferstehung zu beten. Wir flehen die Mutter Gottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoße an: Nimm unsere Jugend unter Deinen Schutzmantel, lass sie nicht vom Schmutz moralischer Zersetzung erstickt werden; führe die Verirrten zurück; sei in Deiner Verlassenheit uns Trost; gib uns Kraft, an eine Zukunft glauben zu können zu einem Zeitpunkt, wo dies menschlich gesehen unsinnig erscheint! Virgo virginum praeclara, mihi iam non sis amara, fac me tecum plangere. (Hehre Jungfrau der Jungfrauen, willst in Gnaden mich anschauen, lass mich teilen Deinen Schmerz!)

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

14. Station: Jesus wird in das Grab gelegt.

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst!

Einst betete unser Volk am Karfreitag und Karsamstag viel und innig vor dem heiligen Grab. Auch dies wird uns heute zunehmend erschwert – die Grabschändung reiht sich würdig an die Kreuzigung Christi in Seiner Kirche. Doch: wir lassen uns den Heiland nicht aus dem Grabe stehlen, sondern wollen treu Wache halten; das Grab Christi ist ja nicht nur der Schlusspunkt des Kreuzweges und des Leidens – es ist auch Ausgangspunkt der Auferstehung. Und auf diese warten wir unverdrossen und unbeirrbar.

Herr Jesus Christus, unser Gott und Erlöser, einige wenige Getreue haben Dir eine würdige Grabstätte bereitet. Wir wissen, dass die Treuen in schweren Zeiten immer nur wenige sind. Gewähre uns, unter diese Treuen zu zählen, dann können wir Schmähung, Verleumdung und Diskriminierung ertragen und die irdische Stellung riskieren, so wie Joseph von Arimathäa und Nikodemus es getan haben. Als Deine Getreuen dürfen wir aber dann auch hoffen, dass wir bald Deine Auferstehung in Deiner Kirche erleben dürfen: ein Erdbeben wird den Stein der Schriftgelehrten wegschleudern; das Siegel der Pharisäer auf Deinem Grab wird zerrissen werden; Du wirst in Deiner Kirche, wider alles Erwarten, glorreich auferstehen; und wir werden die Botschaft Deiner heiligen Engel hören dürfen: Ite, nuntiate, quia surrexit – Geht hin und verkündet, Er ist auferstanden! Und wir werden dann wieder hierher zur Gnadenmutter kommen und ihr freudig zurufen: Regina coeli, laetare – Freu Dich, Du Himmelskönigin! Gib, o Gott dass es bald sei! Amen.

Vater unser…
Gegrüßet seist Du, Maria…

V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
A. erbarme Dich unser und hilf den Armen Seelen im Fegfeuer.

Schlussgebet

O Jesus, Du setzt Dein ganzes Erlösungswerk im Heiligen Messopfer, in der Predigt des Evangeliums und in der Spendung der Sakramente der Kirche fort. Um Deines Leidens willen bitte ich Dich: Mache aus mir ein gelebtes Heiliges Messopfer, eine ergänzende Menschheit, damit ich auf Erden in einer heiligen Lebens-, Leidens- und Liebesgemeinschaft mit Dir stehe, um so dereinst als Glied der triumphierenden Kirche ewig Deine Herrlichkeit anbetend schauen zu dürfen.
Amen.



Alte Kreuzweg-Andacht

Der Kreuzweg ist folgendem Gebetbuch entnommen: Der Christ im Gebet. Sammlung approbierter Gebete für katholische Christen; Einsiedeln 1913.

Vorbereitungsgebet

Liebster Jesu, dessen Leiden ich mit aller Andacht zu betrachten mir jetzt vornehme, sieh, ich werfe mich in tiefster Demut vor Dir nieder, und da ich Dich ehrerbietigst anbete, erkenne ich mich vor deinem göttlichen Angesicht als einen armen Sünder, der dich so oft und so mutwillig beleidigt hat. Ich bin derjenige, welcher Dich auf jenen schmerzlichen Weg zu dem Kalvarienberg, ja in den Tod selbst gebracht hat. Allein, was ich getan, bereue ich jetzt von ganzem Herzen; Dich, den ich vorher beleidigt, liebe ich jetzt über alles, aus allen Kräften. Aus eben dieser Liebe verabscheue ich alle meine Sünden mit dem ernsten Vorsatz, lieber tausendmal zu sterben, als Dich, mein Gott, mein allerhöchstes, liebenswürdigstes Gut, nur noch ein einiges Mal, besonders mit einer schweren Sünde, zu beleidigen. Zugleich bitte ich demütigst, Du wollest diese meine gegenwärtige Andacht gnädig aufnehmen, und durch dieselbe mir jene heiligen Ablässe zukommen lassen, welche zur gänzlichen Abbüßung meiner Sünden notwendig sind. Die übrigen, deren ich noch teilhaftig werden kann, lass den armen Seelen im Fegefeuer durch deine unendliche Güte und Barmherzigkeit zukommen, damit dieselben Dich desto ansehen und sich der ewigen Herrlichkeit erfreuen können.

Jetzt wird ein kurzer Moment der Stille eingelegt.

1. Station: Jesus wird zum Kreuzestod verurteilt.

Jesus fällt unter dem Kreuz mir zuliebe und ich armseliger, ach, wie oft bin ich, Jesu zu Leide, nicht unter dem Kreuz, sondern unter den sinnlichen Gelüsten in Sünden gefallen. Verabscheuungswürdige Sünden, welche meinen Jesus so übel zugerichtet haben! Herr, lieber tausend Kreuze, als nur eine einzige freie schwere Sünde.

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

2. Station: Jesus nimmt das schwere Kreuz auf seine Schultern.

Welch eine herrliche Lehre für mich, der ich Jesus also geduldig sehe: Sieh, meine Seele, Jesus geht voran! Warum soll ich nicht nachgehen? Ja, mein Jesu, von diesem Augenblick an will ich in deine Fußstapfen treten. Ich nehme von Herzen gern jede Verfolgung, jede Krankheit, jede Armut, jede Verspottung, ja alles erdenkliche Kreuz an. Jesus geht voraus, ich kann nicht fehlen. Dieser Kreuzweg ist die wahre Himmelsstraße.

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

3. Station: Jesus fällt das erste Mal unter der Last des Kreuzes.

Jesus fällt unter dem Kreuz mir zu Liebe, und ich Armseliger, ach, wie oft bin ich, Jesus zu Leide, nicht unter dem Kreuz, sondern unter den sinnlichen Gelüsten in Sünden gefallen. Verabscheuungswürdige Sünden, welche meinen Jesus so übel zugerichtet haben! Herr, lieber tausend Kreuze, als nur eine einzige schwere Sünde.

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

4. Station: Jesus begegnet seiner betrübten Mutter.

O herzzerreißende Zusammenkunft! Traurigster Abschied des besten Sohnes von der besten Mutter! Wehe mir Unglückseligen, der ich aus anderen Ursachen, als Jesus und Maria, mich so oft durch meine Sünden leichtfertigerweise von Beiden geschieden habe! O Jesus, o Maria! Herzlich bereue ich meine gottlose Trennung von Euch. Ach, in Ewigkeit soll dieselbe nicht mehr stattfinden!

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

5. Station: Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen.

Endlich wird ein einziger gefunden, der dem schmerzhaften Jesus in etwas hilft. O, mit welchen liebreichen Augen wird unser göttlicher Heiland diesen Menschen angesehen haben! Könnte nicht auch ich, wenn ich es wollte, hin und wieder meinem Jesus sein Kreuz versüßen? Ja, ich liebster Jesus, auch den geringsten Dienst, welchen man Dir erweist, nimmst Du hoch und gnädig auf. So sei es denn! Dir zu Liebe will ich von jetzt an mich überwinden und jede Widerwärtigkeit, die mir begegnet, geduldig ertragen. Gib mir nur deine Gnade dazu.

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

6. Station: Veronika trocknet mit einem Schweißtuch das blutige Angesicht Jesu ab.

O welch eine schreckliche Verunstaltung ist diese des liebenswürdigsten unter allen Menschenkindern! Zunächst erblicke ich in diesem Schweißtuch die Augen meines Jesus mit Blut und Tränen überronnen. O wie viel anders sind meine Augen beschaffen! Wie lebhaft sind dieselben immer zu aller Neugier, wie unbescheiden vor jedem anreizenden Gegenstand! Sträfliche Neugierde, heillose Begierde und Habsucht! Nein, von diesem Augenblick an werde ich meinen Augen nicht mehr gestatten, was den Augen meines Jesus so viel Blut und Tränen gekostet hat.

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

7. Station: Jesus fällt das zweite Mal auf die Erde nieder.

Ach, hält denn niemand den fallenden Jesus auf? Sollen denn alle Hände so beschäftigt sein, dass keine einzige dem liebsten Jesus zu Hilfe kommt? O armselige Menschen, die wir zwar Hände haben, aber nicht zu Jesu Trost, sondern nur zu seiner Beleidigung. Ach, auch meine Hände, so oft ich sie anschaue, klagen mich dieser Lieblosigkeit an. Allein ich nehme mir jetzt ernsthaft vor, dieselben nie zu etwas Verbotenem, sondern einzig zu deinem Dienst zu gebrauchen. Stärke diesen meinen Vorsatz.

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

8. Station: Jesus tröstet die Töchter Jerusalems, die über ihn weinen.

O welche Liebe und Barmherzigkeit! Jesus, mitten unter seinen Schmerzen, da er selbst allen Trost vonnöten hatte, tröstet andere. O wie beschämt mich hierin Jesus, da ich mitten im Überfluss, meine armen, kranken, verfolgten Mitmenschen nicht nur nicht tröste, ja oft mit rauen Worten anfahre. Sträfliche Unbarmherzigkeit! O Jesus, durch all Dein Erbarmen, gib mir ein mitleidiges, barmherziges Herz, damit ich nicht vergesse, meinen Mitmenschen aus allen Kräften Gutes zu tun.

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

9. Station: Jesus fällt das dritte Mal nieder.

Bedauernswürdigster Fall! Allein, wie war es möglich, dass der schon todschwache Jesus unter der Last des Kreuzes nicht abermals fiel Dennoch nimmt er alle Kräfte aufs Neue zusammen: Er steht großmütig auf und geht mutig mit seinem Kreuz in den Tod hinein. O heldenmütiges Herz meines Jesus! Durch diesen deinen Starkmut bitte ich dich demütigst, stärke auch mich in allem meinem Leid, besonders in der schrecklichen Todesangst, wenn ich den letzten, entscheidenden Kampf werde zu kämpfen haben. O, lass mich da nicht fallen, sondern erhalte mich aufrecht in meinem Glauben, in einer standhaften Liebe, bis ich endlich meinen Geist in deine Hände aufgebe.

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt.

O für Himmel und Erde schaudervolle Tat! Jesus, dem reinsten Sohn der reinsten Jungfrau, werden von den unverschämtesten Frevlern, zum Gespött so vieler tausend Menschen die Kleider entrissen. Diese grauenhafte Beschimpfung hat Dein liebster Jesus wegen meiner und so vieler anderer Menschen Sünden ertragen müssen. Reinster Sohn Gottes und Marias! O dass ich Dich damals von dieses frevelhaften Händen hätte befreien können! Doch, was ich damals nicht gekonnt, werde ich jetzt versuchen. Ich werde mich jederzeit in allem Lebenswandel züchtig aufführen, und niemals zulassen, dass an mir oder anderen ein keusches Auge könne geärgert werden.

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

11. Station: Jesus wird gekreuzigt.

Dahin hat endlich Jesus seine Liebe zu uns gebracht. Ach, uns zu Liebe lässt er seine heiligsten Hände und Füße durch die schrecklichen Hammerschläge mit eisernen Nägeln, unter unbeschreiblichen Schmerzen durchbohren. Wer ist aber wohl, der solche Liebe ernsthaft bedenkt? Wer dankt für dieselbe? Wer vergilt diese Liebe mit Gegenliebe? Verwerfliche innere Kälte so vieler tausend Menschen! O liebster Jesus, entzünde mein Herz mit den Flammen deiner Liebe, damit auch ich alles, was Du verlangst, so schwer es mir immer fallen kann, Dir zu Liebe sogleich unternehme, ja, wenn Du es forderst, auch in den Tod für Dich gehe.

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

12. Station: Jesus stirbt am Kreuz.

Indem aus allen Adern des heiligsten Leibes Jesu das anbetungswürdige Blut herausfließt, naht sein Ende: sein göttliches Herz schlägt das letzte Mal, sein Haupt neigt sich in den Tod, Jesus stirbt und das große Versöhnungsopfer für uns Menschen ist vollendet! Tausend Dank, liebster Jesus, für Deine unendliche Liebe und Barmherzigkeit zu mir armen Sünder! Wenn ich auch alle Sünden der ganzen Welt begangen hätte, so würde ich doch nie kleinmütig werden. Ich hoffe auf Dich, o mein Jesus, auf deine heiligsten Wunden und dein heiligstes Blut. O lass keinen einzigen Tropfen desselben verloren gehen! Jesus, sei mir gnädig!

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

13. Station: Der heilige Leib Christi wird vom Kreuz abgenommen.

O in welche Hände kommt jetzt der heiligste Leib Jesu! Wohl Dir, liebster Jesus, nirgends bist Du besser als in dem Schoße Deiner Mutter Maria ; o wie zärtlich wird sie Dich umfangen, mit wie viel tausend Tränen wird sie Dich begossen, mit welcher Andacht deine heiligsten Wunden geküsst haben! Ich vereinige alle meine Gedanken und Empfindungen mit jenen deiner heiligsten Mutter; mit diesen versenke ich mich in deine bluttriefenden Wundmale, besonders in die Wunde deiner heilige Seite, in der ich immer zu leben und endlich zu sterben verlange.

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

14. Station: Der Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt.

Das Grab Jesu war in einer Felsenhöhle; Jesus wurde also auf einen harten Stein gelegt. Liebster Jesus, wie gern wollte ich zu deiner Ruhestätte mein eigenes Herz unterlegen, allein Du würdest eben so hart wie auf einem Stein liegen. Sieh doch mein armseliges Herz in Gnaden an! O wie hart ist es zur wahren Buße, zur Anhörung deiner Ermahnungen, zum Mitleid gegen die Mitmenschen! Ach, es bleibt immer das alte verstockte Herz; nur deine Gnade kann es erweichen. O so bitte ich Dich denn durch alle Güte und Milde deines eigenen hochheiligen Herzens, sende herab in mein elendes, sündiges Herz jenen allmächtigen Strahl, durch welchen Du einen Petrus, Paulus, eine Magdalena erleuchtet und gänzlich bekehrt hast. Ja, mein Jesus, so geschehe es! Amen.

V. Wir beten Dich an, o Jesus und bitten Dich;
R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V. Gekreuzigter Herr Jesus Christus!
R. Erbarme dich unser.
Es folgen jeweils ein „Vaterunser“, ein „Ave Maria“ sowie ein „Gloria Patri“.

Schluss und Aufopferung

Zum Schluss dieser meiner Andacht bitte ich Dich nochmals, liebster Jesus, lass Dir dieselbe gnädig gefallen; und sofern ich sie nicht mit möglichstem Eifer verrichtet habe, so opfere ich Dir, um meine Launigkeit zu ersetzen, allen Andachtseifer demütig auf, mit welchem einst deine heiligste Mutter und deine heiligsten Apostel den heiligen Kreuzweg besucht haben, und noch heutzutage fromme Christen besuchen. O, dass auch mein Herz mit gleichem Eifer in Zukunft entzündet werde, und ich immerfort mit innigster Teilnahme deines heiligen Leidens gedenke, damit ich durch eben dieses dein Leiden die Früchte desselben, zunächst eine wahre Buße und zuletzt eine glückselige Sterbestunde erlangen möge. Amen.


Quellen:

  • Kantner, Leopold M.: Kreuzweg der Kirche; Stuttgart, 2010.
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Letzte Aktualisierung am 18.11.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API