Glutgebet (Glühgebet)

Eine alte christliche Gebetsform, die ihren Ursprung bereits bei den Wüstenvätern hat und von diesen praktiziert wurde, ist das Glutgebet.

Was ist das Glutgebet (Glühgebet)?

Beim Glutgebet (lat. „oratio ignea“), das in der christlichen Tradition auch als Glühgebet, Gebet der verwundenden Liebe (Johannes Tauler), Speer der Liebe oder Gebet des Liebessehnens (Johannes vom Kreuz) bezeichnet wird, handelt es sich um eine Gebetsform, die eng mit dem Ruhegebet verbunden ist, da durch die innere Ruhe das Feuer nach Jesus Christus geweckt wird. Mit dieser brennenden inneren Sehnsucht nach Gott richteten die Mönche intensive Gebete in bestimmten Anliegen an Gott. Den Namen „Glutgebet“ haben bereits die alten Wüstenväter geprägt, weil sich der Beter dabei ganz in die Empfindung glühender Liebe hinein versenkt. Diese intensive Gebetsform ist stark durch Emotionen bestimmt, die jedoch nicht so einfach hervorgerufen werden können „wie etwa eine Gebetsformel, ein Vorstellungsbild oder ein sinnlich wahrnehmbares Bild“. Es ist ein affektives und kraftvolles Gebet der glühenden Liebe, das den Prozess der Meditation vorantreibt.


Wie wird das Glutgebet praktiziert?

Angefacht durch das aus der Stille geborene innere Feuer ist der Gläubige besonders für das Glutgebet prädestiniert. Diese Gebetsform ist durch „die Stärke seiner Emotionen und die Intensität seiner Gedanken“ geprägt: Bewegt von den Wogen der Gnade kann der Gläubige nun Gebete sprechen, „die sowohl rein als auch heiß sind, wie Kohlen im Feuer, und inmitten von ihnen steigt ein mächtiger Schrei empor aus der Tiefe des Herzens, jedoch vermischt mit einer aus dem Übermaß der Freude stammenden Demut“. Von den Mönchen wird berichtet, dass sie während des Betens die Hände ausstreckten. Dann sprachen sie aus vollem Herzen intensive Stoßgebete wie u.a. „Herr erbarme dich meiner, wie Du willst und weißt.“.


Das Ruhegebet einüben

Quellen:

  • Blum, Georg Günter: Die Geschichte der Begegnung christlich-orientalischer Mystik mit der Mystik des Islams, Wiesbaden 2009, S. 209f.
  • Dyckhoff, Peter: Geheimnis des Ruhegebets; Freiburg im Breisgau 2016.
  • Lipsett: Peter R.: Kontemplation und christliche Meditation; S. 8, URL: https://kontemplation-frankfurt.de/data/Was_ist_Kontemplation_PL_r2.pdf (abgerufen am 15.05.2019).
  • Seewald, Peter: Kult; München 2007, S. 155.
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Letzte Aktualisierung am 15.12.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API