Geistlicher Kampf

Erzengel Michael im Kampf
Gerade in unserer Zeit, in der die dunkle Seite auf allen Ebenen an Einfluss gewinnt, ist es für uns Christen besonders wichtig, sich im geistlichen Kampf zu schulen und die Waffenrüstung Gottes anzuziehen, wie es bereits der hl. Apostel Paulus gefordert hat. An allen Fronten tobt der unsichtbare Kampf zwischen Dämonen und Engeln um die Seelen der Menschen, sei es in den Medien, auf Arbeit, auf der Straße, in den Schulen, an den Universitäten und sogar mitten im Herz der Kirche aufgrund der in den letzten Jahrzehnten eingesickerten Irrlehren des Relativismus („Was ich glaube ist egal…“), Anthropozentrismus (Im Mittelpunkt steht nicht mehr Gott, sondern nur noch der Mensch), moderner Adoptianismus (Jesus Christus wird auf sein Menschsein reduziert und die Göttlichkeit abgesprochen) oder Synkretismus (Vermischung aller Religionen). Überall sind wir den Versuchungen und Verlockungen dieser Welt ausgesetzt, die in den vergangenen Jahren massiv zugenommen haben. Diese Situation macht es in besonderer Weise notwendig uns geeigneter Mittel und Strategien der geistlichen Kampfführung zu bedienen, um in den täglichen Auseinandersetzungen und Anfechtungen die Oberhand über uns zu behalten und nicht das Seelenheil zu riskieren. Gerade in dieser Zeit sind wir aufgefordert wieder „ecclesia militans“ (streitende Kirche) zu sein, weil es im wahrsten Sinne um die Wurst geht.

Zieht an die Waffenrüstung Gottes, um den listigen Anschlägen des Teufels zu widerstehen!
Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen Mächte und Gewalten, gegen die Weltherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geister in den himmlischen Bereichen.
Darum legt die Waffenrüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils widerstehen, alles vollbringen und standhalten könnt!
Steht also da, eure Hüften umgürtet mit Wahrheit, angetan mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit,
die Füße beschuht mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens.
Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen.
Und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes!
Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.

(Epheser 6, 11-18)


Geistliche Firewall: Einfache und bewährte Mittel im geistlichen Kampf

Nur mit Gottes Hilfe erlangen wir Vergebung und Vervollkommnung; nur mit seiner Hilfe triumphiert das Gute auf dem Schlachtfeld unserer Seele.“ (Peter A. Kwasniewski)

Geistliche Firewall
Ebenso wie Computersysteme zum Schutz vor Hackerangriffen eine Firewall (zu deutsch: „Feuerwand“) in Form einer speziellen Hard- oder Software benötigen, müssen auch wir uns mit einer „geistlichen Firewall“ gegen die Angriffe des Feindes schützen und geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen. Gleichwie eine moderne virtuelle Firewall darauf ausgelegt ist, aus den Angriffen zu lernen und sich immer besser gegen neue Attacken zu wappnen, so können auch wir unsere geistliche Firewall gegen die Angriffe des Feindes konditionieren. Neben der Gottes Gnade, auf die wir im geistlichen Kampf zuallererst angewiesen sind, gibt es etliche nutzbringende Waffen und Techniken, die wir zur Verteidigung und zum Gegenangriff einsetzen können. Eine solche Waffenrüstung ist nicht nur ein probates Mittel im geistlichen Kampf, sondern dient gleichzeitig als Hilfe zur persönlichen Heiligung (Übrigens: Alle Christen sind zur Heiligkeit berufen!):

    Waffenrüstung Gottes

  • regelmäßige Teilnahme an der hl. Messe (wenigstens zu Sonn- und Feiertagen, wenn möglich täglich) und Empfang der hl. Kommunion, denn die hl. Messe ist die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers zur Sühne für unsere Sünden, für die Sünden jedes Einzelnen.
  • häufige Beichte (Stichwort: „Seelenhygiene“), um im Stand der heiligmachenden Gnade zu bleiben
  • tägliches Gebet (möglichst mit festen Gebetszeiten) sowie die abendliche Gewissenserforschung
  • Befolgung der zehn Gebote sowie Einhaltung der Kirchengebote (z.B. Freitagsopfer)
  • gemeinschaftliche Lobpreis– und Gebetszeiten (z.B. Rosenkranz)
  • das innere Gebet schulen (z.B. mit dem Herzensgebet)
  • tägliches Lesen in der Hl. Schrift und anderer geistlicher Lektüre
  • bewusstes Fasten für Gott (mit „bewusst“ ist die geistliche Intention gemeint und nicht gesundheitliche Aspekte)
  • kleine Opfer des Verzichts im Alltag bringen → auf diese Weise üben wir uns in der persönlichen Disziplin ein
  • Gedankenkontrolle im positiven Sinn, also eine bewusstes Achtgeben auf seine eigenen Gedanken: Wenn sündige Gedanken aufkommen, gilt es diesen innerlich bewusst einen Riegel vorzuschieben und „Stopp“ zu sagen. Bei solchen Anfechtungen empfiehlt es sich den Blick innerlich auf Jesus am Kreuz zu richten oder einfache Stoßgebete oder Schutzgebete zu sprechen.
  • das Meiden von sündhaften Orten, Gelegenheiten usw.
  • es gilt Gott immer wieder um seine Gnade und Beistand anzurufen, ohne die wir keine Vergebung und Vervollkommnung erfahren können
  • Ergänzende Mittel: Sakramentalien wie Weihwasser oder geweihtes Salz / Dreikönigssalz einsetzen (Wohnräume aussegnen, sich selbst bekreuzigen), geweihte Gegenstände tragen bzw. aufhängen (Kreuz, Ikone usw.)

Gregorianische Gesänge
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Strategien des geistlichen Kampfes

Um im geistlichen Kampf erfolgreich zu sein, bedarf es eines Gesamtplans und einer geeigneten Taktik für den Kampf. Zwei konkrete Strategien möchten wir hier kurz vorstellen, bei denen sich eine tiefere Beschäftigung sehr empfiehlt. Für den Anfänger empfiehlt sich besonders die Strategie von Lorenzo Scupoli.

Lorenzo Scupoli

Der italienische Theatinermönch und Priester Lorenzo Scupoli, der zu bedeutendsten geistlichen Autoren des 16. Jahrhunderts gehört hat, uns dazu eine passende Strategie hinterlassen, die es sich lohnt wieder bekannter zu machen. Bereits der hl. Franz von Sales hat sich mittels dieser Strategie geheiligt. Wer nach Vollkommenheit bzw. Heiligkeit strebt, dem sei dieses Buch sehr empfohlen.


Portrait: Lorenzo Scupoli

Wer war Lorenzo Scupoli?

Laurentius (Lorenzo) Scupoli wurde um das Jahr 1530 als Francesco Scupoli in Otranto (Italien) geboren. Francesco Scupoli trat 1569 erst im Alter von 40 Jahren 1569 in den jungen Theatiner-Orden ein, wo er den Ordensnamen Laurentius (Lorenzo) annahm und im Jahr 1577 zum Priester geweiht wurde. Hier war er ein Schüler des heiligen Andreas Avellinus sowie von Pater Girolamo Ferro. Im Jahr 1585 wurde Lorenzo aufgrund von Verleumdungen in den Laienstand zurück versetzt und lebte ab diesem Zeitpunkt etwas zurückgezogen zuerst in Venedig und danach in Neapel. In dieser Zeit verfasste er sein Werk „Der geistliche Kampf“ (lat. „Certamen spirituale“), das später besonders vom hl. Franz von Sales sehr geschätzt wurde. Es wurde in mehrere Sprachen übersetzt und umfasste bereits zum Zeitpunkt des Todes von Lorenzo Scupoli 60 Auflagen. Am 28. November 1610 starb Scupoli als Laienbruder in Neapel.


Geistlicher Kampf nach Scupoli

Der Kern seiner Strategie liegt auf der „Übung“, die Scupoli in den Kapiteln 7 bis 43 erläutert. Diese handelt vom guten Gebrauch der inneren und äußeren Fähigkeiten, um die Tugend zu erwerben. Es geht ihm hierbei um einen inneren Kampf nach den christlichen Grundsätzen. Scupoli benutzt dazu das Bild vom Kampfplatz, auf dem sich der Kämpfer – ausgestattet mit den „Waffen des Misstrauens“ – jeden Morgen aufs Neue bereit machen soll, um gegen die bösen Neigungen sowie gegen den „höllischen Feind mit seinem Anhang“ ins Feld zu ziehen.
Die Stärke der Persönlichkeit bildet im Kampf den zentralen Punkt: So gilt es die Fehler von Intelligenz und Willen zu korrigieren und deren Aktivität zu leiten, wobei der härteste Kampf den Willen betrifft. Die Kräfte dieses Kampfes streiten im Menschen selbst, denn nach Scupoli besitzt der Mensch zwei verschiedene Willen:

  1. einen übergeordneten, höheren Willen (die Vernunft)
  2. einen unteren Willen (Begehrlichkeit, Sinne, Leidenschaften)

Der höhere Wille wird zwischen zwei Polen hin- und hergerissen: Einerseits vom Willen Gottes, der den Menschen erziehen möchte und andererseits von den Leidenschaften, die ihn zum Bösen verleiten möchten.
Um die Leidenschaften (besonders die sich überall versteckende ungeordnete Eigenliebe) zu bekämpfen, entwickelte Lorenzo Scupoli eine Strategie des Kampfes. Weil die inneren Leidenschaften ihre äußeren Verbündeten im sinnenhaften Begehren haben, muss mit besonderer Härte gegen die Fehler der Sinne (Unreinheit, Faulheit, Geschwätz) gekämpft und diese als Mittel benutzt werden, um den Geist zu erheben und die göttlichen Eigenschaften sowie das Leben Christi zu betrachten. Dabei empfahl Scupoli stets wachsam zu sein und die subtilen, verfänglichen „Kunstgriffe“ des Dämons zu entlarven. Die Energien und die Anstrengungen sollen nicht zerstreut werden, sondern die Aufmerksamkeit ganz und gar auf ein Laster, eine zu besiegende Leidenschaft oder auf eine zu erwerbende Tugend gerichtet werden.
Es ist hierbei ganz wichtig den Kampf nie zu unterbrechen, sondern immer das Verlangen nach Vollkommenheit wach zu halten, weil ein guter Soldat weder die Ruhe noch die Beseitigung der Schwierigkeit sucht. Auf diese Weise entgeht der Mensch auch dem Versuch des Dämons ihn durch indiskrete Gefallen zu betrügen. Die dunkle Seite versucht den in der Tugend Fortgeschrittenen aber auch mittels dem Einreden von Übertreibungen wie „Bußgürtel, Fasten, Geißelungen und dergleichen harte Kasteiungen“ zu Fall zu bringen, weil diese häufig Hochmut, Krankheiten, Burnout und dergleichen mit sich bringen.



Hauptpunkte seiner Strategie

Die folgenden Strategien bzw. Taktiken sind ein Auszug aus dem Werke Lorzeno Scupolis. Sie dienen als grober Überblick, in welche Richtung der Kampf gehen soll. Wer ernsthaft nach Vollkommenheit streben möchte, dem sei die Lektüre des ganzen Buches wärmstens ans Herz gelegt.


▸ Grundregeln des geistlichen Kampfes:

Scupoli hat dabei mehrere Grundregeln umrissen:

  • Habe immer Misstrauen gegen Dich selbst!
  • Habe Gottvertrauen!
  • Lerne Deine Zunge zu beherrschen und die Stille zu schätzen!

▸ Kampf gegen sinnliche Neigungen (z.B. Ungeduld):

Lorenzo Scupoli nennt hier zwei verschiedene Übungen für den Kampf gegen sinnliche Neigungen, damit der vernunftbegabte Willen die Oberhand behält:

  1. Wenn einen der sinnliche Trieb befällt, gilt es diesem starken Widerstand zu leisten, damit der höhere Wille nicht nachgebe.
  2. Sobald die Anfechtungen nachgelassen haben, müssen sie neu erweckt werden, um sie mit doppelter Energie und Kraft zu unterdrücken. Anschließend gilt es sie ein drittes Mal zu wecken, um sich daran zu gewöhnen und sie immer mit Entrüstung und Abscheu zu vertreiben.
    Schließlich gilt es Tugendakte zu erwecken, die der jeweiligen schlechten Neigung entgegengesetzt sind.

▸ Kampf gegen die Fleischeslust (sexuelle Versuchungen):

Beim Kampf gegen die sexuellen Anfechtungen gilt es drei Zeitabschnitte zu berücksichtigen:

I. Vor der Versuchung: Es gilt die Ursachen zu bekämpfen.

  1. Alle Gelegenheiten und zweifelhaften Personen (maximal sachlicher Umgang) müssen weitestgehend gemieden werden.
  2. Alle Langeweile muss gemieden, sondern es gilt stattdessen die Zeit sinnvoll mit Gebet und Arbeit zu füllen.
  3. Es gilt demütig alle Arbeit zu erledigen, besonders jene, die den eignen Wünschen und Vorstellungen entgegengesetzt ist.
  4. Verurteile niemals den Nächsten, besonders nicht im Hinblick auf dieses Laster.
  5. Werde nicht hochmütig, weil vll. Gnade und Freude an geistlichen Dingen von Gott erfährst.

II. Während der Versuchung:

  1. bei äußeren Ursachen (z.B. durch Neugierde der Augen und Ohren, unpassende Kleidung, etc.) ist das Heilmittel Ehrbarkeit und Sittsamkeit, also alle diese Gelegenheiten sofort zu meiden.
  2. bei inneren Ursachen (z.B. durch starken körperlichen Trieb, schlechte Gewohnheiten etc.) gilt es durch Enthaltsamkeit, Selbstbeherrschung, körperliche und sonstige Abtötungen den Körper zu trainieren sowie die Gedanken durch Arbeit, Gebet (z.B. mittels geeigneter Stoßgebete wie „Befreie mich, o mein Schöpfer und Erlöser, von meinen Feinden zur Ehre deines Leidens und deiner unaussprechlichen Güte!“) und Betrachtung (sich bewusst machen, wie verwerflich die Sünde ist) von den Versuchungen wegzulenken.

III. Nach der Versuchung:

Es gilt alle verursachenden Dinge zu meiden, auch wenn man sich aufgrund einer Tugend oder eines anderen geistlichen Nutzens angetrieben fühlt.

▸ Eigene Schwachpunkte finden:

Erwäge die Schwachpunkte, wo Du angreifbar bist! Auf diese Weise lässt sich in etwa voraussehen, welche Situationen gemieden werden können (Personen, Orte etc.) und wie man bei Anfechtungen dagegen vorgehen kann. Wer mit einer unvorhergesehenen Widerwärtigkeit überrascht wird, kann sich damit helfen, das Augenmerk auf andere vorausgesehene Widerwärtigkeiten zu richten und sich dabei des folgenden Verfahrens bedienen. Das wirksamste Hilfsmittel gegen die plötzlichen Regungen ist, dass man sogleich die Ursache entfernt, aus der sie entspringen.


▸ Stärkung des Willens bei Anfechtungen:

Die Taktiken bei starken Anfechtungen, wenn „der Wille scheinbar von den niederen Seelenkräften und anderen Feinden überwunden und unterdrückt ist“:
Im Geiste können folgende oder ähnliche Gedanken vollzogen werden:

  • Habe ich das Übel nicht vielleicht verdient, weil ich dazu Anlass gegeben habe?
  • Soll das Übel vielleicht eine Buße für andere Fehltritte meines Lebens sein, die ich bereits auf Erden ableisten kann?
  • Denke daran, der Eingang in das Himmelreich geht über eine enge Pforte!
  • Je lästiger und schwerer für dich die Übel zu ertragen sind, desto angenehmer wirst du dem Herrn sein. Versuche in allem den Willen Gottes zu erkennen und vertrauen auf die Vorsehung!

Wir sollen nicht nach der Befreiung von Widerwärtigkeiten trachten, sondern unsere eigenen Wünsche zurückstellen und alle Leiden bzw. Übel in Geduld ertragen, dass alles dem Willen Gottes entspricht.


▸ Verhalten bei Verwundungen:

Wie verhalte ich mich, wenn ich in Sünde gefallen bin? Werde nicht kleinmütig und unruhig, sondern kehre auf der Stelle zu Gott zurück! Bereue die Beleidigung Gottes und verabscheue deine sündhaften Leidenschaften. Überlasse dich völlig Gottes liebevoller Vatersorge und mache mit den Übungen so weiter, als ob man nicht gefallen wäre. Verfahre so auch, wenn man mehrmals hintereinander gefallen ist. Es gilt zuallererst den Frieden und die Ruhe des Herzens wiederzuerlangen. Natürlich müssen alle Sünden entsprechend im Bußsakrament gebeichtet werden.

Ganz wichtig! Nicht aufgeben, immer weiterkämpfen!


▸ Kampf gegen die Trägheit:

Um sich nicht von der Trägheit beherrschen zu lassen, gilt es die Neugierde und jede Bindung ans Irdische sowie alle falschen Beschäftigungen fernzuhalten und folgende Grundsätze zu beherzigen:

  1. Verrichte alle Arbeit der entsprechenden Zeit gemäß und meide die Zeiten der Langeweile.
  2. Beim Gebet: „Beginne, als wolltest du nur eine halbe Viertelstunde dem Gebete widmen, dann wirst du leicht die andere Hälfte und den übrigen Teil erfüllen.

▸ Erworbene Tugenden als Waffe gegen den Menschen:

Der Feind wird versuchen, die von Menschen im Kampf erworbene Tugenden als Waffe gegen sie selbst einzusetzen und sie mittels zwei verschiedenen Taktiken zu Lastern verkehren:

  1. Uns wird die Vorstellung guter Taten vorgegaukelt, die wir nicht durchführen können, was in uns Enttäuschung und Frustration auslösen kann. Dann besteht die Gefahr, dass wir den Kampf um die Heiligkeit vernachlässigen, weil wir uns der eigenen Defizienz bewusst werden. Hier hilft es Gott vertrauen zu lernen und sich auf das in der jeweiligen Situation Machbare zu konzentrieren, denn Gott wird sich gewiss um den Rest kümmern.
  2. Eine zweite Taktik ist jene des Stolzes, mit der uns der Feind zu verführen sucht, wenn wir bestimmt Tugenden erworben haben: So möchte er uns einflüstern, das wir uns selbst die Tugend zu verdanken haben oder dass wir besser als andere sind, was im Hochmut mündet. Hier gilt es sich bewusst zu machen, dass wir die meisten unserer religiösen Verdienste der Gnade Gottes verdanken.

▸ Versuche Dir nach und nach Tugenden anzueignen:

Beim Erwerb von Tugenden sollte man sich immer nur auf eine konzentrieren und erst, wenn diese erlernt wurde, sich der nächsten zuwenden. Dabei gilt es den Verstand und den Willen zu trainieren, um ihn vor zwei Feinden zu bewahren:

  1. Unwissenheit, die ihn verdunkelt und die Erkenntnis der Wahrheit hindert. Dagegen hilft besonders das Gebet um den Heiligen Geist sowie eine ernste Betrachtung, sodass wir erkennen, inwieweit die Dinge dieser Welt gut oder böse sind und wie sie Gott bewertet.
  2. Vorwitzige Neugier, also alle schädlichen, törichten und ungehörigen Dingen fernhalten, weil wir dadurch unfähig werden, das zu erfassen, was eigentlich zur wahren Selbstüberwindung und Vervollkommnung gehört. Wir sollen abgestorben sein für alles Forschen nach weltlichen, wenn auch erlaubten Dingen, deren Kenntnis nicht notwendig ist.

Thomas von Kempen

Ein sehr einflussreicher geistlicher Schriftsteller des 15. Jahrhunderts war der Augustiner-Chorherr und Mystiker Thomas von Kempen, dessen Hauptwerk „Nachfolge Christi“ („De imitatione Christi“) neben der Bibel das weit verbreitetste Andachtsbuch in der Christenheit ist.


Portrait: Thomas von Kempen

Wer war Thomas von Kempen?

Thomas von Kempen wurde um das Jahr 1380 in Kempen als Thomas Hemerken geboren. Zunächst besuchte er die Lateinschule in Kempen und ab 1392 die Stadtschule in Deventer. Im Jahr 1399 trat er in das Kloster Agnetenberg in der Nähe von Zwolle ein, wo er bis zu seinem Tod blieb. Dort war damals sein älterer Bruder Johannes Prior geworden. Thomas wurde jedoch erst 1406 eingekleidet und dann 1413 zum Priester geweiht. Er war 1425 sowie 1447 Subprior des Klosters und betätigte sich lange Zeit in der Ausbildung der Novizen, woraus auch seine bedeutende vierteilige Schrift „Nachfolge Christi“ („De imitatione Christi“) entstand. Weitere Werke waren waren die Lebensbeschreibung von Gerard Grootes, eine Chronik von Agnetenberg sowie zahlreiche asketische, historiographische und biographische Schriften. Am 25. Juli 1471 starb Thomas von Kempen im Kloster Agnetenberg bei Zwolle.


Nachfolge Christi

Das Buch „Nachfolge Christi“ ist in vier Teile gegliedert:

  • Der erste Teil enthält eine Anleitung zum christliche Leben für Anfänger.
  • Der zweite Teil behandelt die Tugenden der Demut, der Friedfertigkeit und der Bereitschaft zum Leiden.
  • Der dritte und zugleich umfangreichste Teil widmet sich dem Trost, den
    Christus allen Christen in seiner Nachfolge schenkt.
  • Der vierte Teil enthält eine Reihe von Betrachtungen und Gebeten zur Eucharistie gewidmet.

Franz von Sales

Ein weiteres Werk, dass sich dem geistlichen Kampf widmet, ist die Philothea („Gott liebende Seele“) des hl. Franz von Sales (1567-1622), bei der es sich um eine Anleitung zum frommen Leben handelt. Das Buch wurde erstmals 1608 veröffentlicht, wobei die endgültige Ausgabe im Jahr 1619 erschien.


Portrait: Heiliger Franz von Sales

Wer war Franz von Sales?

Am 21. August 1567 wurde Franz von Sales auf Schloß Sales bei Annecy geboren. Mit 12 Jahren ging er nach Paris, wo er bis zu seinem 18. Lebensjahr bei den Jesuiten Philosophie und Theologie studierte. Von 1584 bis 1588 studierte er in Padua das Fach Rechtswissenschaften und schloss dieses mit einer Promotion ab. Am 18. Dezember 1593 ließ er sich zum Priester weihen und wurde im Anschluss zum Dompropst in Genf ernannt. Ab 1594 wurde Franz von Sales Missionsprediger und konnte in vier Jahren etwa 70.000 Menschen zurückgewinnen, woraufhin ihn der Bischof 1597 zu seinem Koadjutor ernannte. Im Jahr 1602 wurde er zum Bischof von Genf geweiht. In diesem Amt gründete er 1610 den Orden von der Heimsuchung Mariä. Franz von Sales starb am 28. Dezember 1622 in Lyon. Mehr zum Hl. Franz von Sales…


Philothea

Bei diesem Werk handelt es sich um eine Laienaszetik für Männer und Frauen in der Welt. Es ist für Anfänger als auch Fortgeschrittene im geistlichen Leben geeignet und zeigt, wie Menschen einen starken Charakter in der Welt entwickeln können, ohne sich jedoch deren schlechte Eigenschaften anzunehmen. Die Philothea ist in fünf Teile untergliedert:

  1. Anweisungen und Übungen, um den ersten Wunsch nach einem frommen Leben in einen festen Entschluss umzuwandeln: Den Ausgangspunkt bildet die Generalbeichte und eine feierliche Erklärung, verbunden mit der heiligen Kommunion. Auf diese Weise tritt der Gläubige in den Bereich der heiligen Liebe Jesu.
  2. Verschiedene Ratschläge, um die Seele durch das Gebet und die Sakramente zu Gott zu erheben: Die beiden Hauptmittel auf dem weiteren Weg sind die Sakramente und das Gebet, mit der die Verbindung zu Gott weiter vertieft wird.
  3. Verschiedene Weisungen über die Übung der Tugenden: Für den inneren Fortschritt ist die Übung der Tugenden förderlich.
  4. Die wichtigsten Weisungen gegen die gewöhnlichen Versuchungen: Es werden die Tricks und Fallstricke der Feinde aufgezeigt, in Verbindung mit den geeigneten Gegenmitteln.
  5. Übungen und Ratschläge, um die Seele zu erneuern und in der Frömmigkeit zu festigen: Besonders die Übung der Einsamkeit hilft dem Gläubigen neue Kraft für den Geistlichen Kampf zu sammeln.

Der vollständige Text der Philothea kann online hier eingelesen werden: www.philothea.de


Geistlicher Streit...
Die Nachfolge Christi
Philothea: Anleitung zum frommen Leben

Quellen:

  • Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Die Bibel. Studienausgabe. Psalmen und Neues Testament. Ökumenischer Text, Stuttgart 2016.
  • Kwasniewski, Peter A.: Neuanfang inmitten der Krise. Die heilige Liturgie, die traditionelle lateinische Messe und die Erneuerung der Kirche; Tremsbüttel 2017, S. 180.
  • Scupoli, Lorenzo: Der geistliche Kampf; Rex Regum Verlag, 2002 (Neuauflage).
  • Seewald, Peter: Kult; München 2007, S. 67.
  • von Kempen, Thomas: Nachfolge Christi; Ditzingen 41986.
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Letzte Aktualisierung am 4.12.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API