Gebet der Stille

Zu den traditionellen Gebetsformen gehört auch das stille Gebet. Es ist eine innere Gebetsform, die im Christentum bereits in der frühen Kirche nachgewiesen werden kann. Fast alle Religionen kennen die Stille als eine Gebetsweise.

Was ist das Gebet der Stille

Die Frucht der Stille ist das Gebet.
Die Frucht des Gebetes ist der Glaube.
Die Frucht des Glaubens ist die Liebe.
Die Frucht der Liebe ist das Dienen.
Die Frucht des Dienens ist der Friede.

Hl. Mutter Theresa (1910-1997)

Das Schweigen als Gebetsform haben uns bereits die Wüstenväter überliefert, die in Einsamkeit und Stille mit den Dämonen in ihrem Inneren kämpften. Kontemplative Orden wie die Kartäuser suchen besonders im Schweigen die Gottesbegegnung und die ununterbrochene Beschauung Gottes. Die Stille kann uns Menschen dabei helfen, sich auf eine Begegnung mit Gott vorzubereiten und sein Wort in den Tiefen unseres Herzens zu erkennen. Im Gebet der Stille lernen wir unser Leben klarer zu sehen und den weltlichen Zerstreuungen zu entsagen. Unsere eigentliche Berufung lässt sich hierdurch besser erkennen und wir sehen, wo wir aktuell stehen und was Gott von uns möchte. Dabei ist das Schweigen nicht gerade einfach, besonders in einer durch Lärmverschmutzung, Stress und Schnelllebigkeit geprägten Welt. Wenn wir still werden und uns in die Einsamkeit zurückziehen, dann wird es innen erst recht laut und wir müssen zunächst lernen die innere Geräuschkulisse der Gedanken abzustellen. Das Gebet in der Stille reinigt uns, es klärt uns und richtet uns auf das Wesentliche aus. Ein Zitat aus Taizé beschreibt sehr schön, was Stille in uns bewirkt:

Unsere aufgescheuchten Gedanken lassen sich mit dem Sturm vergleichen, der das Boot der Jünger auf dem Meer von Galiläa erfasst, während Jesus schläft. Auch wir sind bisweilen verloren, verängstigt, unfähig uns selbst zu beruhigen. Aber Christus kann auch uns zu Hilfe zu kommen. Er drohte dem Wind und dem Meer, und ‚es trat eine große Stille ein‘. Ebenso kann er unser Herz beruhigen, wenn es durch Angst und Sorgen aufgescheucht ist (Markus 4).

Jesus selbst hat uns vorgelebt, wie wichtig die Stille ist, indem er sich 40 Tage in die Einsamkeit der Wüste zurückgezogen hat. Die Stille eröffnet im Menschen einen inneren Raum, in dem sich das Wort Gottes entfalten kann. Zum Gebet gehört jedoch nicht nur die Stille seitens des Menschen, sondern es gibt auch Zeiten in denen Gott selbst zu uns schweigt, was wir als Gottverlassenheit empfinden. Diese Erfahrung hat Jesus ebenfalls am Kreuz erfahren hat („Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“) und im Voranschreiten des Gebetslebens werden wir solche Phasen vermutlich alle irgendwann einmal haben. Auf diese Weise werden wir fähig seine Antwort und seine Anwesenheit wahrzunehmen.


Stille in der Liturgie

Auch die christliche Liturgie kennt besondere Momente der Stille, durch die Raum zum inneren Gebet und somit zur transzendenten Ausrichtung geschaffen wird. Die Stille als Teil der Liturgie soll dabei mit Inhalt gefüllt werden (als Gebet, Anbetung) und nicht nur eine reine Abwesenheit von Sprache und Handlung sein. In der überlieferten Form des römischen Ritus liest der Priester in jeder Messfeier still den Kanon und wird deshalb auch als Kanonstille bezeichnet. In dieser Zeit vollzieht der Priester die heilige Wandlung, die auch gleichzeitig den Höhepunkt der Heiligen Messe bildet. Jesus Christus selbst wandelt hier vermittels des Priesters (dieser handelt in persona Christi) durch den Heiligen Geist das Brot in seinen heiligen Leib und den Wein in sein heiliges Blut. Die anwesenden Gläubigen wohnen in Stille diesem unaussprechlichen Mysterium bei. Ebenfalls werden in der überlieferten Liturgie auch die Wochentagsmessen in der Regel als Stillmessen gefeiert, sofern kein Fest vorliegt. Die Stille versetzt den mitfeiernden Christen in einen Zustand betender Aufmerksamkeit und bewirkt einen Zustand einfacher Anbetung. Für Papst Benedikt XVI. ist das innere und äußere Schweigen eine Grundvoraussetzung, um das Wort Gottes vernehmen zu können. Das gilt es in den verschiedenen Liturgien zu berücksichtigen:

Um ein echtes Hören zu erleichtern, müssen diese auch reich an Momenten der Stille und der nichtverbalen Aufnahme sein.


Quellen:

  • Kwasinewski Peter: Der Friede der stillen und die Glorie der gesungenen Messe; In: Dominus Vobiscum 16 (2018), 4-14.
  • In der ‚Schule des Gebets’: Stille, Schweigen und Beten; In: kath.net – Katholische Nachrichten, URL: http://kath.net/news/35524 (Stand: 7. März 2012)
  • Der Wert der Stille; In: TAIZÈ, URL: https://www.taize.fr/de_article1275.html (Stand: 4. November 2004)
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Letzte Aktualisierung am 13.12.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API