Gebet der inneren Einkehr

Zu den Gebetsformen des inneren Gebets gehört auch das „Gebet der inneren Einkehr“, das in diesem Beitrag etwas näher vorgestellt werden soll.

Was ist das Gebet der inneren Einkehr?

Beim „Gebet der inneren Einkehr“ (auch als „Schauen in das eigene nackte Sein“ oder „Schau in den eigenen Seelengrund“ bezeichnet) handelt es sich um eine fortgeschrittene Gebetsform des mystischen Gebets. Das Gebet wurde besonders von den deutschen Mystikern (u.a. Meister Eckhart, Johannes Tauler und Heinrich Seuse) als Gebetsform etabliert. Allerdings finden sich Ähnlichkeiten dazu bereits bei den Wüsenvätern der frühen Kirche. Bei dieser Form des Gebets geht es darum den eigenen Seelengrund zu beschauen, also einfach nur das eigene Sein wahrzunehmen, ohne etwas zu wollen, zu wissen und zu haben.


Anleitung zum Gebet der inneren Einkehr

Besonders Johannes Tauler (1300–1361) gibt eine gute zusammenfassende Beschreibung, was das „Gebet der inneren Einkehr“ ist und wie es funktioniert:

Wenn der Mensch in der Übung der inneren Einkehr steht,
hat das menschliche Ich für sich selbst nichts.
Das Ich hätte gerne etwas
und es wüsste gerne etwas
und es wollte gerne etwas.

Bis dieses dreifache „etwas“ in ihm stirbt,
kommt es den Menschen gar sauer an.

Das geht nicht an einem Tag und auch nicht in kurzer Zeit.
Man muss dabei aushalten,
dann wird es zuletzt leicht und lustvoll.

Soll Gott sprechen,
so musst du schweigen,
soll Gott eingehen,
so müssen alle Dinge ihm den Platz räumen.

Du sollst dieses tiefe Schweigen oft und oft in dir haben
und es dir zur Gewohnheit werden lassen,
so dass es durch Gewohnheit ein fester Besitz in dir werde.

Der Mensch muss alles lassen,
dieses Lassens selbst noch ledig werden,
es lassen, es für nichts halten
und in sein lauteres Nichts sinken.


Quellen:

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Letzte Aktualisierung am 15.12.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API