Betrachtendes Gebet / Betrachtung

Zu den drei großen Kategorien des Gebets gehört neben dem mündlichen Gebet sowie dem inneren Gebet auch das betrachtende Gebet, welches uns eine gute Hilfe sein kann, um in eine engere Verbindung sowie tiefere Erkenntnis Gottes zu gelangen. Die Betrachtung ist gleichzeitig auch eine eigene Gebetsform.


Was ist das betrachtende Gebet?

Beim betrachtenden Gebet handelt es sich um betendes Nachdenken, dass die Geheimnisse des Glaubens in den Blick nimmt. Der Beter nimmt dazu eine Haltung der Sammlung ein, um in Stille über eine Szene aus dem Leben Jesu oder über eine bestimmte geistliche Gesetzmäßigkeit nachzudenken. Es ist zudem ein meditatives Gebet, das unser Denken, unsere Vorstellungskraft, unsere Gefühle, unseren Willen sowie unser Verlangen mit einbezieht. Beim betrachtenden Gebet sucht der Geist „das Warum und das Wie des christlichen Lebens zu erfassen, um dem, was der Herr verlangt, zustimmen und antworten zu können“. Das betrachtende Gebet will die gläubige Aneignung des Betrachteten mit der Wirklichkeit seines Lebens verbinden. Hierbei können bestimmte Bibelstellen, liturgische Texte, Schriften der geistlichen Väter oder andere dafür geeignete Texte verwendet werden. Der Rosenkranz zählt ebenfalls zu den betrachtenden Gebete, weil bei diesem das jeweilige Geheimnis betrachtet werden soll. Das Ziel dieser Art des Gebets ist es die Wahrheiten des Glaubens zu vertiefen, die Umkehr des Herzens anzuregen und den Willen zur Nachfolge Christi zu stärken:


„Durch das betrachtende Gebet sollen wir unsere Seele von der Sünde reinigen und mit Tugenden ausschmücken, unser ganzes Leben bessern und vervollkommnen, uns im Dienste Gottes befestigen und uns sowohl gegen Schwierigkeiten als auch gegen Versuchungen schützen und waffnen.“

Ludwig de Ponte SJ



Wie funktioniert betrachtendes Gebet?

Das betrachtende Gebet kann mit Hilfe einer Bibelstelle, eines dafür geeigneten Betrachtungstextes zur Heilsgeschichte Jesu, eines liturgischen Textes, einer Schrift der Kirchenväter oder mit einem Kreuz, einer Ikone oder einem ähnlichen Andachtsgegenstand erfolgen. Dabei begibt sich der Beter ganz in die im Text beschriebene Situation hinein oder versucht sich in den entsprechenden Andachtsgegenstand zu versenken. Es gilt das Betrachtete durch Nachdenken zu erfassen, auf die Wirklichkeit des eignen Lebens zu beziehen, indem Vorsätze (z.B. bestimmte schlechte Neigungen abzustellen) daraus abgeleitet und diese im Anschluss umgesetzt werden. Der Beter versucht sich also mit Hilfe des betrachtenden Gebets das Betrachtete gänzlich zu verinnerlichen und anzueignen.


Anleitung zur Betrachtung

Um eine geistliche Betrachtung zu verrichten, kann nach folgender Anleitung vorgegangen werden, wie sie sich ausführlich in dem Buch „Betrachtungen“ von Pater Ludwig de Ponte SJ findet. Hier wird nur eine verkürzte Darstellung wiedergegeben.


Vorbereitung

Zuvor ist eine gewisse Vorbereitung vonnöten, indem die folgenden Hindernisse beseitigt werden: Stolz, Heuchelei, Sünde sowie die Zerstreuung des Geistes. Diesen Hindernissen gilt es Demut, Einfachheit und Aufrichtigkeit des Herzens, sorgfältige Überwachung der Sinne sowie Abtötung entgegenzusetzen. Ebenfalls empfiehlt es sich ab dem Abend vor der Betrachtung sowie am darauffolgenden Morgen, wenn die eigentliche Betrachtung verrichtet wird, in Stille zu verbringen. Bei der Betrachtung geht es darum, sich den zu betrachtenden Gegenstand bildlich bis ins Detail vorzustellen und sich in ihn ganz hineinzuversetzen: z.B. die Palmsonntagsszene, als Jesus auf einem Esel in Jerusalem einzieht: Wir stellen uns vor, wie der Esel aussah, welche Kleidung Jesus trug, welcher Geruch in der Luft lag, welche Worte die Menschen beim Einzug riefen und wie dieses gekleidet (Stoffe, Farben etc.) waren, welches Aussehen die Häuser ringsum hatten usw.


Schritt-für-Schritt-Anleitung

Die folgenden Schritte dienen der unmittelbaren Vorbereitung auf die geistliche Betrachtung und gehen auf den hl. Ignatius von Loyola zurück:

  1. Zuerst gilt es eine Bibelstelle oder einen geeigneten Betrachtungsgtext auszuwählen.
  2. Am Abend vor der Betrachtung wird nun der zu betrachtende Text aufmerksam gelesen und es gilt zu überlegen, welchen Nutzen der Text für einen selbst haben soll.
  3. Vor dem Einschlafen wird der Text noch einmal ins Gedächtnis gerufen.
  4. Nach dem Aufwachen am Morgen soll wiederum an den Text gedacht werden.
  5. Unmittelbar zu Beginn der Betrachtung versetzt sich der Betrachter im Geist in die Gegenwart Gottes und bedenkt vor wem er sich befindet und zu wem er sprechen möchte.

Die nun folgende eigentliche Betrachtung setzt sich aus drei Teilen zusammen und sollte idealerweise eine halbe Stunde (wenigstens 15 Minuten) dauern:

  1. Eingang: die demütige Anbetung Gottes; ein Vorbereitungsgebet mit der Übung der Reue über unsere Sünden, der Aufopferung unserer selbst und der eigentlichen Bitte um den göttlichen Beistand; Vorübungen der Betrachtung: Bei einem in den Sinn kommenden körperlichen oder nicht körperlichen Gegenstand (z.b: eine Ikone, Engel, Tugend etc.) oder Ort (z.B. Stall von Betlehem) stellt man sich diesen bildlich vor bzw. vergegenwärtigt sich den Ort. Unkörperliche Gegenstände stellt man sich in einem Bild vor. Anschließend bittet man um die Gande der Erleuchtung des Verstandes und der Bewegung des Willens.
  2. Die eigentliche Betrachtung: Nach dem hl. Ignatius sollen bei der eigentlichen Betrachtung sowohl Gedächtnis, als auch Verstand und Willen gleichermaßen beansprucht werden. Dazu gilt es die Betrachtung anhand von drei Fragen auszuführen:
    a) Wie soll das Gedächtnis beschäftigt sein? Der zu betrachtende Gegenstand wird nochmals ins Gedächtnis geholt, aber nur nur in Bezug auf jenen Punkt, der unmittelbar betrachtet werden soll. Das Vorstellen erfolgt eindringlicher als wie bei der Vorbetrachtung.
    b) Wie soll der Verstand beschäftigt werden? Jetzt muss man sich jene Wahrheiten, die uns das Gedächtnis vor Augen gestellt hat zu erwägen und auf sich anzuwenden, also Schlussfolgerungen für das eigene Leben daraus zu ziehen. Dabei gilt es die Beweggründe abzuwägen. Es muss zudem geprüft werden, ob man bislang nach dieses Wahrheiten gelebt hat und in Zukunft leben möchte.
    c) Wie soll sich der Wille betätigen? Der Wille hat eine zweifache Funktion: Er soll fromme Gefühle in uns erwecken und gute Vorsätze bzw. Entschlüsse fassen. Die frommen Gefühlen sollen sich dabei durch die gesamte Betrachtung ziehen und sollen schon bei der Tätigkeit des Gedächtnisses und des Verstandes geweckt werden, weil durch sie die Betrachtung zum Gebet wird. Wenn wir irgendeine Herzensregung in uns wahrnehmen, so sollen wir diese weiter zu hegen suchen und bei diesem Gefühl etwas verweilen. Das Wichtigste sind die guten Vorsätze.
  3. Ende oder Ausgang: Jetzt gilt es die gefassten Vorsätze kurz zusammenzustellen und zu erneuern. Nun folgt ein sehr vertrauensvolles Zwiegespräch mit Gott. Darin bittet man ihm im Herzen um die Gnade, dass man die Vorsätze zur gegebenen Zeit ausführen kann. Daran kann dann noch eine andere Bitte für sich oder Andere angeschlossen werden. Es folgen zum Abschluss der Betrachtung ein Vaterunser, ein Anima Christi sowie der Angelus.

Nach der Betrachtung erfolgt dann einerseits die Selbstprüfung, also wie die Betrachtung in den oben beschriebenen drei Teilen für einen selbst vonstatten ging, und andererseits die kurze Wiederholung der ganzen Betrachtung als Rückblick. Hierzu empfiehlt es sich ein kurzes Stoßgebet anzueignen, das mehrmals am Tag gebetet wird, um sich damit die Vorsätze der Betrachtung wieder neu ins Gedächtnis zu rufen.


Das betrachtende Gebet
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