Befreiungsgebet / Exorzismus

Zu den etwas spezielleren Gebeten gehört der Befreiungsgebet bzw. Exorzismus, der im folgenden näher beleuchtet werden soll.


Was ist ein Exorzismus?

Treibt Dämonen aus!1 Dieser Auftrag aus Mt 10,8, den Jesus dort seinen Jüngern gibt, beschreibt genau das, worum es im Befreiungsgebet und im speziellen beim Exorzismus geht, nämlich um die Befreiung der Menschen von Dämonen bzw. vom Teufel. Als Exorzismus, auch Befreiungsdienst, Befreiungsgebet, Teufels- oder Dämonenaustreibung genannt, wird gemeinhin das Austreiben von Dämonen bzw. des Teufels bezeichnet, die in bestimmten Menschen, Tieren, Orten oder Dingen angenommen werden. Dabei spricht man je nach Schwere des Befalls von Besessenheit bzw. Umsessenheit. Der Begriff Exorzismus leitet sich vom griechischen Wort „ἐξορκισμός“ ab und lässt sich mit „das Hinausbeschwören“ übersetzen. Die religiöse Praxis der Dämonenaustreibung findet sich nicht nur im Christentum, sondern ist auch in anderen Religionen und Kulten anzutreffen. Die das Ritual des Exorzismus durchführende Person wird vor allem im christlichen Kontext als Exorzist bezeichnet. Es handelt sich bei ihr in der Regel um einen Priester bzw. um eine gottgeweihte Person, die mit dem unerwünschten Geist oder Dämon durch Dialog, Gebet, Kreuzzeichen etc. in direkten Kontakt tritt, um diesen zu vertreiben. Dabei wird nicht selten von Angriffen seitens der Besessenen Person auf den Exorzisten sowie von übernatürlichen Phänomenen während des Rituals berichtet. Die moderne Medizin deutet das Verhalten eines „Besessenen“ als Symptom für eine organische Krankheit oder psychische Störung, vergisst dabei allerdings die mit dem Besessenheitsphänomen einhergehenden übernatürlichen Phänomene (z.B. Levitation der besessenen Person oder von Gegenständen, übermenschliche Kraftentwicklung der „besessenen“ Person), die häufig während eines Exorzismus-Rituals beobachtet werden und schon damit die Reduktion auf eine psychische Störung wiederlegen.


Geschichtliche Entwicklung

Wie hat sich das Befreiungsgebet bzw. das Exorzismus-Ritual in den vergangenen Jahrhunderten entwickelt?

Exorzismus in der Bibel

Biblischer Exorzismus
Jesus treibt Dämonen aus

Die Entwicklung des Exorzismus in der Kirche liegt direkt in den Schriften des Neuen Testaments begründet. Hierbei lassen sich aber auch jüdische Einflüsse annehmen, die ihren Ursprung vermutlich im alten Ägypten haben. Außerdem gibt es Riten der Geister,- und Dämonenaustreibung in fast allen Kulturen und Religionen. Aber eine besonders starke Aufmerksamkeit hat dieses Phänomen im Christentum erfahren, was besonders in den drei synoptischen Evangelien begründet liegt, aber auch in der Apostelgeschichte. Jesus selbst erteilt den Jüngern die Vollmacht Dämonen auszutreiben, wobei diese Beauftragung gleich in dreifacher Ausführung in den synoptischen Evangelien vorliegt (Mk 3, 13-15, Lk 9, 1-2, Mt 10, 5-8), wie beispielsweise bei Matthäus, wo es heißt: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt böse Geister aus!2“. Jesus selbst vertreibt mit einem einfachen Wort in eigener Autorität im Namen einer göttlichen Macht die Dämonen.3 Hiervon lassen sich etliche Stellen in den Evangelien finden wie beispielsweise Mk 5,1-20, wo Jesus mehrere böse Geister bei einem Mann austreibt, die daraufhin in eine Herde von Schweinen fahren.

Später führen dann die Jünger Jesu diesen Dienst, gemäß der Beauftragung ihres Meisters, fort, indem sie die Dämonen im Namen Jesu austreiben.4 Sie übernehmen allerdings das klassische Schema der rituellen Teufelsbeschwörung, wie es sich sowohl im Judentum, als auch in den anderen antiken Kulturen finden lässt.5 Eine der ersten christlichen Exorzismusformeln ist in Apg 16,18 enthalten, wo es heißt:
„Das tat sie viele Tage lang. Da wurde Paulus ärgerlich, wandte sich um und sagte: Ich befehle dir im Namen Jesu Christi: Verlass diese Frau! Und im gleichen Augenblick verließ er sie.“6
Oder an anderer Stelle in Apg 19,11-19 heißt es:
„Auch wirkte Gott ungewöhnliche Wunder durch die Hände des Paulus. Sogar die Schweißtücher und Schürzen von seinem Leibe legte man den Kranken auf; die Krankheiten wichen dann von ihnen, und die bösen Geister fuhren aus.“7


Frühe Kirche & Mittelalter

In der frühen Kirche tauchen dann zum ersten Mal auch exorzistische Formeln und Handlungen auf, wie beispielsweise in der „Traditio Apostolica“ (im 4. Jhrdt. entstanden), die sich dann bis heute weiterentwickelt haben.8 So gehörte der Exorzismus in der frühen Kirche in besonderer Weise zum Ritus der Taufe hinzu und wurde in der letzten Phase der Taufvorbereitung an den Katechumenen täglich anhand von Beschwörungsformeln, Handauflegungen, Anblasen und Bekreuzigungen vollzogen, um den Übergang vom Heidentum zum Christentum zu vollziehen. Unmittelbar vor der Taufe wurde der Taufbewerber dann ein letztes Mal vom Bischof exorziert.9 Außerdem maßen Kirchenväter wie Justinus, Irenäus, Tertullian und Cyprian dem Exorzismus einen besonderen Stellenwert bei, da dieser eine große apologetische Funktion besaß, um den Heiden die Macht Gottes zu demonstrieren. Anfangs war der Exorzismus ein Charisma, das sich erst allmählich zu einem institutionalisierten Amt entwickelte. Im Jahre 416 stellte Innozenz I. im Westen den Exorzismus unter bischöfliche Ermächtigung. Damit durfte nun nicht mehr jeder Gläubige beliebig Exorzismen durchführen. Im Zeitraum vom 3. bis zum 6. Jahrhundert bildete sich zudem das Exorzistat als niedere Weihestufe heraus, die erst im Zuge der Liturgiereform im Anschluss an das 2. Vatikanum im Jahre 1972 durch Papst Paul VI abgeschafft wurde. Erstmalig findet sich eine Weiheformel für das Exorzistat in den „Statuta Ecclesiae Antiquae“ des 6. Jahrhunderts. Alkuin entwickelte dann im 9. Jahrhundert mehrere Exorzisten-Formeln, die in das „Römisch-Gallikanische-Missale“ einflossen und später die Basis für den großen Ritus von 1614 bildeten.10 Im Hochmittelalter und in der frühen Neuzeit steigerten der Hexen- und Zauberwahn das Interesse an exorzistischen Handlungen. Hier ist besonders der italienische Franziskaner Girolamo Menghi (starb 1609), der wohl bedeutendste Dämonologe des 16. Jahrhunderts, hervorzuheben. Seine Bücher waren in den katholischen Ländern weit verbreitet, vor allem seine Werke „Kompendium der exorzistischen Kunst…“, „Dämonengeissel“ und „Dämonenkeil“.11 Einen großen Bekanntheitsgrad erreichte weiterhin das „Manuale Exorcismorum“ des Maximilian von Eynatten, welches im Jahre 1619 in Antwerpen erschien und das sehr sachlich gehalten ist. Im Gegensatz zu den Werken Girolamo Menghis müssen bei ihm die Exorzisten ohne Ausnahme Priester sein.12


Neuzeit & Moderne

Exorzismus - Marienzeller Wunderaltar
Exorzismus – Marienzeller Wunderaltar

Am 17. Juni des Jahres 1614 erschien das „Rituale Romanum“ als letztes der vom Konzil von Trient in Auftrag gegebenen liturgischen Bücher, das im letzten Teil den so genannten „Großen Exorzismus“ enthielt. Jener war auf Anweisung Papst Pauls V. zusammengestellt worden,  der seine Theologen beauftragte, besonders die ältesten überlieferten Texte heranzuziehen, aufgrund der Vielfalt an Exorzismusformeln, die damals in dieser Zeit im Gebrauch waren. Deshalb fiel die Wahl vor allem auf die Gebete Alkuins (+ 804), die jener aus teilweise viel älteren Traditionen gesammelt hatte.13 Des weiterem flossen etliche altgelasianische Texte aus dem 8./9. Jahrhundert in den Ritus ein. Zudem sei angemerkt, dass die Herausgabe dieses Rituals nicht gleichzeitig mit der Vorschrift versehen wurde es auch so anzuwenden, sondern es lag lediglich eine Empfehlung darauf diese zu benutzen.14 Der Exorzismus erfuhr im Jahre 1925 eine Erweiterung durch Papst Pius XI, wobei mehrere Texte von Papst Leo XIII in das Rituale Romanum aufgenommen wurden. Zudem erfuhr der Exorzismus eine Anpassung an die Vorschriften des „Codex Iuris Canonici“ unter Papst Pius XII.15 Dieser Ritus war bis zum Jahre 1999, als im Zuge des 2. Vatikanum eine Reform des Ritus erfolgte, voll gültig.16 Seit 1999 liegt nun also die überarbeitete Form des Exorzismus von 1999 als aktuelle Form vor.



Der Exorzismus aus katholischer Perspektive

Exorzismus durch den hl. Franziskus
Exorzismus durch den hl. Franziskus

Der Exorzismus ist aus Sicht der christlich-katholischer Sichtweise die Befreiung eines Menschen (aber auch Orte und Dinge) von bösen Mächten. Nach der kirchlichen Lehre sind diese Mächte die gefallenen Engel, insbesondere mit ihrem Anführer, welcher Satan bzw. Teufel genannt wird. Ihrer Natur nach waren diese Engel gut geschaffen, wurden aber durch sich selbst böse.24 Diese sind zwar mächtige Wesen, da sie reine Geistwesen sind, aber letzten Endes doch nur Geschöpfe.25 Beim Exorzismus selbst gibt es einen kleinen, der von allen Gläubigen gebetet werden darf und den großen, welcher dem Priester vorbehalten ist. Letzterer stellt eine Sakramentale dar, die sich aus Gebeten sowie rituellen Handlungen zusammensetzt und welche die Abwehr bzw. die Befreiung von den oben genannten bösen Mächten zum Ziel hat. Aufgrund der biblischen Zeugnisse hält die Kirche eine Besessenheit für möglich.26 Der Exorzismus ist streng auf die Autorität des Amtsinhabers (gewöhnlich des Diözesanbischofs) eingeschränkt. Das Ritual darf nur von Priestern vollzogen werden, die über eine tadellose Lebensführung sowie über eine ausdrückliche Genehmigung des örtlichen Bischofs verfügen.27 Im Allgemeinen werden dämonische Störungen je nach Stärke in drei Stufen klassifiziert. Die erste Stufe ist die „obsessio“ (Bedrängung), auf welcher der Mensch durch Versuchungen und Irritationen auf dem Weg zu Gott blockiert wird. Die zweite Stufe ist die so genannte „circumsessio“ (Umsessenheit), die mit Symptomen wie Suizidgedanken, unerklärlichen seelischen und geistigen sowie körperlichen Schmerzen, Albträumen und diffusen Störungen einhergehen. Die dritte Stufe stellt die „possessio“ (Besessenheit) an sich dar. Hierbei handelt es sich nun um die Besetzung eines Individuums durch einen oder mehrerer Dämonen, die nur durch den großen Exorzismus gebannt werden können.28 So liegt also nach katholischer Sichtweise die Voraussetzung für eine Besessenheit in der Annahme der Existenz des Teufels und der Dämonen.



Die zwei großen Riten des Exorzismus

Überblick zu den zwei unterschiedlichen Ritualen in der römisch-katholischen Kirche:

Exorzismus des Rituale Romanum von 1614

Der vorliegende Ritus des Exorzismus stammt aus dem Jahre 1614, der mit den oben erwähnten Änderungen bis zum Jahr 1999 seine Gültigkeit besaß. Bei den folgenden Untersuchungen wird die lateinisch-deutschen Ausgabe des Exorzismus herangezogen, der als Auszug aus dem Rituale Romanum von Georg Siegmund herausgegeben wurde. Die hier zugrunde liegende Version des Textes stammt aus dem Jahre 1954 und teilt sich in drei Teile.

Der erste Teil behandelt die „Richtlinien über den Exorzismus an den vom Teufel Besessenen29, bei welchen es sich um Regeln handelt, die der Exorzist bei Durchführung des Rituals zu beachten hat.

Der zweite Teil besteht aus dem „Ritus des Exorzismus vom Teufel Besessener“, also dem eigentlichen Exorzismus.30 In diesem kann man „einen einleitenden Teil, einen Hauptteil … und einen abschließenden langen Gebetsteil erkennen31. Aus meiner Sicht ist auch eine recht klare Ordnung ersichtlich. Der einleitende Teil wird nun, wie jede liturgische Handlung,  mit dem Zeichen des Kreuzes begonnen und setzt sich weiter aus der Allerheiligenlitanei, einer Antiphon, dem Vaterunser sowie aus Psalm 53 zusammen. Anhand von sieben Versikelpaaren, sowie einer kurzen Oration wird zum Hauptteil übergeleitet.32 Der Hauptteil beginnt mit einer langen deprekatorischen Oration und mündet im ersten Gebet gegen den Dämon33, das imprekatorischer Art ist. Dieses ist aber meiner Meinung nach noch kein Exorzismus an sich, also jener Befehl zum Verlassen der besessenen Person, da hierbei der Dämon noch nicht zum Ausfahren gezwungen wird, sondern lediglich aufgefordert wird seinen Namen und die Zeit des Ausfahrens preiszugeben. Nun folgt eine Evangeliumslesung aus dem Johannesprolog bzw. aus Evangelienstellen, die vom Dämonenaustreibungen durch die Jünger berichten oder die Verteidigungsrede Jesu bezüglich der Dämonenaustreibung (Lk 11,14-22)34, um die Vollmacht des Priesters zu untermauern. Zuvor bekreuzigt der Priester sich selbst und die besessene Person. Nun folgen wiederum zwei Versikel und zwei Orationen. Mit letzterer wird der erste (begleitet von 6 Kreuzzeichen) von drei großen imprekatorischen Exorzismen eingeleitet. Sodann folgt eine Oration (mit 4 Kreuzzeichen), sowie der zweite und längste Exorzismus (begleitet von 22 Kreuzzeichen), der wiederum gefolgt ist von einer Oration.35 An jenen schließt sich der dritte und letzte Exorzismus (mit 12 Kreuzzeichen) an. Diese Exorzismen können beliebig bis zur Befreiung der besessenen Person wiederholt werden. Den Schlussteil des Exorzismus stellen nun Gebete wie das Vaterunser, das Ave Maria, das Credo, das Magnificat, das Symbolum Athanasianum und diverse Psalmen, die auch beliebig wiederholt werden können. Der Exorzismus wird dann mit einer Schlussoration beendet. In diesem Ritual des Exorzismus ist schon eine recht klare Ordnung zu sehen, die von einer Spannungslinie aufsteigend von den einleitenden Gebeten, über die imprekatorische Befragungsformel, die ihr Vorbild bei Mk 5,9 hat (dort fragt Jesus den Dämon nach seinem Namen) hin zu dem ersten Exorzismus durchzogen wird. Von da aus erreicht sie im zweiten und längsten Exorzismus ihren dramatischen Höhepunkt. Dies zeigt sich sowohl in der äußerst starken Wortwahl, die hier im Vergleich zu den anderen beiden Exorzismen als sehr ausgeprägt erscheint, als auch in der Zuspitzung des Exorzismus auf die Austreibung hin, welche eine große Häufigkeit von Anrufungen „gebietet Dir36 beinhaltet und die keiner der anderen beiden Exorzismen in derart starkem Maße besitzt. Von dort aus findet wieder ein Abstieg der Spannungslinie über den dritten Exorzismus, sowie einer Reihe von Gebeten statt, der schließlich in einer Schlußoration mündet. Durch das Kreuzzeichen zu Beginn und dem Schlussgebet am Ende des Rituals wird der Rahmen für die liturgische bzw. sakramentale Handlung abgesteckt. Die Lesungen der Evangelien, besonders des Johannesprologs, vor den drei folgenden Exorzismen drücken in eindringlicher Weise die Vollmacht des Wortes Gottes aus, mit welchem und in welchem der Priester anschließend in den Exorzismen den Dämonen gebietet. Zudem rahmen der erste und der dritte Exorzismus den zweiten in besonderer Weise ein und könnten in ihrer Trinität die Trinität Gottes symbolisieren. Allerdings ist im Gesamtkontext des Rituals keine typische Unterscheidung von Wortgottesdienst und sakramentaler Handlung auszumachen. Weiter fällt auf, dass es im Laufe des Rituals 44 Kreuzzeichen gemacht werden. Jedem Exorzismus geht eine Oration zu Gott, dem Vater, unmittelbar voraus und bildet mit dem jeweiligen Exorzismus ein Einheit37, um die Abhängigkeit des Priesters von Gott zu symbolisieren, da dieser ohne ihn keine Vollmacht hätte dem Bösen zu gebieten.

Der dritte Teil besteht aus dem „Exorzismus gegen den Satan und die abtrünnigen Engel38, der auf Papst Leo XIII  zurückgeht und erst nachträglich im Jahre 1925 hinzugefügt wurde. Er beinhaltet einen Exorzismus, der als Höhepunkt Psalm  68 enthält, und welcher eingerahmt ist durch das Kreuzzeichen und einem Gebet zum hl Erzengel Michael, sowie einer abschließenden Oration.

Aufbau des großen Exorzismus

Das große Exorzismus-Ritual aus dem Rituale Romanum 1614 ist wie folgt aufgebaut:
Vorbereitung

  • Kreuzzeichen
  • Besprengung mit Weihwasser
  • Allerheiligenlitanei
  • Antiphon
  • Vaterunser
  • Psalm 54

1. Exorzismushandlung

  • Versikel
  • erste Oration
  • zweite Oration
  • erster Exorzismus
  • Schriftlesung(en)
  • Bitte um Stärkung des Exorzisten
  • Kreuzzeichen
  • Zeigen des Kreuzes

2. Exorzismushandlung

  • Versikel
  • Oration
  • imprekativer Exorzismus

3. Exorzismushandlung

  • Versikel
  • Oration
  • imprekativer Exorzismus

4. Exorzismushandlung

  • Versikel
  • Oration
  • imprekativer Exorzismus

Abschluss

  • Magnificat
  • Benedictus
  • Athanasisches Glaubensbekenntnis
  • Psalmenrezitation
  • Gebet nach der Befreiung

Dieser Exorzismusritus wurde im Jahr 1925 durch den „Exorcismus in satanam et angelos apostaticos“ ergänzt, den Papst Leo XIII. 1890 veröffentlicht hat. Das Ritual darf nur von bestimmten katholischen Priestern vollzogen werden, die vom jeweiligen Ortsbischof eine entsprechenden Beauftragung haben.

Exorzismus des Rituale Romanum von 1999

Die überarbeitete Form des Exorzismus-Rituals wurde 1998 von Johannes Paul II approbiert und trat im Jahre 1999 in Kraft. Sie war im Rahmen der Liturgiereform des 2. Vaticanums der letzte Teil, welcher überarbeitet wurde. Im folgendem wird sich auf die Übersetzung des Ritus von Manfred Probst bezogen.39 So beginnt der vorliegende Ritus mittels der Praenotanda (Einleitung), die sich in sechs Abschnitte gliedert und welche Bestimmungen, Anpassungen sowie diverse biblisch-theologische Grundlegungen enthält. Der neue Ritus ist entsprechend einer liturgischen Gottesdienstfeier klar aufgebaut und besteht aus zwei Hauptteilen. So heißt es in der Praenotanda zum Exorzismus:

„Auch wenn keine Gläubigen oder wenige teilnehmen, was auch Klugheit und Weisheit aus dem Glauben erfordert, sei sich der Exorzist bewusst, dass in ihm und in dem Geplagten doch die Kirche anwesend ist, und daran soll er auch den gequälten Gläubigen erinnern.“40

So stellt das Evangelium im Zentrum des ersten Teils den Höhepunkt des Wortgottesdienstes dar. Dieser ist eingerahmt von den Eröffnungsriten wie der Segnung des Weihwassers und der Allerheiligenlitanei, sowie dem Psalmengebet vor der Verkündigung des Evangeliums und der Handauflegung im Anschluss an jenes. Dann findet eine Überleitung zum zweiten Teil des Ritus statt, der meiner Meinung nach mit dem Aufsagen des Glaubensbekenntnisses und der Wiederholung des Taufversprechens vollzogen wird, die besonders aus dem Umkehrversprechen der bzw. des Gläubigen deutlich wird. Der zweite Teil des Rituals ist gekennzeichnet von der Zuspitzung, die durch das Gebet des Herrn, gefolgt von der Segnung und dem Anblasen des Gepeinigten bis hin zum dramatischen Höhepunkt im Vollzug der eigentlichen Exorzismusformel, die sich aus einem deprekativen und einem imprekativen Teil zusammensetzt (wobei letzterer auch weggelassen werden kann41), erfolgt.

Im Gegensatz zu jener Meinung, die den Höhepunkt des Rituals in der Verkündigung des Evangeliums sieht41, lässt sich der eigentliche Höhepunkt des gesamten Rituals hier verorten, aufgrund der Dramatik, die sich schon ab dem Taufversprechen, über das Vaterunser bis hin zur Segnung und dem Anblasen des Besessenen abzeichnet. Zudem wird hier eine Handlung vollzogen, indem Gott gebeten bzw. der Dämon beschworen wird, aus dem Körper des Geplagten auszufahren. Danach findet wieder ein Spannungsabbau statt, der in der Danksagung und den Abschlussriten endet.

In den beiliegenden Auswahltexten zum Exorzismus finden sich insbesondere zwei weitere deprekative sowie imprekative Exorzismen, dann mehrere Psalmen, die jeweils mit einer Oration verbunden sind, zudem verschiedene Evangelienstellen. Des weiteren enthält der Exorzismus einen Anhang, der im ersten Teil eine imprekative Formel beinhaltet, die sich nicht auf eine Person, sondern auf Dinge und Orte bezieht, eingeleitet durch eine kurze Einführung, sowie der Allerheiligenlitanei mit einer Oration zum hl. Geist und Fürbitten mit einem Vaterunser am Ende. Nach dem imprekativen Exorzismus folgt ein Gebet zur Muttergottes, ein weiteres zum hl. Erzengel Michael sowie ein abschließender Segen. Dieser allgemeine Exorzismus kann unter besonderen Umständen, auf Bitte des Diözesanbischofs im Rahmen einer offenen gottesdienstlichen Feier unter priesterlicher Leitung abgehalten werden.43 Im zweiten Teil des Anhanges befinden sich einige Privatgebete, so unter anderem fünf Orationen (an Gottvater gerichtet), gefolgt von acht Anrufungen der hl. Dreifaltigkeit, drei Anrufungen zu Jesus Christus, einem Mariengebet, einem Gebet zum Hl. Erzengel Michael sowie einer verkürzten Allerheiligenlitanei.

Aufbau des neuen Exorzismus-Rituals

Das neue Exorzismus-Ritual gliedert sich in folgende Teile:
Besprengung mit Weihwasser
Wortgottesdienst

  • Litanei
  • Psalmen
  • (optional: Psalmenoration)
  • Evangelium

Symbolhandlung

  • Handauflegung
  • Glaubensbekenntnis
  • Zeigen des Kreuzes
  • deprekativer Exorzismus
  • (optional: imprekativer Exorzismus)

Abschluss

  • Danklied
  • Gebet
  • Segen

Sehr auffallend beim neuen Ritual ist, dass imprekative Formeln, also die eigentlichen Beschwörungsformeln, nur noch optional enthalten sind.


Vergleich der beiden Rituale

Im Vergleich beider Rituale miteinander wird deutlich, dass dem Ritual von 1999 eine stärkere liturgische Prägung im Hinblick auf eine klar aufgebaute Gottesdienstfeier zugrunde liegt, als jenem Ritual von 1614. Dies ist natürlich ein Ergebnis der nachkonziliaren Theologie, die einem derartigen Aufbau mehr Wert beimisst, als dies die tridentinische tat, zumindest im Hinblick auf die Sakramentalien. Das neue Ritual enthält zudem nur noch einen Exorzismus, der sich aus einem deprekativen (Gott wird gebeten den Besessenen zu befreien) und einem imprekativen (Teufel wird direkt imperativisch angesprochen) Teil zusammensetzt, wohingegen sich im Ritual von 1614 drei imprekative Exorzismen befanden. In den Auswahltexten des Rituals von 1999 finden sich zudem jeweils zwei weitere Paare deprekativer und imprekativer Exorzismen, welche keine konkrete Entsprechung im alten Ritual haben und neu verfasst scheinen. Hierbei ist anzumerken, dass im erneuerten Ritual den imprekativen Formeln deprekatorische zugeordnet werden. Zudem darf die imprekative Form nur noch im Anschluss an eine deprekative Formel verwendet werden, wobei letztere auch allein gesprochen werden darf. Dies bedeutet also, dass die imprekative Formel nur noch fakultativen Charakter besitzt.44 So verlagert sich der Schwerpunkt des Rituals bei Auslassung des imprekativen Teils auf den deprekativen Teil des Rituals, dem Bittgebet zu Gott um Befreiung und Erlösung vom Bösen.45 Begründet wird diese Änderung damit, dass ein Gebet an Gott theologisch nicht zu überbieten sei.46 So erscheint die imprekative Formel einigen als problematisch, aufgrund der direkten Anrede des Teufels in einer gottesdienstlichen Feier.47 Die Frage, welche von beiden Formeln die bessere ist, sollte allerdings den Exorzisten überlassen werden, da jene in der Praxis damit arbeiten müssen. Das Ritual des Exorzismus nimmt im Vergleich zu den anderen liturgischen Handlungen zudem eine Sonderstellung ein, da hier imprekativ mit dem Teufel bzw. dem Dämon gesprochen wird, was aber deshalb nicht unbedingt den liturgischen Charakter des Exorzismus als gottesdienstliche Feier beeinträchtigen muss, da die wichtigsten Elemente vorhanden sind (Aufbau, Handlungsträger, usw.). Man könnte hier auch eine Parallele zur Krankensalbung herstellen.

Auch die deprekativen Exorzismen fehlen zudem im alten Exorzismus durchaus nicht, nur werden sie dort nicht konkret als solche betitelt. So stellen die jeweiligen Orationen sowohl vor dem zweiten Exorzismus, wo es heißt „auf die Anrufung deines heiligsten Namens hin gewähre, Herr, die Gnade, dass er, der bis jetzt erschreckte, selbst erschrocken und besiegt werde weiche48, als auch vor dem dritten „befreie diesen deinen Diener (diese deine Dienerin) von den unreinen Geistern49 ganz klar deprekative Formeln dar. Die Form des imprekativen Exorzismus kann man bis in die Urkirche zurückverfolgen und hat ihre Wurzeln vermutlich im Heidentum.

Es sei hier nur angemerkt, dass aus den Reihen der Exorzisten der Vorwurf ergeht, dass das neue Ritual an Wirksamkeit eingebüßt habe und man deshalb wieder auf das alte zurückgreifen müsse, um ein gutes Ergebnis erzielen zu können. So kritisiert Don Gabriele Amorth, Vorsitzender des internationalen Exorzistenverbandes, hinsichtlich des überarbeiteten Rituals von 1999:
„Wirksame Gebete wurden gestrichen, Gebete, die es seit 12 Jahrhunderten gab – dafür wurden neue geschaffen, die vollkommen ineffizient sind.“50
Ein weiterer Vorwurf seitens der Exorzisten, der gemacht wird, ist jener, „dass keines der Mitglieder dieser Kommissionen jemals Exorzismen vorgenommen, daran teilgenommen oder auch nur die geringste Vorstellung davon hat, was ein Exorzismus überhaupt ist51. Gabriele Amorth merkt aber positiv an, dass die Exorzisten, dank einer „Notificato“ zum Ritual nicht verpflichtet sind, dieses zu benutzen. Denn nach Rücksprache mit dem Bischof können sie, sofern sie wollen, auf das alte zurückgreifen.52

Im neuen Ritual wurden das Symbolum Athanasianum sowie jene Passage gestrichen, in welcher imprekativ die Namen der Dämonen erfragt wurden.52 Der imprekative Exorzismus wurde im Vergleich zu seinem Pendant, dem zweiten Exorzismus im alten Ritual wesentlich gekürzt und verfügt nicht mehr über die große Häufigkeit von „gebietet Dir54-Anrufungen, die sehr mächtig klingen sowie das Charakteristikum magischer Beschwörungsformeln an sich haben. Dagegen wurden die Exorzismen im neuen Ritual durch Epiklesen und Hinweise auf die Fürsprache Mariens sowie auf den Beistand der Engel erweitert. Außerdem weist die Aufnahme der Erneuerung des Taufversprechens in das Ritual von 1999 auf die Taufe als Sakrament der Befreiung hin.55 Im Sakrament der Taufe wird der Christ einer grundlegenden Reinigung vom Bösen unterzogen, was natürlich die Frage aufwirft, ob Besessenheit nach der Taufe überhaupt möglich ist. Diese Frage kann hier aber nicht geklärt werden. In den Auswahltexten zum neuen Exorzismus finden sich etliche Formeln aus dem Ritus von 1614, wobei besonders die Psalmen und synoptischen Evangelientexte (um zwei erweitert) übernommen wurden.56 Weiter fällt auf, dass im neuen Ritual die Anzahl der Kreuzzeichen reduziert wurde. Schaut man weiterhin in den 1. Anhang des neuen Rituals, so finden sich dort jene Gebete von Leo XIII aus dem dritten Teil des vorkonziliaren Rituals wieder. Allerdings ist neu, dass sie hierbei in Form eines Wortgottesdienstes eingebunden sind und in der Abfolge vertauscht wurden. Die Privatgebete, die sich im 2. Anhang des Rituals von 1999 finden, sind auch eine Erneuerung, die es im alten Ritual nicht gab. Abschließend lässt sich sagen, dass beide Rituale im Vergleich etliche Gemeinsamkeiten bezüglich des Aufbaus aufweisen (grob ungefähr so: diverse Eingangsgebete – Allerheiligenlitanei – Evangelium – eigentliche Exorzismen – diverse Abschlussgebete), wobei im überarbeiteten Ritual der Charakter einer gottesdienstlichen Feier klarer zum Ausdruck kommt (wie oben gezeigt). Zudem wurde auch das ein oder andere Gebet in das neue Ritual übernommen (abgesehen von diversen Standardgebeten), besonders im Hinblick auf die Anhänge. Vergleicht man allerdings die Unterschiede (Kürzungen, Ergänzungen, usw.), so stellt man fest, dass diese doch überwiegen, besonders wenn man noch die Neuakzentuierung des Gottesbildes im überarbeiteten Ritual hinzuzieht.


Exorzist (Priester) - Ritual

Exorzismus-Gebete

Es gibt auch eine Reihe kleinerer Exorzismus-Gebete, die von Laien gesprochen werden dürfen, sei es als Schutzgebet oder um für die Befreiung anderer Menschen zu beten.

Kleiner Exorzismus für Laien (Exorzismus Leonis)

Der folgende „Exorzismus gegen Satan und die abtrünnigen Engel“ („Exorcismus in satanam et angelos apostaticos“) wurde von Papst Leo XIII. (1878-1903) verfasst und darf auch von Laien bei dämonischer Bedrängnis gesprochen werden. Er wird als „leoninischer Exorzismus“ („Exorzismus Leonis“) oder „Laienexorzismus“ bezeichnet. Beim Gebet empfiehlt es sich die lateinische Version des kleinen Exorzismus zu nehmen, da Latein laut Berichten der Exorzisten die wirkungsvollere Sprache im Kampf gegen die dunkle Seite ist.

Deutsch:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet zum heiligen Erzengel Michael

Glorreichster Fürst der himmlischen Heerscharen, heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampf gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Weltherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geister unter dem Himmel.

Komm den Menschen zu Hilfe, die Gott nach seinem Ebenbild erschaffen und aus der Tyrannei des Teufels um einen hohen Preis erkauft hat.

Dich verehrt die heilige Kirche als ihren Schutzherrn; dir hat der Herr die Seelen der Erlösten übergeben, damit du sie an den Ort der himmlischen Seligkeit führest.

Bitte den Gott des Friedens, dass Er Satan unter unseren Füßen vernichte, damit er nicht mehr imstande ist, die Menschen gefangen zu halten und der Kirche zu schaden.

Bringe unsere Gebete vor das Angesicht des Allerhöchsten, damit Er uns mit seinem vielfältigen Erbarmen schnell zuvorkomme. Und ergreife den Drachen, die alte Schlange, das heißt den Teufel und Satan, und stürze ihn gefesselt in den Abgrund der Hölle, damit er die Völker nicht weiter verführe!

Exorzismus (Bannspruch)

Im Namen Jesu Christi, unseres Gottes und Herrn, und durch die Fürsprache der unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria, des Heiligen Josef, des heiligen Erzengels Michael, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen unternehmen wir zuversichtlich den Kampf gegen die Angriffe und die Arglist des Satans.

Psalm 68 (67)

Gott erhebt sich. Da zerstieben seine Feinde, seine Gegner fliehen vor ihm.
Wie flüchtiger Rauch verweht, wie Wachs vor dem Feuer zerfließt, so vergehen die Frevler vor Gottes Antlitz.
V. Seht das Kreuz des Herrn!
Flieht, ihr feindlichen Mächte!
R. Gesiegt hat der Löwe aus dem Stamm Juda,
der Sproß Davids.
V. Deine Barmherzigkeit sei über uns, Herr.
R. Je nachdem wir auf Dich gehofft haben.

Exorzismus (Bannspruch)

Im Namen und in der Kraft unseres Herrn Jesu † Christi beschwören wir dich, jeglicher unreine Geist, jegliche satanische Macht, jegliche feindliche Sturmschar der Hölle, jegliche teuflische Legion, Horde und Bande: Ihr werdet ausgerissen und hinaus getrieben aus der Kirche Gottes, von den Seelen, die nach Gottes Ebenbild erschaffen und durch das kostbare Blut des göttlichen Lammes erlöst wurden †.
Wage es nicht länger, hinterlistige Schlange, das Menschengeschlecht zu täuschen, die Kirche Gottes zu verfolgen und die Auserwählten Gottes zu schütteln und zu sieben wie den Weizen †.

Dir gebietet Gott, der Allerhöchste †, dem du in deinem großen Hochmut noch immer gleichgestellt sein willst; Er, der will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.

Dir gebietet Gott Vater †;
dir gebietet Gott Sohn †;
dir gebietet Gott, der Heilige Geist †.

Dir gebietet Christus, das ewige Wort Gottes, das Fleisch geworden ist †; Er, der zur Rettung des wegen deines Neides verloren gegangenen Geschlechtes sich selbst erniedrigt hat, gehorsam bis zum Tod; der seine Kirche auf festen Fels gebaut und ihr verheißen hat, dass die Pforten der Hölle sie nie überwältigen werden, weil Er selbst bei ihr bleibt alle Tage bis ans Ende der Welt.

Dir gebietet das heilige Zeichen des Kreuzes † und die Kraft aller Geheimnisse des christlichen Glaubens †.

Dir gebietet die glorreiche Jungfrau und Gottesmutter Maria †, die vom ersten Augenblick ihrer Unbefleckten Empfängnis an dein über alle Maßen stolzes Haupt in ihrer Demut zertreten hat.

Dir gebietet der Glaube der heiligen Apostel Petrus und Paulus und der übrigen Apostel †.

Dir gebietet das Blut der Märtyrer wie auch die fromme Fürsprache aller heiligen Männer und Frauen †.

Wir beschwören dich also, verfluchter Drache und alle teuflischen Legionen, durch Gott † den Lebendigen, durch Gott † den Wahrhaftigen, durch Gott † den Heiligen, durch Gott, der die Welt so sehr geliebt hat, dass Er seinen eingeborenen Sohn dahin gab, damit alle, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben: höre auf, die menschlichen Wesen zu täuschen und ihnen das Gift der ewigen Verderbnis einzuträufeln; lass ab, der Kirche zu schaden und ihrer Freiheit Fesseln anzulegen.

Weiche, Satan, Erfinder und Lehrmeister jeglicher Falschheit, Feind des menschlichen Heils.

Mach Platz für Christus, in dem du nichts von deinen Werken gefunden hast: mach Platz für die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, die Christus selbst mit seinem Blut erkauft hat.

Beuge dich demütig unter die mächtige Hand Gottes; zittere und ergreife die Flucht, während wir den heiligen und schrecklichen Namen Jesu anrufen, vor dem die Hölle bebt, dem die Mächte der Himmel und die Gewalten und Herrschaften untergeben sind, den die Cherubim und Seraphim unaufhörlich preisen mit den Worten: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerscharen.

V. Herr, erhöre mein Gebet.
R. Und lass mein Rufen zu Dir kommen.
V. Der Herr sei mit euch.
R. Und mit deinem Geiste.

Gebet

V. Lasset uns beten.
Gott des Himmels, Gott der Erde, Gott der Engel, Gott der Erzengel, Gott der Patriarchen, Gott der Propheten, Gott der Apostel, Gott der Märtyrer, Gott der Bekenner, Gott der Jungfrauen, Gott, der Du die Macht hast, das Leben nach dem Tod zu geben, die Ruhe nach der Arbeit: denn außer Dir gibt es keinen Gott und es kann keinen geben außer Dir, Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren, dessen Reich kein Ende haben wird. Demütig flehen wir Deine erhabene Majestät an: Befreie uns mit Deiner Macht von aller Gewalt, List, Täuschung und Bosheit der verruchten höllischen Geister und bewahre uns mit Deiner Gnade unversehrt. Durch Christus, unseren Herrn.
R. Amen.

Herr, befreie uns von den Nachstellungen des Teufels.
Dass Du Deiner Kirche die Sicherheit und Freiheit geben wollest, Dir zu dienen, wir bitten Dich, erhöre uns.
Dass Du die Feinde der heiligen Kirche demütigen wollest, wir bitten Dich, erhöre uns.

Und man besprenge den Ort mit Weihwasser.

Latein:

In nomine Patris, et Filii, et Spiritus Sancti.
Amen.

Ad. S. Michaelem Archangelum Precatio

Princeps gloriosissime caelestis militiae, sancte Michael Archangele, defende nos in praelio adversus principes et potestates, adversus mundi rectores tenebrarum harum, contra spiritualia nequitiae, in caelestibus.

Veni in auxilium hominum; quos Deus ad imaginem similitudinis suae fecit, et a tyrannide diaboli emit pretio magno.

Te custodem et patronum sancta veneratur Ecclesia; tibi tradidit Dominus animas redemptorum in superna felicitate locandas.

Deprecare Deum pacis, ut conterat satanam sub pedibus nostris, ne ultra valeat captivos tenere homines, et Ecclesiae nocere.

Offer nostras preces in conspectu Altissimi,
ut cito anticipent nos misericordiae Domini,
et apprehendas draconem, serpentem antiquum,
qui est diabolus et satanas,
et ligatum mittas in abyssum,
ut non seducat amplius gentes.

Exorcismus

In nomine Iesu Christi Dei et Domini nostri, intercedente immaculata Vergine Dei Genetrice Maria, beato Michaele Archangelo, beatis Apostolis Petro et Paulo et omnibus Sanctis, et sacra ministerii nostri auctoritate confisi, ad infestationes diabolicae fraudis repellendas securi aggredimur.

Psalmus 68 (67)

Exsurgit Deus, et dissipantur inimici eius; et fugiunt qui oderunt eum a facie eius.
Sicut dissipatur fumus, tu dissipas; sicut fluit cera a facie ignis, sic pereunt peccatores a facie Dei.
V. Ecce Crucem Domini,
fugite, partes adversae.
R. Vicit Leo de tribu Iuda,
radix David.
V. Fiat misericordia tua, Domine, super nos.
R. Quemadmodum speravimus in te.

Exorcismus

Exorcizamus te, omnis immunde spiritus,
omnis satanica potestas, omnis incursio
infernalis adversarii, omnis legio, omnis
congregatio et secta diabolica,
in nomine et virtute Domini Iesu † Christi,
eradicare et effugare a Dei Ecclesia,
ab animabus ad imaginem Dei conditis
ac pretioso divini Agnis sanguine redemptis †.
Non ultra audeas, serpens callidissime,
decipere humanum genus,
Dei Ecclesiam persequi, ac Dei electos
excutere et cribrare sicut triticum †.

Imperat tibi Deus altissimus †, cui in magna
tua superbia te similem haberi adhuc praesumis;
qui omnis homines vult salvos fieri,
et ad agnitionem veritatis venire.

Imperat tibi Deus Pater †;
imperat tibi Deus Filius †;
imperat tibi Deus Spiritus Sanctus †.

Imperat tibi Christus, aeternum Dei Verbum caro factum †, qui pro salute generis nostri tua invidia perditi, humiliavit semetipsum factus obediens usque ad mortem; qui Ecclesiam suam aedificavit supra firmam petram et portas inferi adversus eam numquam esse praevalituras edixit, cum ea ipse permansurus omnibus diebus usque ad consummationem saeculi.

Imperat tibi sacramentum Crucis †, omniumque christianae fidei Mysteriorum virtus †.

Imperat tibi excelsa Dei Genetrix Virgo Maria †,
quae superbissimum caput tuum a primo
instanti immaculatae suae Conceptionis
in sua humilitate contrivit.

Imperat tibi fides sanctorum Apostolorum Petri et Pauli ceterorumque Apostolorum †.

Imperat tibi Martyrum sanguis, ac pia Sanctorum et Sanctarum omnium intercessio †.

Ergo, draco maledicte et omnis legio diabolica,
adiuramus te per Deum † vivum, per Deum † verum,
per Deum † sanctum, per Deum, qui sic dilexit mundum,
ut Filium suum unigenitum daret, ut omnis,
qui credit in eum, non pereat,
sed habeat vitam aeternam: cessa decipere humanas
creaturas, eisque aeternae perditionis venenum propinare:
desine Ecclesiae nocere et eius
libertati laqueos iniicere.

Vade, satana, inventor et magister omnis fallaciae, hostis humanae salutis.

Da locum Christo, in quo nihil invenisti de
operibus tuis: da locum Ecclesiae uni,
sanctae, catholicae, et apostolicae,
quam Christus ipse acquisivit sanguine suo.

Humiliare sub potenti manu Dei; contremisce et effuge,
invocato a nobis sancto et terribili Nomine Iesu,
quem inferi tremunt, cui Virtutes caelorum
et Potestates et Dominationes subiectae sunt;
quem Cherubim et Seraphim
indefessis vocibus laudant, dicentes:
Sanctus, Sanctus, Sanctus Dominus Deus Sabaoth.

V. Domine, exaudi orationem meam.
R. Et clamor meus ad te veniat.
V. Dominus vobiscum.
R. Et cum spiritu tuo.

Oratio

V. Oremus.
Deus caeli, Deus terrae, Deus Angelorum,
Deus Archangelorum, Deus Patriarcharum,
Deus Prophetarum, Deus Apostolorum, Deus Martyrum,
Deus Confessorum, Deus Virginum, Deus qui potestatem
habes donare vitam post mortem, requiem post laborem:
quia non est Deus praeter te, nec esse potest nisi tu,
creator omnium visibilium et invisibilium, cuius regni
non erit finis: humiliter majestati gloriae
tuae supplicamus, ut ab omni infernalium spirituum
potestate, laqueo, deceptione et nequitia nos potenter
liberare, et incolumes custodire digneris.
Per Christum Dominum nostrum.
R. Amen.

Ab insidiis diaboli, libera nos, Domine.
Ut Ecclesiam tuam secura tibi facias libertate servire, te rogamus, audi nos.
Ut inimicos sanctae Ecclesiae humiliare digneris, te rogamus, audi nos.

Et aspergatur locus aqua benedicta.


Kurzer Exorzismus

+ Im Namen des Vaters
+ und des Sohnes
+ und des Heiligen Geistes

Weichet alle bösen Geister
höret nichts
sehet nichts
und traget nichts hinaus
(von dem was gesprochen wird)

Unser Gott, der euer Herr ist, befiehlt:
Weichet und kehret
nie mehr wieder!

+ Im Namen des Vaters
+ und des Sohnes
+ und des Heiligen Geistes
Amen.

Hinweis! Es empfiehlt sich beim Sprechen des Exorzismus ein Kruzifix (z.B. Benediktuskreuz* ) zur Hand zu nehmen und mit diesem die Kreuzzeichen zu machen. Ebenfalls sollten die Räume mit Weihwasser besprengt werden. Zusätzlich kann mit Weihrauch Haus oder Wohnung ausgeräuchert werden, um eine positive Atmosphäre zu schaffen.

Privatexorzismus

Der folgende Privatexorzismus kann von jedermann unter Anwendung des Kreuzzeichens und Weihwassers gebrauchen darf und häufig über sich und andere – auch aus der Ferne – mündlich sprechen soll, namentlich zu Zeiten schwerer Versuchungen und Prüfungen, großer Furcht und Verwirrung, bei Anwandlungen von Ängsten und Verzweiflung, vor wichtigen Geschäften und Entscheidungen, über feindliche gesinnte Menschen, insbesondere am Kranken- und Sterbebett):

Im Namen Jesu und im Namen Mariä befehle ich euch, ihr höllischen Geister, weichet von uns (ihnen) und von diesem (jenem) Orte und waget nicht, wiederzukehren und uns (sie) zu versuchen und uns (ihnen) zu schaden. Jesus! Maria! (3 mal.)
Heiliger Michael, streite für uns! Heilige Schutzengel, bewahret uns von allen Fallstricken des Bösen Feindes!

Segensspruch:
Der Segen + des Vaters, die Liebe + des Sohnes und die Kraft + des Heiligen Geistes, der mütterliche Schutz der Himmelskönigin, der Beistand der heiligen Engel und die Fürbitte der Heiligen – sei mit uns (dir, ihnen) und begleite uns (dich, sie) überall und allzeit! Amen. (P. M. B.)


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Quellenangaben

  1. Mt 10,8 (nach Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift; Stuttgart 1980).
  2. Mt 10,8.
  3. Vgl. Dondelinger, Praxis des Exorzismus, 526.
  4. Vgl. Lk 10,17.
  5. Vgl. Dondelinger, Praxis des Exorzismus, 526.
  6. Apg 16,18.
  7. Apg 19,11.
  8. Vgl. Richter/ Probst, Exorzismus, 21f.
  9. Vgl. Brox, Kirchengeschichte des Altertums, 114f.
  10. Vgl. Amorth, Exorzisten und Psychiater, 20ff.
  11. Probst, Umgang mit Besessenheit, 73ff.
  12. Vgl. Probst, Umgang mit Besessenheit, 82ff.
  13. Vgl. Kaczynski, Exorzismus, 284.
  14. Vgl. Amorth, Exorzisten und Psychiater, 216.
  15. Vgl. Siegmund, Exorzismus, 11.
  16. Vgl. ebd., 11.
  17. Vgl. KKK 391.
  18. Vgl. KKK 395.
  19. Vgl. Scheffczyk, Exorzismus, 1127.
  20. Vgl. Mitchell, Exorzismus, 1829.
  21. Vgl. Müller, Verwünscht, verhext, verrückt oder was?, 12.
  22. Vgl. Siegmund, Exorzismus, 17.
  23. Vgl. ebd., 27.
  24. Richter, Liturgie zur Befreiung, 98.
  25. Vgl. Probst, Umgang mit Besessenheit, 80f.
  26. Vgl. Leimgruber, Kein Abschied vom Teufel, 65.
  27. Vgl. Richter/ Probst, Exorzismus, 48f.
  28. Vgl. Leimgruber, Kein Abschied vom Teufel, 65.
  29. Vgl. Siegmund, Exorzismus, 43f.
  30. Vgl. Richter/ Probst, Exorzismus, 50.
  31. Vgl. Siegmund, Exorzismus, 89.
  32. Vgl. Richter/ Probst, Exorzismus, 75ff.
  33. Vgl. ebd., 88.
  34. Vgl. ebd., 86f.
  35. Vgl. Leimgruber, Kein Abschied vom Teufel, 72.
  36. Vgl. Richter/ Probst, Exorzismus, 136.
  37. Vgl. ebd., 86f.
  38. Vgl. Leimgruber, Kein Abschied vom Teufel, 72.
  39. Vgl. Leimgruber, Volk Gottes, 61.
  40. Vgl. ebd., 60f.
  41. Vgl. Siegmund, Exorzismus, 43.
  42. Vgl. ebd., 47.
  43. Vgl. Amorth, Exorzisten und Psychiater, 242.
  44. ebd., 239.
  45. Vgl. ebd., 242.
  46. Vgl. Leimgruber, Kein Abschied vom Teufel, 70.
  47. Vgl. Siegmund, Exorzismus, 43f.
  48. Vgl. Vgl. Leimgruber, Kein Abschied vom Teufel, 72.
  49. Vgl. Richter/ Probst, Exorzismus, 135.

Literaturverzeichnis

Quellen

  • Amorth, Gabriele: Exorzisten und Psychiater; Stein am Rhein/Schweiz 2002.
  • Augustinus, De beata vita 3 (SL 29).
  • Codex des Kanonischen Rechts – Lateinisch-deutsche Ausgabe. Kevelaer ²1984.
  • Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift – Die Bibel; Stuttgart 1980.
  • Katechismus der Katholischen Kirche. München u. a. 1993.
  • Siegmund, Georg: Der Exorzismus der Katholischen Kirche, Authentischer lateinischer Text nach der von Papst Pius XII. erweiterten und genehmigten Fassung mit deutscher Übersetzung; Stein am Rhein (Schweiz) ²1989.

Sekundärliteratur

  • Brox, Norbert: Kirchengeschichte des Altertums; Düsseldorf 61998.
  • Dondelinger, Patrick: Die Praxis des Exorzismus in der Kirche. In: Concilium 34 (1998), 525-534.
  • Exorzismus von Papst Leo XIII., Kampf gegen die Hölle; Innsbruck 1957.
  • Exorzismus von Papst Leo XIII. lateinisch und deutsch, in: etika.com † Christen für Gerechtigkeit, URL: http://www.etika.com/aram/l11x13.htm (Stand: 15.12.2000).
  • Gutwenger, Dr. Lisl: Treibt Dämonen aus!; Stein am Rhein/Schweiz 1992.
  • Kaczynski, Reiner: Der Exorzismus. In: Meyer, Hans Bernhard. u.a. (Hg.). Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft, 8. Bd.; Regensburg 1984, 282-291.
  • Leimgruber, Ute: Das Volk Gottes und die Befreiung vom Bösen. In: Wagner, Marion (Hg.). Exorzismus oder Therapie? – Ansätze zur Befreiung vom Bösen; Regensburg 2005, 49-72.
  • Leimgruber, Ute: Kein Abschied vom Teufel. In:Buchner, Rainer/Bechmann, Ulrike/Krockauer, Rainer (Hg.). Werkstatt Theologie. Praxisorientierte Studien und Diskurse, 2 Bde.; Graz 2003.
  • Mitchell, Nathan D.: Exorzismus – IV. Liturgisch. In: Betz, Hans Dieter u.a. (Hg.). Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, 8. Bd.; Tübingen 41998.
  • Molitor, Dr. Raphael: Vom Sakrament der Weihe; Regensburg 1938.
  • Müller, Jörg: Verwünscht, verhext, verrückt oder was?; Stuttgart 1998.
  • Probst, Manfred: Umgang mit Besessenheit und Zauberei im 16./17. Jahrhundert. In: Wagner, Marion (Hg.). Exorzismus oder Therapie? – Ansätze zur Befreiung vom Bösen; Regensburg 2005, 73-93.
  • Richter, Klemens: „Liturgie zur Befreiung vom Bösen“ statt „Exorzismus“. In: Wagner, Marion (Hg.). Exorzismus oder Therapie? – Ansätze zur Befreiung vom Bösen; Regensburg 2005, 94-110.
  • Richter, K./ Probst, M.: Exorzismus oder Liturgie zur Befreiung vom Bösen; Münster 2002.
  • Scheffczyk, Leo: Exorzismus. III. Systematisch-theologisch. In: Kasper, Walter (Hg.). Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Bd.; Freiburg im Breisgau ³2006.

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