Ablassgebete

Der Ablass – Ein echtes Geschenk Gottes! Zu den Besonderheiten im katholischen Glauben gehört der Ablass, der in diesem Beitrag näher beleuchtet werden soll.


Was ist ein Ablass?

Alte Ablass-Urkunde
Alte Ablass-Urkunde

Unter dem Ablass (lat. indulgentia) wird der Nachlass zeitlicher Bußstrafen für die Sünden bezeichnet, die man gebeichtet hat und die hinsichtlich der Schuld schon vergeben sind. Die von uns begangenen Sünden haben in der Welt ihre Spuren hinterlassen, die wir weder sehen und auch nicht wieder so einfach gut machen können. Im Sinne der Gerechtigkeit müssen wir als logische Konsequenz dafür natürlich auch die Verantwortung tragen. Gott verzeiht uns zwar grundsätzlich unsere Sünden (in seinem Sohn hat er auch unsere Strafe erlitten), wenn wir diese aufrichtig bereut und gebeichtet haben, aber für deren Folgen müssen wir dennoch einen gewissen Anteil selbst übernehmen. Sofern wir diesen Anteil nicht in unserem Erdenleben ableisten können, gilt es für diese im Jenseits gerade zu stehen. Aus diesem Grund muss es auch ein Fegefeuer als Ort der Läuterung und Ableistung zeitlicher Bußstrafen geben, wo die durch Sünden befleckten Seelen der Menschen für die Aufnahme in den Himmel gereinigt werden.
Durch „die Hilfe der Kirche, die im Dienst an der Erlösung den Schatz der Sühneleistungen Christi und der Heiligen autoritativ verwaltet und zuwendet“ (can. 992 CIC), können wir unter bestimmten Voraussetzungen den Nachlass von Sündenstrafen aber schon hier auf Erden erlangen, was dann als Ablass bezeichnet wird. Das heißt, die Verdienste Jesu Christi sowie der lebenden und verstorbenen Heiligen werden als ein Schatz aus angehäuften Gnaden verstanden, aus dem die Kirche allen reuigen Sündern unter bestimmten Auflagen Zuwendungen zukommen lassen kann, um ihnen die Sühne zu erleichtern. Im Hintergrund dieser Auffassung steht die Vollmacht zur Sündenvergebung, die Jesus seinen Jüngern und damit der Kirche selbst erteilt hat. So heißt es im Matthäus-Evangelium:

Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.“ (Mt 18,18-19)

Beim Ablass wird die Strafe für unsere Sünden mittels dem Verrichten guter Werke (z.B. Gottesdienst- oder Friedhofsbesuch, ein besonderes Gebet in der Meinung des Heiligen Vaters, Wallfahrten) teilweise oder ganz erlassen. Die Ablassgewinnung ist nur aufgrund des Opfers von Jesus Christus am Kreuz möglich geworden. Der Ablass ist sozuagen ein Geschenk der Liebe und Barmherzigkeit Gottes an den Menschen. Dabei können wir Ablässe nicht nur für uns selbst, sondern auch für die armen Seelen im Fegefeuer gewinnen, da die Kirche eine große Gemeinschaft aus Lebenden und Verstorbenen gleichermaßen ist.

Es wird traditionell zwischen zwei verschiedenen Formen von Ablässen unterschieden:

  1. vollkommener Ablass: ein Erlass sämtlicher zeitlicher Sündenstrafen (führt im Fall des Todes unmittelbar in die ewige Anschauung Gottes)
  2. unvollkommener Ablass: teilweiser Erlass zeitlicher Sündenstrafen

Die genauen Bedingungen zur Gewinnung von Ablässen können hier nachgelesen werden: Bedingungen zur Ablassgewinnung.


Aus dem Gebetsschatz der heiligen Kirche
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Möglichkeiten zur Ablassgewinnung:

Es gibt unterschiedliche Varianten, um Ablässe zu erwerben. Voraussetzung für alle Formen der Gewinnung eines vollkommenen Ablasses ist der Empfang des Sakramentes der Versöhnung (Beichte → gilt mehrmals für täglich einen Vollablass) mit entschlossener Abkehr von jeder Sünde und der Empfang der Eucharistie sowie das Gebet nach Meinung des HI. Vaters plus jeweils einem Ave Maria und Vaterunser oder einem anderen Gebet.

  • Bestimmte Gebete, die mit einem offiziellen Ablass versehen sind (siehe unten) im Anliegen des Papstes sprechen.
  • Andächtige Lesung in der Bibel, wenigstens eine halbe Stunde lang (täglicher Vollablass).
  • Besondere Ablässe werden von der Kirche beispielsweise in Heiligen Jahren gewährt (in der Regel im Abstand von 25 Jahren). Ein solches Heiliges Jahr gab es zuletzt außerplanmäßig vom 8. Dezember 2015 bis zum 20. November 2016 (Jahr der Barmherzigkeit). Jeder getaufte Christ hatte hier die Möglichkeit durch Empfang des Bußsakraments, dem Besuch der Heiligen Messe, einem Gebet nach Meinung des Hl. Vaters sowie dem Gang durch die Heilige Pforte (alle Bistümer hatten das Privileg in bestimmten Kirchen Heilige Pforten einzurichten) einen vollkommenen Ablass zu erwerben.
  • Eine weitere Möglichkeit zur Ablassgewinnung ist die Teilnahme am päpstlichen Segen „Urbi et Orbi“ an Ostern und Weihnachten → gilt übrigens auch live am Fernseher (vollkommener Ablass).
  • Ebenfalls können tägliche Ablässe durch das Rosenkranzgebet in Kirche, Familie oder in Gemeinschaft erworben werden (täglicher Vollablass)
  • Kreuzwegandacht an amtlich errichteten Stationen → für Kranke reicht auch eine halbe Stunde Betrachtung des Leidens Jesu (täglicher Vollablass)
  • halbstündige Eucharistische Anbetung (täglicher Vollablass)
  • Gebet der Barmherzigkeitsnovene von der Hl. Schwester Faustyna Kowalska zum Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit (vollkommener Ablass)
  • Besuch einer irgendeiner katholischen Kirche oder eines Altares am Weihetag (vollkommener Ablass) und das Sprechen eine Vaterunser und des Glaubensbekenntnis
  • Gebet des Angelus („Engel des Herrn“) am Morgen, Mittag und Abend mit den vorgesehenen Versikeln und dem Gebet oder in der Osterzeit die Antiphon „O Himmelskönigin“ (Regina caeli) mit dem dazugehörigen Gebet (täglicher Teilablass)
  • Kreuzverehrung am Karfreitag: Andächtige Mitfeier der Karfreitagsliturgie und Teilnahme an der feierlichen Kreuzverehrung (vollkommener Ablass)

Neben diesen Möglichkeiten, gibt es viele weitere Varianten der Ablassgewinnung (siehe „Ablässe der katholischen Kirche“)


Ausgewählte Ablassgebete

Eine Auswahl von Gebeten, auf die es einen offiziellen Ablass gibt:

Komm, Heiliger Geist (Veni, Sancte Spiritus)

Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer Deiner Liebe.

(Teilablass)


Ablass von Papst Pius X.

Herr, mein Gott, schon jetzt nehme ich jede Art des Todes, wie es Dir gefallen wird, mit allen ihren Ängsten, Leiden und Schmerzen von Deiner Hand mit voller Ergebung und Bereitwilligkeit an.

(Vollkommener Ablass für die Sterbestunde, wer einmal während seines Lebens an einem beliebigen Tag nach aufrichtiger Reue, würdiger Beichte und Kommunion mit wahrer Liebe zu Gott dieses Gebet spricht.)


Gelobt und angebetet sei ohne End

Gelobt und angebetet sei ohne End
Das hohe, heilige Sakrament!

300 Tage Ablass. Vollkommener Ablass unter den gewöhnlichen Bedingungen, wenn man das Stoßgebet einen ganzen Monat lang jeden Tag andächtig wiederholt. (Hl. Offizium 10. April 1913)


Jesus im heiligsten Sakrament

Jesus im heiligsten Sakrament, erbarme Dich unser!

300 Tage Ablaß. (Breve vom 20. Mai 1911)


Anima Christi

Seele Christi, heilige mich!
Leib Christi, erlöse mich!
Blut Christi, tränke mich!
Wasser der Seite Christi, wasche mich!
Leiden Christi, stärke mich!
Guter Jesus, erhöre mich!
In Deinen Wunden berge mich!
Von Dir lass nimmer scheiden mich!
Vor dem bösen Feinde schütze mich!
In meiner Todesstunde rufe mich
Und heiße zu Dir kommen mich,
Daß ich mit Deinen Heiligen Dich
Dann loben möge ewiglich. Amen.

300 Tage Ablass beim einfachen Verrichten des Gebetes oder 7 Jahre Ablass, wenn das Gebet nach der heiligen Kommunion gesprochen wird. Vollkommener Ablass unter den gewöhnlichen Bedingungen, wenn man es einen ganzen Monat lang jeden Tag andächtig tut. (Ablasskongregation 9. Januar 1854)

Mehr Infos zu Anima Christi…


Herr und Gott, kehre ein in dieses Haus

Herr und Gott, kehre ein in dieses Haus und halte alle Nachstellungen des bösen Feindes von ihm fern. Deine heiligen Engel mögen darin wohnen und uns in Frieden bewahren. Und Dein Segen sei über uns allezeit. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

(Teilablass)


Salve Regina

Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit; unser Leben, unsre Wonne und unsre Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir rufen wir, verbannte Kinder Evas; zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen. Wohlan denn, unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen uns zu, und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes! O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!

(Teilablass)


Heiliger Schutzengel mein

Heiliger Schutzengel mein, lass mich dir empfohlen sein; in allen Nöten steh mir bei, und halte mich von Sünden frei. An diesem Tag (in dieser Nacht) ich bitte dich, erleuchte, führe, schütze mich. Amen.

(Teilablass)


Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

(Teilablass)

Weitere Infos zum Glaubensbekenntnis…


Sei kein Spießer, sei katholisch!
Die Ablassgebete der katholischen Kirche

Quellen:

  • Artikel „Ablass“; In: Kathpedia. Die freie katholische Enzyklopädie, URL: http://www.kathpedia.com/index.php/Ablass (abgerufen am 16.04.2019)
  • Artikel „Ablass – Was ist das?“; In: Karl-Leisner-Jugend, URL: http://www.k-l-j.de/002_ablass.htm (abgerufen am 15.04.2019)
  • Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Die Bibel. Studienausgabe. Psalmen und Neues Testament. Ökumenischer Text, Stuttgart 2016.
  • Handbuch der Ablässe (Enchiridion indulgentiarum 1999); Rom ²2008, S. 17-24, 27-81.
  • Oster, Stefan: Den Ablass als geistlichen Schatz neu entdecken; In: Kath.net, URL: http://www.kath.net/news/54017 (Stand: 15. Februar 2016)

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