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Was ist Gebet?

Das Gebet ist die Erhebung der Seele zu Gott oder eine an Gott gerichtete Bitte um die rechten Güter.

Dieses Zitat stammt vom hl. Johannes von Damaskus (676-749) und beschreibt sehr schön, was Gebet sein sollte. Gemeinhin wird als Gebet (von althochdeutsch „gibët“ → „bitten“) das religiöse verbale oder nonverbale Reden eines Menschen mit Gott oder den Heiligen bezeichnet. Es ist quasi eine Kontaktaufnahme des Menschen zu Gott und ein wichtiger Teil der Beziehung zwischen beiden. Denn was für die Wichtigkeit einer zwischenmenschlichen Beziehung gilt, hat auch in der Beziehung zu Gott eine entscheidende Bedeutung. Das Gebet ist ein tiefer Ausdruck des christlichen Glaubens und ist seinem Zweck nach Lob-, Dank-, Bitt- oder Sühnegebet. Das Lobpreis-Gebet in Form der Anbetung kommt allein Gott zu und nicht den Heiligen. Letzteren gebührt nur verehrendes Gebet. Einen ganz wesentlichen Platz hat das Gebet natürlich in der christlichen Liturgie, das dort immer über denselben Wortlaut verfügt.

Das Gebet wird der Tradition nach in drei Kategorien unterteilt, wobei die zweite und dritte Art des Betens sich eigentlich als eine Kategorie zusammenfassen lässt:

  1. mündliches / äußerliches Gebet (aktives bzw. dialogisches Gebet, Formen wie z.B. Bitt- oder Dankgebet sowie frei gesprochene oder vorformulierte Gebete wie das Vaterunser, Ave Maria, Litaneien etc.)
  2. inneres Gebet (mehr passives Gebet)
    1. betrachtendes Gebet (z.B. die Betrachtung)
    2. beschauendes / kontemplatives Gebet (z.B. Anbetung oder das Ruhegebet)

Diese drei Säulen des Gebets können sich teilweise auch etwas überschneiden wie u.a. beim Rosenkranz oder bei den Litaneien (können sowohl dem mündlichen als auch betrachtenden Gebet zugeordnet werden). Ebenfalls kann das mündliche Gebet immer mehr zum inneren Gebet werden, wenn der Beter auf seinem geistlichen Weg fortschreitet und die äußerlichen Worte immer mehr verinnerlicht. Im Laufe der Zeit haben sich zudem eine Vielzahl an Gebetsformen herausgebildet, die sich einer oder mehrerer dieser Kategorien zuordnen lassen. Darüber hinaus wird das Gebet unterschieden in privat und öffentlich:

  • persönliches Gebet: Das vom Einzelnen allein verrichtete Gebet. Es sollte für unsere Gottesbeziehung einen wichtigen Platz im Leben einnehmen. Für das persönliche Gebet bedarf es einer gewissen Struktur des Gebetslebens (z.B. durch eine kurze Gebetszeit am Morgen, Mittag und Abend), weil sich auf diese Weise unser Beten am ehesten vom äußeren zum inneren Gebet entwickeln kann. Wir vertiefen mit dem regelmäßigen Gebet unsere Beziehung zu Gott und können so im Glauben wachsen, denn unser Glaube wird wesentlich durch das Gebet mitgeprägt.
  • öffentliches / gemeinsames Gebet: Das bei gottesdienstlichen Funktionen (Stundengebet, Messfeier, Sakramentenspendung, Segnungen, Andachten) verrichtete liturgische Gebet im Namen der Kirche oder das mit anderen Privatpersonen gemeinsame Beten.

Neben dieser Einteilung des Gebets gibt es zudem weitere Unterscheidungen wie u.a. intellektuelles oder reflexives bzw. affektives Gebet sowie geregeltes oder spontanes Gebet.

Etliche geistliche Autoren haben das Gebet auch in unterschiedliche Phasen eingeteilt (speziell in der christlichen Mystik wird eine solche Unterteilung vorgenommen), je nach Grad der Intensität des Gebets. Die folgenden sieben Stufen des Gebets korrespondieren mit den sieben Wohnungen („moradas“) der hl. Teresa von Avila (siehe ihr Werk „Die innere Burg* “):

I. äußeres Gebet

Mündliches Gebet (aktives bzw. dialogisches Gebet) → wird besonders dem Erinnerungsvermögen zugeordnet

II. inneres (passives) Gebet

Das innere Gebet lässt sich wiederum in zwei Teile mit jeweils drei Stufen untergliedern.
a) vormystische Stufen: (korrespondieren mit drei traditionellen Wegen des Gebets)

  1. Betrachtendes Gebet (intellektuelles Gebet), Weg der Anfänger → mit dem Verstand, kann diskursives (von lat. „discursus“ = „Betrachtung“ bzw. „Überlegung“) Gebet sein
  2. Affektives Gebet (Gebet des Herzens), Weg der Fortgeschrittenen → der Willen und das Gefühl kommen zum Gebet dazu
  3. Gebet der Einfachheit, Weg der Vollkommenen → „Gott ist da“, Setzen eines Glaubensaktes, ich spreche mit Gott

b) mystische Stufen:

  1. Gebet der Ruhe / Gebet der Vereinigung / Gebet der Sammlung / Kontemplation → Gott ist in mir und ich bin mit ihm vereint.
  2. Ekstatische Vereinigung / Gebet der Verzückung → Gott nimmt mich in Besitz.
  3. Umwandelnde Vereinigung → „mystische Hochzeit“ („Unio mystica“ oder „Henosis“ (griech. „ἕνωσις“)), Stand der Gnade

Welchen Sinn hat das Gebet?

Neben den Sakramenten ist das Gebet ein wichtiges Hilfsmittel, um ein christliches Leben zu führen. Denn auf diese Weise erlangen wir von Gott die benötigten Gnaden, um nach seinen Geboten Leben zu können.
Das Gebet hilft uns darüber hinaus bei der Vertiefung unserer persönlichen Beziehung zu Gott. Ebenfalls hilft es in Versuchungen zur Sünde standhaft zu bleiben oder in wichtigen Situationen im Leben (z.B. bei der Partner- oder Berufswahl) die richtige Entscheidung zu treffen. Das Gebet hat sich zudem auch als Mittel im Geistlichen Kampf bewährt.


Wie funktioniert Gebet?

Beten geht ganz einfach: Wie jeden Freund, können wir Gott bzw. Jesus ganz persönlich ansprechen und ihm unsere Anliegen vorbringen, ihm Dank sagen, ihn loben, ihn anbeten oder ihm auch einfach sagen, was uns nicht gefällt. Wir können mit allen unseren Probleme zu ihm kommen, denn er hat immer ein offenes Ohr für uns und kann helfen, sofern wir seine Hilfe zu lassen. Dazu müssen wir innerlich für ihn offen zu werden, ihn in unser Herz lassen und uns von ihm leiten lassen. Je mehr wir unser Leben und Handeln auf Gott hin ausrichten, je mehr kann er in uns und durch uns wirken. Neben dem persönlichen Gebet, sind ist die Teilhabe an den kirchlichen Sakramenten sehr wichtig für eine gute Gottesbeziehung. Besonders der regelmäßige Empfang der Eucharistie und des Bußsakraments (Beichte) hilft uns die Beziehung zu Gott immer stärker zu vertiefen.


Wie kann ich beten lernen?

Nach dem Theologen Fulbert Steffensky lässt sich Beten erlernen: „Beten ist Handwerk. Man kann es lernen wie Kochen oder Backen.“ Wenn wir beten erlernen möchten, kann uns ein Blick in die Evangelien des Neuen Testaments sehr hilfreich sein. Hier zeigt Jesus selbst, wie Gebet funktioniert: Er gibt uns mit dem Vaterunser nicht nur ein vorgefertigtes Gebet mit auf den Weg, sondern zeigt uns auch an etlichen anderen Stellen, in denen er mit Gottvater spricht, wie es sich richtig beten lässt. Neben dem Vorbild Jesu, zeigen uns zudem die Apostel (besonders Paulus) und viele der großen Heiligen, wie Beten funktioniert. Auch im Alten Testament finden wir z.B. in den Psalmen Anregungen, wie Menschen gebetet haben: Sie haben Gott gepriesen, geklagt und in ihren Anliegen angerufen. Um Beten zu lernen, muss man sich zuerst Zeit für das Gebet nehmen, wie für einen guten Freund. Wir können Gott einfach mit Vater (er ist ja schließlich unser Vater) ansprechen, so wie es Jesus uns vorgemacht hat, und ihm ganz offen unser Herz ausschütten. Es empfiehlt sich besonders am Morgen und Abend Zeit für das persönliche Gebet zu nehmen. Während wir am Morgen Gott unser Tagwerk anempfehlen, so betrachten wir am Abend den Tag mit einer persönlichen Gewissenserforschung im Rückblick, bitten für die Vergebung der begangenen Sünden, Fehler sowie Nachlässigkeiten und danken ihm für die empfangenen Gaben und Wohltaten.

Hinweis! Um ein Gebet zu beginnen oder es zu beschließen, ist es außerdem üblich ein Kreuzzeichen (lat. „signum crucis“) zu machen, indem der Beter mit der ausgestreckten rechten Hand zuerst die Stirn, dann die Brust und schließlich jeweils linke sowie rechte Schulter mit den Fingerspitzen berührt. Während der Bekreuzigung spricht er die Worte: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes.“ (lat. „In nomine Patris et Filii, et Spiritus Sancti. Amen.“)

Welche Haltung soll ich beim Gebet einnehmen?

Es haben sich für das Beten im Laufe der Zeit verschiedene äußere Gebetshaltungen etabliert, die der jeweiligen Intention des Gebets und der inneren Haltung des Beters Ausdruck verleihen sollen.

Gebetshaltung: Gefaltete Hände
  • Stehen: Aufmerksamkeit, Bereitschaft, Zeichen der Achtung vor Gott
  • Niederknien: Ausdruck der Ehrfurcht, Demut und Buße, verehrende Haltung gegenüber Gott, sich seine Bedürftigkeit und Endlichkeit bewusst machen
  • offene Hände / Orantehaltung (im Stehen und mit zum Himmel gerichteten Handflächen): Ausdruck der Offenheit und Empfangsbereitschaft gegenüber Gott. Sie ist außerdem als Ausdruck des Flehens und ist kennzeichnend für den Priester als offiziellen Beter in der kirchlichen Liturgie.
  • zusammengelegte, gefaltete Hände: Ausdruck der inneren Sammlung und Ruhe, Zeichen der Demut und Ehrfurcht Gott gegenüber
  • verschränkte Hände: Ausdruck des Bittens und bewussten Betens
  • Liegen: sich vor Gott ganz klein machen
  • gesenkter Kopf: Zeichen der Verehrung Gottes und der inneren Konzentration auf das Beten
  • Sitzen: Sammlung, Bereitschaft zum Hören, Nachdenken
  • geschlossene Augen: Konzentration und innere Sammlung

Diese Gebetshaltungen haben sich sowohl im privaten Gebet des gläubigen Christen als auch im Verlauf der kirchlichen Liturgie (Gottesdienst) als Ausdrucksformen herausgebildet, um tiefer die Gottesbeziehung einzutreten. In der Liturgie der Kirche wird z.B. zur Verlesung des Evangeliums als Ausdruck für das aufmerksame Empfangen des Wortes Gottes gestanden, während die Gläubigen in der Eucharistiefeier zur Wandlung von Brot und Wein zum Zeichen der Anbetung niederknien.
Neben diesen äußeren Grundhaltungen empfiehlt es sich die folgenden inneren Grundhaltungen im Gebetsleben einzuüben, die wir aber darüber hinaus auf unser ganzen Leben ausweiten sollen:

1. Jeder soll sich um ein reines Herz bemühen.
2. Es gilt ein kindliches Vertrauen auf Gott einzuüben.
3. Wir müssen wachsam gegenüber Versuchungen sein.

Welche Gebetsformen gibt es?

Im Laufe der Zeit haben sich eine Vielzahl an unterschiedlichen Gebetsformen herausgebildet, die wir Euch hier näher vorstellen möchten:


Quellen:

  • Braun, Joseph: Liturgisches Handlexikon; Regensburg 1924, S. 121.
  • Ramm, Martin: Zum Altare Gottes will ich treten; Thalwil 2018, S. 92f.
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Letzte Aktualisierung am 15.12.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API